Düren/Aachen - Vorwurf lautet: Mord aus Habgier

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Vorwurf lautet: Mord aus Habgier

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Düren/Aachen. Schweigend saßen die wegen Mordes an einer Rentnerin angeklagten Geschwister Anton P. (45) und Lydia G. (48) auf der Bank, vier Verteidiger an ihrer Seite.

Die Angeklagten werden zunächst schweigen, erklärten die Anwälte auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters Gerd Nohl. Sie wollten sich allerdings dann äußern, wenn es nötig sei. Nötig wird es wahrscheinlich werden. Denn die einigermaßen betuchte alte Dame, das bestätigte gestern der Notarzt vor Ort, ist am 10. Mai einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen: Die Leiche wies Platzwunden am Kopf auf und die Totenstarre, beschrieb der Mediziner die Auffindesituation, hatte bereits eingesetzt.

Angehörige, darunter der Sohn und der Enkel der zum Tatzeitpunkt 79 Jahre alten Dürenerin, waren stutzig geworden, weil die Reinigungsfrau nicht in die Wohnung konnte. Sie schauten nach und alarmierten schnellstens den Notarzt. Der Arzt und sein Helfer mussten im Dunkeln durch eine völlig verrußte Wohnung tappen, die Wände seien kohleschwarz gewesen, die Rollläden dicht geschlossen. Das Feuer hatte die Wohnung nicht zerstört, anscheinend waren die Flammen von selbst erstickt.

Durchwühlte Wohnung

Nur die Herdplatte und der Backofen, berichtete der Mediziner, schmorten vor sich hin. Beim Hineingehen habe er gegen eine Art Tresor getreten, die Wohnung sei durchgehend durchwühlt gewesen, Schranktüren hätten offen gestanden.

Hintergrund könnte ein in der Wohnung der Rentnerin versteckter Bargeldbetrag sein. Denn von ihren deutlich im Plus befindlichen Konten hatte sie erst kurz zuvor 20 000 Euro abgehoben. Das bestätigte gestern ein Polizeibeamter. Die Mordkommission hatte damals nach einem Motiv gesucht, bevor die Polizei erst nach etwa vier Wochen die Angeklagten festnahm. In der Wohnung des Angeklagten Anton P. sollen sich unter einem Teppich, der wiederum versteckt unter einem Bett lag, Geldscheine befunden haben.

Gestern war jedoch nur von Scheinen im Werte von 1000 bis 2000 Euro die Rede, den kompletten Betrag scheint man nicht gefunden zu haben. Die alte Dame hatte weitere Konten, die im hohen fünfstelligen Bereich lagen. Die 20.000 Euro waren kurz zuvor bei ihr eingegangen, da sie Forderungen aus einem Brandschaden hatte, der zeitnah zur Tat von der Versicherung beglichen wurde, hieß es gestern. Dem Geschwisterpaar, das nach Angaben des ermittelnden Polizeibeamten bis dato aus staatlichen Kassen lebt, wird vorgeworfen, das Opfer gemeinschaftlich und aus Habgier ermordet zu haben. Der Prozess geht am Montag, 14 Uhr, weiter.

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