Düren - Weniger finanzielle Hilfe für vergewaltigte Frauen?

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Weniger finanzielle Hilfe für vergewaltigte Frauen?

Von: Sandra Kinkel
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Sigrid Bergsch, Vorsitzende des HObAS-Vereins, befürchtet, weniger Zuschüsse zu erhalten. Foto: sj

Düren. Sigrid Bergsch ist wütend, sehr wütend sogar. „Als ich vor zwei Jahren den Verein „Hilfe für Opfer bei anonymer Spurensicherung“ (HObAS) gegründet habe, habe ich nicht an eine kurzfristige politische Lösung geglaubt. Aber jetzt sieht es so aus, als würde es gar keine Lösung geben.“

Nach einer Vergewaltigung stehen die Frauen unter Schock. Polizei, Anzeige – damit sind die Opfer von Gewalt ganz häufig überfordert. HObAS-Vorsitzende Bergsch: „Deswegen bieten wir den Frauen im Kreis Düren seit vier Jahren die Möglichkeit an, in Zusammenarbeit mit den Krankenhäusern, die Spuren anonym sichern zu lassen.“

Will heißen: Die Frauen werden vom Arzt untersucht, der sichert die Spuren der Vergewaltigung mit Hilfe eines speziellen Sets der Polizei. Per Post (mit Sendungsverfolgungsnachweis) werden die Spuren zur Rechtsmedizin nach Köln gebracht, wo sie zwei Jahre aufbewahrt werden. Bergsch: „Die Frauen bekommen eine Chiffre-Nummer und können sich innerhalb dieser zwei Jahre entscheiden, doch noch Anzeige zu erstatten.“

In erster Linie sind es die Transportkosten von Düren nach Köln, die die meisten Kosten verursachen. Bergsch: „Bei Mädchen oder jungen Frauen, die K.O.-Tropfen bekommen haben, muss zudem eine Blut- und Urinuntersuchung gemacht werden. Die Proben müssen gekühlt per Kurier nach Köln gebracht werden. Das ist noch einmal teurer.“

Finanziert wird die anonyme Spurensicherung in Düren bisher von dem Verein „HObAS“. Allein in diesem Jahr haben schon zwölf Frauen das Angebot nach einer Vergewaltigung in Anspruch genommen. „Das ist viel“, weiß Sigrid Bergsch. „Sonst sind es im Schnitt vier bis fünf in einem ganzen Jahr.“ „HObAS“, so Bergsch weiter, sollte immer nur eine Übergangslösung sein. Es habe vor zwei Jahren einen Erlass des Landes NRW gegeben, dass die Polizeibehörden die anonymen Spuren nicht mehr aufbewahren dürfen.

„Deswegen bringen wir sie zur Rechtsmedizin. Im Gegenzug wollte das Land aber die Kosten für die anonyme Spurensicherung übernehmen. Darauf haben wir immer gewartet.“ Dann endlich die gut Nachricht: 2014 sollte es erstmals Gelder aus Düsseldorf geben, 400.000 Euro waren im Landeshaushalt für die anonyme Spurensicherung eingeplant. Auch Sigrid Bergsch hatte einen Antrag auf Kostenübernahme ans Familienministerium gestellt. „Weil dieses Geld in den Bereich freiwillige Leistungen fällt, die das Land nun wegen der Haushaltssperre nicht zahlen kann, bekommen wir nichts“, so die „HObAS“-Vorsitzende.

„Das Land behindert unsere Arbeit mehr als es sie fördert.“ Besonders bitter: Die Spenden an „HObAS“ sind stark zurückgegangen. „Viele Leute haben einfach gedacht, dass wir ja jetzt mit öffentlichen Mitteln finanziert werden. Da würde ich doch auch nicht spenden. Ich weiß im Augenblick nicht, wie lange wir unsere Arbeit noch fortsetzen können.“

Dr. Axel Sauerwald, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie am Krankenhaus Düren, mit dem Sigrid Bergsch zusammenarbeitet, ergänzt: „Die Arbeit des Vereins ‚Hilfe für Opfer bei anonymer Spurensicherung’ ist wirklich sehr wichtig. Sehr oft passieren Vergewaltigungen im häuslichen Bereich. Für viele Frauen ist es eine unüberwindbare Hürde, unmittelbar nach der Tat Anzeige zu erstatten.“ Wer Sigrid Bergsch und ihren Verein unterstützen oder sich näher über die Arbeit informieren möchte, kann sich unter Telefon 0157/89300665 melden.

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