Düren - Vor Gericht: Ein Geständnis unter Tränen

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Vor Gericht: Ein Geständnis unter Tränen

Von: Margret Vallot
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Düren. Eine junge Frau (27) stand am Dienstag vor dem Schöffengericht, deren schwerer Lebensweg wohl jeden der dort Anwesenden rührte. Die ledige Frau stammt aus Rumänien, hat vier Kinder und wurde aus der Untersuchungshaft vorgeführt.

In Rumänien hatte sie als Kind mit ansehen müssen, wie ihre Eltern im Haus verbrannten. Sie hatte eine Weile bei ihren Großeltern gewohnt, die aber sehr arm waren und das Mädchen in einem Kinderheim unterbrachten. Dort müssen Zustände geherrscht haben, die einem Kind das Leben wie eine Hölle erscheinen lassen. All das hatte die Angeklagte in einem Vorgespräch einer Gutachterin unter Tränen berichtet. Auch vor Gericht konnte sie vor lauter Weinen kaum sprechen.

Aus dem Kinderheim, so berichtete die Gutachterin, war das Mädchen im Alter von elf Jahren nach Hamburg verschleppt worden, um dort zu klauen und zu betteln. Das scheint das einzige gewesen zu sein, was sie in ihrer Jugend gelernt hatte. Entsprechend war sie bisher kaum in der Lage, im Alltag zurecht zu kommen.

In Düren hat die Frau in einem Kaufhaus in der Wirtelstraße vier Flaschen hochwertiges Parfüm (Wert: 291 Euro) gestohlen. Zwei Detektive nahmen am 8. Juni diesen Jahres alles per Video auf und sprachen die Frau an, als sie das Kaufhaus verlassen wollte. Es kam zu Rangeleien, einem der Männer verdrehte sie den Daumen sehr schmerzhaft. Die beiden Detektive erschienen, trotz Ladung, am Dienstag nicht vor Gericht, was Richter Hans-Georg Wingen stets mit Verärgerung zur Kenntnis nimmt.

Anfang Juni diesen Jahres war glücklicherweise zufällig ein Polizist mit seiner Familie in dem Kaufhaus. Der konnte Ruhe in den Tumult bringen. Er konnte auch die hochaufgeregte Frau etwas beruhigen und schließlich erreichen, dass sie den Diebstahl zugab. Seit dem 9. Juni ist sie in Haft.

„Wo gingen Sie den hin, wenn wir Sie jetzt freiließen?”, fragte Wingen. Die Frau wusste es nicht, und ihre Rechtsanwältin meinte, es komme wohl nur eine Notunterkunft infrage. Die Kinder, die sie offenbar schmerzlich vermisst, sind ihr abgenommen worden. Das erste Kind bekam sie im Alter von 15 Jahren. Damals konnte sie in Wuppertal an einem Programm für Teenagermütter teilnehmen, das sei die allerschönste Zeit in ihrem Leben gewesen.

Bereits etliche Geldstrafen

Danach kamen noch drei weitere Kinder zur Welt, zu denen sie aber keinen Kontakt mehr hat. Denn die Angeklagte, die immer wieder Phasen schwerer Depression erlebt, wurde vor etwa einem Jahr rauschgiftsüchtig. Um sich Geld für Heroin zu beschaffen, habe sie auch in Düren geklaut. Sie wollte Drogen bezahlen, die ihr schon vorab, wie sie sagte, ein Dealer gegeben hatte.

„Sie hat immer wieder Gewalt erfahren”, wusste die Gutachterin. Deshalb habe sie auch so panisch reagiert, als die beiden Kaufhausdetektive sie festhalten wollten.

Alles lief auf eine milde Strafe hinaus, obwohl der Angeklagten 2007, 2009 und 2010 bereits Geldstrafen wegen Diebstahl aufgebrummt wurden. Weil sie die nicht zahlen kann, muss sie ohnehin noch bis Mitte Februar in Haft bleiben. Wingen beauftragte einen Bewährungshelfer, schon mal einen Platz im betreuten Wohnen zu besorgen. Er will am 1. September die Verhandlung mit der Vernehmung der beiden Detektive fortsetzen.
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