Wachsende Angst vor vollvermummten Aktivisten im Ort

Von: Jörg Abels
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Im Beisein von CDU-Politikern machten die Morschenicher ihrem Unmut über die vom Wiesencamp aus immer wieder durch den Ort streunenden Aktivisten Luft. Die Angst im Ort wächst. Foto: Abels

Morschenich. Herabgelassene Rollladen, verwilderte Gärten, kaum Verkehr auf den Straßen – Morschenich stirbt langsam aus. Gut zwei Jahre nach dem Start der Umsiedlung hat laut Ortsvorsteher Michael Dohmes bereits die Hälfte der knapp 500 Einwohner den Ort verlassen, der bis 2024 den Schaufelradbaggern des Tagebaus Hambach weichen muss.

Seit die A4 verlegt und die Anschlussstelle Buir geschlossen ist, verirrt sich nur selten noch ein Fahrzeug in den kleinen Ort, von den Lastern der nahe gelegenen Kieswerke einmal abgesehen. Und das Bild wird von Woche zu Woche, von Monat zu Monat trostloser. Für die noch im Ort verbliebenen Bürger, darunter viele Ältere, eine Situation, die schon belastend genug ist. Dazu gesellt sich bei vielen aber immer öfter Angst. Angst vor den selbst ernannten Umweltaktivisten aus dem knapp einen Kilometer entfernten Wiesencamp, in dem seit Jahren auch viele Autonome gegen die Braunkohleverstromung demonstrieren. Immer wieder tauchen abends und nachts vollvermummte und zum Teil auch mit Knüppeln und anderen Gegenständen bewaffnete Gestalten im Ort auf, berichten gleich mehrere Anwohner bei einem vom CDU-Gemeindeverbandsvorsitzenden Günther Schmitz organisierten Treffen.

„Sie streunen durch den Ort und die bereits verlassenen Häuser, auf der Suche nach Baumaterial für ihre Hütten und nach Trinkwasser“, ist Dohmes überzeugt. „Das ist für die Anwohner und die im Ort untergebrachten Flüchtlinge sehr beängstigend“, betont der Ortsvorsteher. Viele haben Angst, dass früher oder später ein Aktivist im Wohnzimmer steht, weil er versehentlich in ein noch bewohntes Haus eingedrungen ist. Andere befürchten, dass über kurz oder lang auch leerstehende Häuser im Ort besetzt werden könnten, was die ohnehin bereits angespannte Situation weiter verschärfen würde.

Schon jetzt hat sich die Zahl der Einbrüche im aussterbenden Ort deutlich erhöht, aus dem Heim der Lambertus-Schützen wurden zuletzt Getränke gestohlen. Auch wenn natürlich niemand Beweise hat, dass auch dies im Zusammenhang mit dem Wiesencamp steht, liegt es für viele nahe. Auf den Friedhof traut sich mit Einbruch der Dämmerung schon jetzt kaum noch ein Morschenicher. Auch dort werden immer wieder Aktivisten gesichtet. „Und den Wald, den die Aktivisten schützen wollen, dürfen wir auch nicht mehr betreten“, berichtet Hermann Latten. Wer im Wald spazierengehen wolle, werde sofort verjagt. „Hier geht die Lebensqualität den Bach runter“, sagt Günther Schmitz, der vollstes Verständnis für die Morschenicher hat, die sich mit Blick auch auf die fast 1000 in einer Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der CDU-Landtagsabgeordneten Josef Witz und Gregor Golland im September 2016 dokumentierten Straftaten vom Rechtsstaat im Stich gelassen fühlen.

Nicht nur Rudolf Pick spricht vom „rechtsfreien Raum“. Die Morschenicher fordern die verantwortlichen Politiker auf, endlich Mut zu zeigen und das Camp zu räumen. Josef Wirtz will am heutigen Montag dafür sorgen, dass sich der Innenausschuss des NRW-Landtags in seiner kommenden Sitzung am 9. März endlich mit dem Thema beschäftigt. „Wir werden den Minister auffordern, das Camp per Erlass so schnell wie möglich räumen zu lassen.“ Rechtlich sei das möglich, betont der Abgeordnete, der wie CDU-Landtagskandidatin Patricia Peill zwar auf das hohe Gut der Demonstrationsfreiheit hinweist, das aber von den Aktivisten rund um Morschenich mit Füßen getreten werde.

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