bullyparade kino freisteller bully herbig tramitz kavanian

Wegen Gewalttaten eineinhalb Jahre hinter Gitter

Von: Margret Vallot
Letzte Aktualisierung:

Düren. „Es stimmt alles, ich war auf Entzug” sagte am Dienstag mit leiser Stimme der Angeklagte (23) zu Richter Hans-Georg Wingen.

Der junge Mann sitzt seit Ende September vorigen Jahres in Untersuchungshaft. Damals hatte er versucht, aus einem Mercedes-Sprinter etwas zu stehlen. Doch als der Eigentümer des Wagens plötzlich auftauchte, hatte der Angeklagte ein Messer gezückt und seinem Gegenüber einen schlimmen Schrecken eingejagt. „Knallhart, mit kaltem Blick” hat der Autofahrer den Angeklagten in Erinnerung.

Wenige Tage später traf es damals eine alte Dame (79), die sonntags mit ihrem Lebensgefährten auf dem Weg zur Annakirche war. Der wollte der Angeklagte die Handtasche wegnehmen. „Lass das, da ist kein Geld drin”, habe sie noch gerufen, schilderte die Frau vor Gericht. Und: „Ich nehm´ bis heute keine Tasche mehr mit.”

Polizei alarmiert

Auch gegenüber der alten Dame und ihrem Begleiter zückte der Angeklagte ein Messer. Ein anderer Mann beobachtete sie Szene, alarmierte per Handy die Polizei, und die setzte den 23-Jährigen fest.

Der, obschon noch sehr jung, hat schon 13 Mal vor Gericht gestanden. Als Jugendlicher wurde er seit 2004 mehrfach wegen Diebstahl, Sachbeschädigung, Beleidigung, Körperverletzung, Fahren ohne Fahrerlaubnis und wegen weiterer Straftaten verurteilt. „Jetzt sind Sie erwachsen, jetzt wird es ernst”, meinte der Richter mehrfach.

Um zu beurteilen, ob der Angeklagte wegen seiner Drogensucht vielleicht schuldunfähig war, hatte eine Sachverständige im Gefängnis zahlreiche Gespräche mit ihm geführt. Die Psychologin berichtete von der „traumatisierenden Kindheit und Jugend” des Angeklagten, der schon in frühester Kindheit schwere Gewaltexzesse seines Vaters gegen die Mutter miterleben musste. Der Vater habe die Mutter sogar schon in der Schwangerschaft getreten. Er muss „extrem gewalttätig” gewesen sein, so teilte die Expertin mit, die auch andere Familienmitglieder befragt hatte. Der Angeklagte wurde vom gewalttätigen Vater etwa ab dem dritten Lebensjahr schwer misshandelt, er zeigte schon als Kind Verhaltensauffälligkeiten, legte Brände, machte Suizidversuche und nahm Drogen.

Zur schweren Heroinabhängigkeit kam noch eine Krankheit, die sich durch Hyperaktivität auszeichnet (ADHS) hinzu, „und zwar in besonders schwerer Form”. Die Krebserkrankung der Mutter, ein schwerer Motorradunfall des Vaters- alles kam vor Gericht zur Sprache. Am Ende meinte die Psychologin, der Angeklagte sei bei den beiden Taten vermindert schuldfähig, er habe aus Angst vor Drogen-Entzug an Geld kommen wollen. Die Schilderung der grauenhaften Kindheit und Jugend bewog den Staatsanwalt zur Milde. Er forderte eine Haftstrafe von einem Jahr und zwei Monaten ohne Bewährung. Danach soll der Angeklagte in ein Entziehungsheim eingewiesen werden. Der Einweisung hatte der Mann, der von der Drogensucht wegkommen will, zugestimmt.

Vorbereitung auf Therapie

„Kopf einschalten und nachdenken, wie es weitergehen soll”, riet der Richter, der den Angeklagten für ein Jahr und sechs Monate hinter Gitter schickte, wobei die letzten Monate der Vorbereitung auf die Therapie dienen sollen. Die Unterbringung in eine Entziehungsanstalt (nach der Haft) wurde ebenfalls angeordnet.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.


Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert