Welttag des Buches: „Onleihe“ wird immer beliebter

Von: Sandra Kinkel
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Die Leiterin der Dürener Stadtbücherei, Alexandra Oidtmann, will die Digitalisierung der Bibliothek vorantreiben. Seit zwei Jahren gibt es zum Beispiel die Möglichkeit der Onleihe. Die Dürener Studentin Lisa Wüllenweber (kleines Foto) hat vor acht Tagen ihren ersten Roman veröffentlicht – als E-Book. Foto: Kinkel, Beuchi

Düren. Plötzlich hatte Lisa Wüllenweber große Lust, ein Buch zu schreiben. Das war vor ziemlich genau einem Jahr. „Beim Fernsehen hatte ich die passende Idee,“ erzählt die 23-jährige Studentin, die an der Heinrich-Böll-Gesamtschule ihr Abitur gemacht hat und in Dresden Deutsch und Geschichte auf Lehramt studiert.

Aus der Fernseh-Idee ist ihr Roman „Observe“ entstanden, seit gut einer Woche gibt es das Werk als E-Book und als Taschenbuch. Immerhin 30 Exemplare hat sie schon verkauft. „Observe“ erzählt die Geschichte von Kim und Martin, die sich für 45 Tage einfrieren lassen wollten. Aus den 45 Tagen sind 468 Jahre geworden, und als die beiden wieder auftauen, hat sich die Welt total verändert...

„Ich habe mich bewusst gegen einen Verlag entschieden“, sagt Lisa Wüllenweber, die ihr Buch als „Selfpublisher“ über einen weltweit agierenden Internetversandhandel vertreibt. „Zum einen, weil es extrem schwer ist, einen Verlag zu finden. Zum anderen aber auch, weil es mir wichtig war, die Sache komplett alleine zu machen.“ Der Erfolg gibt Lisa Wüllenweber Recht. Sie hat für ihr Erstlingswerk „Observe“ im März auf der Leipziger Buchmesse den „Bestseller Express“ gewonnen und ein Marketingpaket im Wert von 10000 Euro bekommen. „Es gab mehrere Hundert Bewerbungen“, erzählt Lisa Wüllenweber, die ihre Bücher unter dem Pseudonym Lisa M. Louis veröffentlicht („Wüllenweber kann man sich nicht gut merken.“). „Eine dreiköpfige Jury, zu der auch Schriftsteller gehörten, hat den Sieger ausgesucht.“

Dass E-Books irgendwann gedruckte Bücher vom Markt verdrängen, glaubt Lisa Wüllenweber nicht, wohl aber, dass die Zahl von Nutzern digitaler Bücher immer weiter steigt. Aktuelle Zahlen belegen ihre Vermutung: Der E-Book-Umsatzanteil im Buchhandel (ohne Schul- und Fachbücher) betrug im vergangenen Jahr immerhin 4,3 Prozent – das sind knapp acht Prozent mehr als noch 2014. Auch Alexandra Oidtmann, Leiterin der Dürener Stadtbücherei, beobachtet ein Zuwachs an Besuchern, die digitale Medien nutzen. Seit zwei Jahren gibt es in Düren die Möglichkeit der „Onleihe“. Via Internet können die Nutzer sich aus 10328 Medien (Bücher, Hörbücher, E-Paper, E-Magazines und Kinderfilme) maximal sechs Titel gleichzeitig auf ihren Computer laden.

Das Angebot ist für Inhaber eines Büchereiausweises (Erwachsene zahlen einen Jahresbeitrag von 20 Euro) kostenlos, nach 14 Tagen erlischt in der Regel automatisch das Nutzungsrecht. Alexandra Oidtmann: „Für unsere Kunden hat das viele Vorteile: Es entstehen keine zusätzlichen Kosten. Auch Mahngebühren kann es überhaupt nicht geben.“ Im ersten Jahr der „Onleihe“ haben 1300 der über 3000 Büchereikunden das Angebot genutzt, im vergangenen Jahr waren es schon 1940. „Das“, so Oidtmann, „ist eine Steigerung von immerhin 47 Prozent.“ Nicht nur jüngere Leute, sondern auch durchaus „Menschen 50 plus“ würden das Angebot nutzen. „Es kommt immer häufiger vor. dass Besucher mit unserem Tablet zu uns kommen, und sich zeigen lassen, wie die ‚Onleihe‘ funktioniert.

Grundsätzlich beobachtet Oidtmann eine Änderung im Leseverhalten. „Nicht unbedingt, was Romane angeht“, sagt sie. „In diesem Bereich sind unsere Ausleihzahlen absolut konstant, da läuft das E-Book parallel. In dem Bereich wird die ‚Onleihe‘ verstärkt für die Urlaubslektüre genutzt.“ Sachbücher würden dagegen seltener ausgeliehen. „Gerade Schüler kommen kaum noch in die Bücherei, um sich ein Sachbuch auszuleihen, dass sie für ein Referat brauchen. Oder auch Kochbücher werden weniger genutzt. Rezepte bekommt man ganz leicht im Internet.“

Lisa Wüllenweber hatte nach dem Erfolg ihre Erstlingswerks die ersten Anfragen von Literaturagenten, die ihr bei der Suche nach einem Verlag helfen wollten. „Es wird auf jeden Fall eine Fortsetzung von ‚Observe‘ geben, und ich plane auch eine Liebeskomödie. Zu einem Verlag gehe ich aber nur, wenn das Angebot richtig gut ist.“

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