Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Düren scheidet aus

Von: Ingo Latotzki
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Professor Dr. Herbert Schmidt an seinem Schreibtisch in der Sparkasse Düren. Foto: Ingo Latotzki

Düren. Es kommt vor, dass Professor Dr. Herbert Schmidt an einem Samstagmorgen auf dem Dürener Wochenmarkt mehr bespricht als an einem normalen Arbeitstag. Der Chef der Dürener Sparkasse kennt jede Menge Leute, jede Menge Leute kennen ihn.

Man grüßt, bleibt kurz stehen, plaudert und je nach dem wird eine Idee für ein Projekt, eine Spende oder ein Geschäft geboren. Schmidt, 59, notiert sich dann ein paar Stichworte und mailt sie kurz später auf seinen eigenen Rechner in der Sparkasse. „Montags ist der Computer gut bestückt“, sagt er am Freitag um die Mittagszeit in seinem Büro im City-Karree. Morgens um acht ist er schon im Fitnessraum der Sparkasse gewesen. Eine Stunde hat er da zugebracht, bevor er sich an seinen Schreibtisch gesetzt hat. Das macht er einige Mal in der Woche, und nicht nur er.

Mittlerweile besuchen mehr als 300 Sparkassenkollegen das Gesundheitszentrum, das auf Schmidts Initiative eingerichtet wurde. Man kann also sagen, dass er, seit er vor zwei Jahren den Vorstandsvorsitz übernommen hat, ordentlich Bewegung ins Haus gebracht hat. „Das ist ein Stück Unternehmenskultur“, sagt er. Ganz nebenbei soll auch die Krankheitsquote im Haus gesenkt werden. In den nächsten fünf Jahren um ein Prozent. „Es soll Schritt für Schritt gehen“, sagt Schmidt.

Das Fitnesszentrum nennt er, als er danach gefragt wird, was er in seiner Zeit als Sparkassenchef Besonderes auf den Weg gebracht hat. Natürlich könnte er jetzt einen ganzen Abend reden und aufzählen, was aus seiner Sicht alles gelaufen ist. Macht er aber nicht. Muss er nicht. Er nennt nur noch einen Aspekt: Unter seiner Führung ist die jährliche Gewinn-Ausschüttung an Stadt und Kreis Düren von 50 auf 80 Prozent gestiegen. Das werde aber nicht jedes Jahr gehen, sagt er gleich einschränkend, auch wenn die Sparkasse, vor allem im Zusammenspiel mit den Kunden, „gut durch die Krise gekommen ist“.

Ende des Monats wird Professor Schmidt aufhören. Sein Vertrag läuft aus, er wurde nicht verlängert, Uwe Willner übernimmt den Vorsitz des Vorstandes. „Was ich nicht ändern kann, nehme ich an“, sagt der promovierte Diplom-Kaufmann. Mehr nicht. Er ist Profi. Und souverän. Deshalb redet er lieber darüber, wie es nun für ihn weitergeht. Schmidt wird bei einer neu gegründeten Firma anfangen. Er will Vorträge halten, Seminare geben, bundesweit, er wird als Berater tätig sein und ein „sozialkritisches Buch schreiben“. Nein, sagt er sofort, „nein, es wird nichts mit Düren zu tun haben“. Dabei lächelt er vielsagend. Worum es gehen wird, sagt er nicht, noch sei nicht alles spruchreif.

Langeweile wird er nicht haben, im Gegenteil. „Ich werde am 1. Oktober anfangen und pünktlich morgens am neuen Schreibtisch sitzen.“ Strukturiert, vorbereitet, so wie immer. „Ich bin sehr organisiert“, sagt er, „ich plane meine Zeit.“ Wenn er Vorlesungen, die er als Professor etwa an der Fachhochschule in Aachen hält, vorbereiten muss, dann macht er das rechtzeitig. „So schnell überrascht mich nichts, deshalb kommt auch keine Hektik auf“, sagt er.

Seine Lehrtätigkeit setzt er fort, ebenso sein Engagement im Karneval. Im Jahr 2000 war er Dürener Prinz, er ist Präsident der Närrischen Norddürener, und das mit Leib und Seele. Überhaupt ist Herbert Schmidt überall da Zuhause, wo Menschen sind. „Mich fasziniert nach wie vor der Austausch mit Leuten, ich mag es immer, neue Menschen kennenzulernen.“ Und damit schlägt er wieder einen Bogen zur Sparkasse, bei der er seit gut 20 Jahren beschäftigt ist. Erst bei der Stadtsparkasse, seit der Fusion mit der damaligen Kreissparkasse vor 13 Jahren bei der jetzigen Sparkasse Düren. „Wir kennen unsere Kunden“, sagt er, und deshalb ist er immer viel auf dem gesellschaftlichen Parkett unterwegs. Löwe sei er, und vieles, was man mit dem Sternzeichen in Zusammenhang bringt, stimme bei ihm: willensstark, zielstrebig, geradlinig. Und er sei vielleicht auch ein wenig eitel. Solange der Eitelkeitsquotient nicht größer sei als der Intelligenzquotient, sei es in Ordnung sagt er und lächelt wieder.

Wenn er Ende des Monats sein Büro verlässt, „werde ich auf jeden Fall die Belegschaft vermissen. Von Herzen vermissen“. Kollegen, die er immer wieder mal auch im Fitnessraum gesehen hat. Vielleicht trifft er sie bald hin und wieder samstags auf dem Wochenmarkt. Da wird er weiter hingehen.

Schmidt mag Menschen.

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