Vor Gericht: Mit Fleisch aus Supermarkt gerannt

Von: Margret Vallot
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Düren. Er hatte nur ein Fleischpaket mitgehen lassen, doch daraus entwickelte sich eine gefährliche Situation, für die sich der Rentner am Donnerstag vor Gericht verantworten musste. Der ehemalige Bäcker lebt von 813,22 Euro Rente, er war bis 2002 Alkoholiker und lebt seit einer Therapie ohne Alkohol, wie er der Richterin sagte.

Der Staatsanwalt warf ihm vor, im April vorigen Jahres in einem Supermarkt in Düren eine größere Menge Fleisch geordert, erhalten aber nicht bezahlt zu haben. Er habe vielmehr das Fleischpaket unter seine Jacke gepackt und sei an der Kasse vorbei zu seinem Auto gegangen. Eine Kassiererin und eine Verkäuferin, die ihm hinterherliefen, habe er nicht beachtet. Und als die sich schließlich auf dem Parkplatz schreiend und winkend hinter sein Auto gestellt hätten, sei er einfach nach hinten losgefahren.

Schon während der Staatsanwalt seine Anklage vorlas, schüttelte der Angeklagte den Kopf. Und erwartungsgemäß schilderte er die Tat in einem ganz anderen Licht.

Ihn habe, weil es an der Kasse endlos nicht weiterging, die Panik gepackt. Mit dem Fleisch sei er rausgegangen. Als ihm dann noch die Kassiererin folgte, habe ihn noch mehr Panik gepackt, „ich hatte Angst”, sagte er. Er sei zum Auto gelaufen. Im Auto habe seine Lebensgefährtin auf ihn gewartet. Er habe den Wagen langsam zurückgesetzt, von den beiden Frauen will er nichts gesehen haben.

Die Mitarbeiterinnen des Supermarktes waren als Zeuginnen geladen und schilderten - unabhängig von einander - den Vorgang ganz entsprechend der Anklage. Die Erste meinte, sie habe den Mann rausgehen sehen, an der Kasse vorbei, mit einem Paket in der Jacke. Eine Kundin habe noch gesagt: Der hat doch gerade an der Fleischtheke für 30 Euro Fleisch bekommen.

Die Verkäuferin meinte, sie sei dem Mann gefolgt, habe ihn nach der Ware gefragt und sei hinter ihm her zum Parkplatz gegangen. Eine Kollegin sei ihm ebenfalls gefolgt, „denn wir haben sehr viel zu tun mit Diebstählen”. Beide Frauen stellten sich, so schilderten sie es jedenfalls, hinter den Wagen des Angeklagten, legten die Hände auf den Kofferraum und riefen ihn laut an. Da sei der Angeklagte plötzlich zurückgefahren, und sie seien schreiend zur Seite gesprungen.

Der Angeklagte hatte behauptet, seine Lebensgefährtin habe von allem nichts mitbekommen und müsse nicht vernommen werden. Eine Zeugin berichtete aber vor Gericht, die Lebensgefährtin des Angeklagten sei später in den Supermarkt gekommen und habe sich entschuldigt. „Sie hat sich sehr geschämt und gesagt, dass sie nicht wusste, dass er das Fleisch gestohlen hat.”

Der Rechtsanwalt des Angeklagten und dieser selbst wollten plötzlich die Lebensgefährtin als zusätzliche Zeugin laden. Deshalb musste der Prozess vertagt werden. Am Donnerstag um 9.15 Uhr trifft man sich vor Gericht wieder.
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