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Wenn aus Raphael Raphaela wird

Von: Sandra Kinkel
Letzte Aktualisierung:
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Raphaela Salentin ist 18 Jahre alt. Die Heimbacherin ist als Raphael auf die Welt gekommen und weiß schon seit acht Jahren, dass sie lieber eine Frau sein möchte. Heute lebt sie in Berlin. Sie strebt eine komplette Geschlechtsumwandlung an.

Heimbach/Berlin. „Meine Oma sagt manchmal noch Raphael zu mir. Aber trotzdem hat sie akzeptiert, dass ich so bin wie ich bin.“ Raphaela Salentin ist vor 18 Jahren in Heimbach zur Welt gekommen – nur eben nicht als Raphaela, sondern als Raphael.

„Ich habe schon mit zehn Jahren gemerkt, dass ich irgendwie anders bin als die anderen Kinder“, erzählt sie. „Ich wollte zum Beispiel unbedingt auch so ein weißes Kleid anhaben wie die Mädchen, als ich zur Kommunion gegangen bin. Und keinen Anzug wie die Jungs.“

Raphaela Salentin ist transsexuell, ihr Ziel ist eine Geschlechtsumwandlung. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. „Ich war auf der Adolf-Kolping-Hauptschule in Nideggen“, erzählt die junge Frau. „Und ich habe eigentlich nie mit einem über meine innere Zerrissenheit und meine Probleme gesprochen, bis ich 16 Jahre alt war. Das war schon sehr schwer für mich. Ich habe immer große Angst vor Ablehnung gehabt“, sagt Raphaela Salentin.

Sie sagt, dass sie sich in Düren und Heimbach immer sehr wohl gefühlt habe, sie sagt aber auch, dass ihr hier irgendwann alles „irgendwie zu eng“ geworden ist. „Ich fühlte mich eingeschlossen, und ich hatte das Gefühl, dass ich hier nicht so sein kann, wie ich bin.“

Raphaela Salentin hat professionelle Hilfe eines Therapeuten in Anspruch genommen, vor einem Jahr hat sie sich dann entschieden, nach Berlin zu ziehen. Damals war sie noch 17. „Natürlich war das schwer von Heimbach nach Berlin. Aber hier gibt es Hunderte, die so sind wie ich. Hier guckt keiner, wenn ich über die Straße laufe. Hier bin ich frei. Hier bin ich ich. Und kann es auch sein.“

In Berlin ist die 18-Jährige nur Raphaela, als Raphael kennt sie keiner. „Ich laufe immer nur als Frau rum, nie als Mann. Und ich habe auch hier keine Fotos von früher. In Berlin gibt es keinen Raphael mehr.“

Das ist auch gut so, denn um auch ganz offiziell zur Frau werden zu können, muss Raphaela Salentin nachweisen, dass sie ein Jahr durchgängig als Frau gelebt hat. Erst danach kann sie mit der Hormontherapie beginnen, und ihre Geschlechtsumwandlung auch operativ besiegeln lassen. „Man muss unglaublich viele Voraussetzungen erfüllen, damit die Krankenkasse die Geschlechtsumwandlung bezahlt“, sagt Raphaela Salentin. „Das ist auf der einen Seite schlimm, weil ich nicht warten möchte. Andererseits ist es aber ja auch gut, weil eine Geschlechtsumwandlung ja ein unumgänglicher Schritt ist.“

Neben ihrem endgültigen Schritt vom Mann zur Frau hat Raphaela Salentin auch noch ein anderes Ziel, sie möchte Schauspielerin werde. „Ich habe nach der Schule keine Ausbildung gemacht“, erzählt sie. „Ich habe im Altenheim gearbeitet, in einem Hotel in Heimbach und in einem Café in Düren. Und jetzt will ich auf die Bühne.“

Einige kleine Komparsenrollen hat sie schon gehabt, gerade hat sie außerdem einen Vertrag mit RTL II unterschrieben.

Der Fernsehsender will die junge Heimbacherin ein Stück weit auf ihrem Weg zur Geschlechtsumwandlung begleiten. Im Rahmen der Serie will Raphaela sich auch einer Brustoperation unterziehen.

Das hat womöglich auch finanzielle Gründe, Raphaela sagt aber, dass sie durch die Fernsehsendung auch anderen Menschen Mut machen will. „Ich will der ganzen Welt zeigen“, sagt Raphaela Salentin, „dass Transsexualität nichts Abwertendes ist. Und dass alles möglich ist, wenn man stark genug ist.“

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