Wenn der Mieter die Wohnung in eine Müllkippe verwandelt

Von: Andreas Bongartz
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Mikrowelle, Stereoanlage und Fernseher - von den Mietnomaden einfach zurück gelassen. Viele der Wohnungsflüchtlinge sind Sozialhilfeempfänger und ziehen einfach in eine neue Kommune, wo ihnen Sach- und Finanzleistungen wieder sicher sind. Foto: Andreas Bongartz

Düren. „Wie ein Saustall, das ist wie ein Saustall!” - Josef Schmitz (Name von der Redaktion geändert) kann es nicht fassen. Der Vermieter steht in seiner Wohnung in der Alten Jülicher Straße und reibt sich angesichts des ausgewachsenen Chaos die Augen.

In den Zimmern im Obergeschoss des Hauses sieht es aus wie auf einer Müllkippe: Möbel, Kleidungsstücke, Matratzen, leere Flaschen - ein ganzer Hausrat türmt sich in den Räumen fast bis zur Decke, zurückgelassen von Schmitz Mietern.

Die haben die Wohnung von einem Tag auf den anderen verlassen, einfach so, ohne Vorankündigung und vor allem ohne ihr Hab und Gut.

Schmitz ist ein Opfer von so genannten Mietnomaden geworden. Damit sind Personen gemeint, die von einer Mietwohnung in die nächste ziehen, mit der Absicht, gar keine oder nur zeitweise Miete zu zahlen. Häufig werden die Wohnungen dann auch noch in einem verwahrlosten Zustand zurückgelassen.

Dass Mieter hin und wieder ihre Miete nicht zahlen können, ist insofern eigentlich nichts Neues. Neu ist jedoch die Dimension des bewussten Vortäuschens falscher Tatsachen - ein Betrug zu Lasten des Vermieters. Und es sind längst keine Einzelfälle mehr.

„Das ist ein sehr großes Thema für uns und hat in den letzten vier Jahren extrem zugenommen”, sagt etwa Gerd Blankenberg vom Dürener Verein Haus und Grund.

Blankenberg berät Vermieter in Sachen Immobilienrecht, bei 60 Einzelberatungen pro Woche gehe es bis zu sechs Mal um Fälle, in denen Mieter ihre Zahlungen säumig bleiben.

Blankenberg weiß von 50 bis 100 Fällen jedes Jahr zu berichten, in denen es Probleme mit Mietnomaden gibt.

Auch bei der Dürener Immobilien-Service-Gesellschaft (DIS) sind Mietnomaden ein Thema. „Generell”, so sagt Michael Hommelsheim von der DIS, „merkt man, dass die Zahlungsmoral der Mieter nachlässt”.

So habe man bei den rund 2000 Mietwohnungen der Gesellschaft Zahlungsrückstände in Höhe von bis zu 300.000 Euro.

Zahlungsrückstände hat jetzt auch Josef Schmitz zu beklagen. Nachdem sich seine Mieter aus dem Staub gemacht haben, fehlt ihm nicht nur die Miete, er muss auch die Entrümpelung und Sanierung seiner Wohnung bezahlen.

Schmitz rechnet dabei mit Kosten von mindestens 2500 Euro, auf denen er vermutlich sitzen bleiben wird. „Versuchen Sie, einem Nackten etwas aus der Tasche zu ziehen”, sagt er und spielt darauf an, dass seine Mieter Sozialhilfe empfangen haben.

Maria Bergrath-Heinen, stellvertretende Leiterin des Dürener Sozialamts, hat Verständnis für Schmitz´ Ärger, sieht ihr Amt bei ausstehenden Zahlungsansprüchen nach Auszug der Mieter allerdings außen vor.

„Wir mieten die Wohnung ja nicht an, das ist ein privatrechtliches Vertragsverhältnis zwischen Mieter und Vermieter”, sagt sie. Die einzige Möglichkeit für das Sozialamt auf die Mieter einzuwirken, bestehe darin, finanzielle Hilfeleistungen zurück zu verlangen, wenn die Miete nicht gezahlt wird.

Aber auch das nur, so lange das Mietverhältnis bestehe. Wenn die Zahlungen vom Amt ausbleiben würden, würden viele dann einfach weiter ziehen.

„Manche ziehen alle drei Monate um”, so Maria Bergrath-Heinen. Schmitz jedenfalls wird in Zukunft vorsichtiger sein, von seinen Mietern eine Haftpflichtversicherung verlangen und Auskünfte bei vorherigen Vermietern einholen.
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