Düren - Weniger Personal, mehr Kinder in der Kita „Wibbelstetz”

CHIO-Header

Weniger Personal, mehr Kinder in der Kita „Wibbelstetz”

Von: Andreas Bongartz
Letzte Aktualisierung:
kinder_bu
Die Arbeit mit Kindern macht Karin Cremer viel Freude, die Rahmenbedingungen hierfür seien jedoch sehr schlecht, klagt sie. Foto: Bongartz

Düren. So ein Kleiderhaken kann ganz schön hoch hängen, für manche Kinder der Kindertagesstätte „Wibbelstetz” einfach unerreichbar: Wie gut, dass Erzieherin Karin Cremer da zur Stelle ist und die Knirpse in die richtige Höhe hebt. Für die Mädchen und Jungen der Kita geht es nach draußen.

Für die Erzieherinnen bedeutet das alle Hände voll zu tun. Schuhe wollen gefunden und dann gebunden werden und wo ist doch noch gleich die passende Jacke? Das alles unter einem erheblichen Lärmpegel.

Karin Cremer bleibt in all dem Gewusel bewundernswert gelassen, von Anspannung keine Spur. Doch der Schein trügt: „Ich habe heute extreme Rückenschmerzen”, sagt die 51-Jährige. Der schmerzende Rücken - nicht die einzige Begleiterscheinung ihres Jobs: Seit 30 Jahren ist die zierliche Frau Kindergärtnerin in der Einrichtung an der Antwerpener Straße; vor drei Jahren nahm sie dann aber eine Auszeit. „Ich habe eine Kur gemacht, weil ich extrem starke Schmerzen in Zähnen und Gesicht hatte. Das hatte mit Stress zu tun.”

Dieser sei mit den Jahren nämlich immer mehr geworden, das Berufsbild der Kindergärtnerin habe sich stark verändert. „Die Kinder, die zu uns kommen, sind jünger als früher, alle sind so um die drei Jahre alt, teilweise auch jünger”, berichtet Karin Cremer. Damit verbunden sei ein höherer Betreuungsaufwand, je jünger die Kinder, um so größer sei dieser. So müssten viele Kinder noch gewickelt oder auf die Toilette begleitet werden.

Auch der Bedarf der Eltern sei gestiegen: „Wir haben heute doppelt so viele Kinder wie früher.” - die zudem länger betreut werden müssen. Gleichzeitig würde der im Kinderbildungsgesetz vorgesehene Personalschlüssel nicht eins zu eins umgesetzt. Statt neun fest angestellten Betreuern gibt es in der Kita „Wibbelstetz” neben fünf Erzieherinnen in Vollzeit noch vier Teilzeitkräfte. „Anforderungen wie Qualitätsmanagement und Familienzentrum sind noch dazu gekommen.” Karin Cremer stellt eine einfache Gleichung auf: „Weniger Personal bei mehr Kindern bedeutet einen höheren Arbeitsdruck, mehr Lärm und mehr Stress.”

Man arbeite am absoluten Limit: „Die nervliche Anspannung ist schon so, dass man am Rande des Burn-outs steht.” Fehlzeiten seien dann das Resultat, was die Probleme noch erschwere. Karin Cremer mahnt: „Wir haben das Wohl der Kinder im Blick, dürfen uns selber aber auch nicht aus dem Blick verlieren.” Weil dem so ist, wurde in der Kita Wibbelstetz gestreikt. Nicht am Montag, aber am vergangenen Freitag. Wiederholung nicht ausgeschlossen.

„Wir haben viele Jahre Verständnis für die öffentliche Hand gehabt, aber jetzt ist die Belastung so groß, dass es nicht mehr geht”, so Karin Cremer. Obwohl sie auch den geringen Verdienst einer Kindergärtnerin bemängelt, macht die Erzieherin nicht den Eindruck, als ob es ihr bloß um monetäre Aspekte gehe. Ein Knackpunkt ist die Gesundheit der Erzieher: „Ich mache mir Sorgen, ob ich die Arbeit unter diesen Belastungen noch in zehn Jahren leisten kann.” Unzufrieden ist sie ebenfalls angesichts des immer höheren Arbeitsdrucks und der gleichsam weniger werdenden Zeit für die Betreuung der Kinder: „Wir haben ja auch einen Bildungsauftrag, wollen die Kinder speziell fördern und nicht bloß verwahren.” So solle die personelle Ausstattung der Kitas entkrampft werden. Dafür sei sie auch bereit zu streiken.

Karin Cremer: „Um bessere Rahmenbedingungen für die Kinder und für uns - darum lohnt es sich zu kämpfen, weil uns die Arbeit mit den Kindern Freude macht.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.


Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert