Warnschuss für die Hauptschule Gürzenich

Von: Burkhard Giesen
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An der Gürzenicher Hauptschule kämpft man mit rückläufigen Schülerzahlen. Am Donnerstag waren nur 15 Kinder angemeldet, 18 Anmeldungen sind zur Bildung einer Eingangsklasse aber vorgeschrieben. Foto: Burkhard Giesen

Düren. Willi Vitzer, Leiter der Gürzenicher Hauptschule, musste am Donnerstag tief durchatmen. Am Vormittag hatte die Kölner Bezirksregierung quasi das Aus für seine Schule verkündet. Am späten Nachmittag nahm sie dann diese Entscheidung wieder zurück.

Weil für die neue Eingangsklasse im Sommer nur 13 Kinder angemeldet worden waren, dürfe, so die Bezirksregierung, keine neue Eingangsklasse zum 5. Schuljahr gebildet werden. Nicht nur Vitzer hat das eiskalt erwischt, auch die Politik hatte damit nicht gerechnet. „Als nächsten Schritt hat der Rat der Stadt nun über die Zukunft der Schule zu befinden“, schreibt die Bezirksregierung in ihrer Mitteilung weiter. Man kennt das Prozedere: Gibt es keine Eingangsklasse mehr, läuft die Schule aus.

So weit wird es vermutlich in diesem Sommer nicht kommen. „Die Zahlen basieren auf älteren Angaben“, teilte Vitzer auf Anfrage mit. „Wir gehen jetzt auf die 18 zu.“ 18 ist die magische Grenze, bei der der Erhalt der Eingangsklasse gesichert ist.

Vitzer: „Ich bin guten Mutes, dass wir die Genehmigung noch bekommen.“ Zumal man sich in anderen Fällen mit Ausnahmegenehmigungen auch unterhalb der Mindestanmeldezahlen retten konnte. Das sieht man inzwischen auch bei der Bezirksregierung so. „Durch die neuen Zahlen kann Bewegung in die Situation kommen“, formulierte es auf Anfrage Frank Stabler von der Kölner Bezirksregierung zunächst vorsichtig, um sich später selbst zu korrigieren.

Den Warnschuss aus Köln dürfte die Politik allerdings verstehen. Schulausschussvorsitzender Hermann-Josef Geuenich war mehr als nur überrascht. „Natürlich wussten wir, dass sich die Hauptschule in Gürzenich nicht über einen Überfluss an Schülern beklagen kann, trotzdem hatten wir nicht damit gerechnet, dass diese Entwicklung so schnell eintreten kann.“

So hatte man erst kürzlich ein langfristiges Konzept entwickelt. Das sah vor, dass die Förderschule Cornetzhof in die Hauptschule Burgauer Allee eingegliedert werden und mit der Gürzenicher Hauptschule kooperieren sollte. Unter dem Stichwort Inklusion könnte so sichergestellt werden, dass Schüler mit Behinderung an einer Regelschule unterrichtet werden könnten.

Dieser Rettungsanker, den man für die Gürzenicher Hauptschule ausgeworfen hatte, hat nur einen Schönheitsfehler: Die „Inklusive Schwerpunktschule für den Sekundarbereich I“ kann laut Bezirksregierung in diesem Jahr noch nicht genehmigt werden, weil die entsprechende Gesetzesänderung vom Düsseldorfer Landtag noch gar nicht beschlossen ist.

Auch wenn man momentan davon ausgehen kann, dass es für die Eingangsklasse eine Ausnahmegenehmigung geben kann, bleibt die Frage der dauerhaften Existenz der Gürzenicher Schule. Schulausschussvorsitzender Hermann-Josef Geuenich: „Die Frage, ob wir künftig noch drei Hauptschulen brauchen, müssen wir diskutieren.

Wir müssen da auch die beiden anderen Hauptschulen einbeziehen und alle Optionen prüfen, um die beste Lösung zu finden.“ Dabei gesteht Geuenich ein, dass man an Grenzen stößt: „Wenn man auf ein dreigliedriges Schulsystem setzt, kann man nicht eine dieser Ebenen kappen.“ Ein Umsteuern wäre dann erforderlich. Eine Diskussion, bei der sich die CDU eher zurückgehalten hat.

Thomas Floßdorf, CDU-Stadtverbandsvorsitzender: „Die überraschende Entwicklung stimmt mich nachdenklich. Wir werden früher als geplant über das Thema Sekundarschule nachdenken müssen.“

In den Zusammenhang erneuerte SPD-Fraktionsvorsitzender Henner Schmidt eine Forderung: Er will einen Schulentwicklungsplan nur für die Stadt Düren. Schmidt: „Wir müssen grundsätzlich die Schullandschaft in Düren überprüfen und untersuchen lassen, wie Dürens Schullandschaft zukunftsfähig werden kann.“ Klar, dass bei ihm da auch die Sekundarschule eine entscheidende Rolle in dem Konzept spielt.

Am späten Nachmittag zog die Bezirksregierung ihren Bescheid übrigens zurück. Die Entscheidung über eine Eingangsklasse werde verschoben, weil die Anmeldezahl „am Donnerstag deutlich angestiegen“ sei. Aktuell liegt man bei 15 statt bei 13 Kindern.

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