Von wegen Unkraut: Delikatessen auf der Wiese

Von: Beate Weiler-Pranter
Letzte Aktualisierung:
5647937.jpg
Seit drei Jahren führt Astrid Gerkowski (l.) in die Geheimnisse der Wildkräuter ein und sorgt dafür, dass altes Kräuterwissen nicht vergessen werden. Und leckere Rezepte hält sie auch bereit: Foto: Beate Weiler-Pranter

Heimbach. Diese Frau hat Geschmack. Und das gleich im doppelten Sinn. Als Diplom-Designerin erstellte Astrid Gerkowski Dekorationskonzepte für zahlreiche Hotels und setzte sie von Sylt, über Berlin und Baden-Baden bis hin nach Ischgl um. Doch dann rückte Astrid Gerkowski eine andere „Geschmacksvariante“ in den Vordergrund.

Seit drei Jahren bietet die begeisterte Köchin und Naturliebhaberin „kulinarische Feldforschung“ an – geführte Wildkräuterwanderungen in der Eifel. So sorgt sie dafür, dass jahrhundertealtes Pflanzenwissen nicht verloren geht.

„Keine Angst, es schmeckt sehr kräftig, doch das Herbe verspielt sich später im Salat“, ermuntert Astrid Gerkowski. Und während sie einige frisch gepflückte Spitzwegerichblätter in der Runde verteilt, machen sich die ersten Expeditionsteilnehmer schon eigenständig auf die Suche nach dem aromatischen Kraut.

Als wahres Energiebündel entpuppt sich der Wiesen-Bärenklau. Wieder reichen ein paar informative Hinweise von Astrid Gerkowski, um den Blick zu schulen. Plötzlich entdecken alle in der Wiese und am Wegesrand die charakteristischen, rau-ruppigen Blätter, die an eine haarige Bärentatze erinnern. „Blanchiert und gehackt wird daraus ein vitaminreiches Gemüse“, verrät die Kräuter-Expertin.

Die zarten Blütenknospen des Wiesen-Bärenklaus, der zur Gruppe der Doldenblütler gehöre, sähen nicht nur aus wie Baby-Broccoli, sie schmeckten auch so, erklärt sie weiter Überrascht knabbern die ersten Kursteilnehmer an den grünen, knubbeligen Knospen mit dem zart-milden Aroma. Selbst die Stängel der dekorativen Pflanze sind essbar. Mit schnellen Handgriffen schält sie ein Exemplar: „Nun können Sie ihn weiterverarbeiten wie Spargel.“

Die blühenden Frühlingswiesen zwischen Vlatten und Heimbach entpuppen sich als Fundgrube für aromatische Wildkräuter. Immer wieder bückt sich Astrid Gerkowski, zupft ein paar Blätter oder Stängel und erklärt. Der Geschmack von Labkraut erinnere an Erbsen, die Knospen vom Spitzwegerich hingegen schmeckten nach Champignon und die zarten Blättchen von Pimpernelle hinterließen ein mildes Gurkenaroma auf der Zunge.

„Mit ein paar Handgriffen können Sie so jeden Salat aufpeppen, denn all diese Pflanzen haben tolle Inhaltsstoffe und vor allem zehn Prozent weniger Wasseranteile als jedes Supermarktgemüse. Und: Es ist ein Geschenk der Natur“, hält Astrid Gerkowski ein glühendes Plädoyer auf die Wildkräuter, die bei vielen Gartenbesitzern als „Unkraut“ verschrien sind.

Salatschüssel statt Kompost

„Wenn Sie das nächste Mal Löwenzahn aus Ihrem englischen Rasen ausstechen, werfen Sie die Blätter nicht auf den Komposthaufen.“ Das sei viel zu schade: „Geben Sie sie in Ihren Salat“, ermuntert sie zu „wilder“ Vielfalt in der Küche. Auch gedünstet seien die Blätter köstlich. „Die knackigen Löwenzahnknospen lassen sich einlegen wie Kapern und ein Löwenzahnblüten-Gelee schmeckt nach Sommer“, schwärmt die Heimbacherin von den Vorzügen dieser Pflanze.

Auch der Gärtnerschreck Giersch ist besser als sein Ruf: Die großen Blätter lassen sich wie Spinat verarbeiten oder sind eine „super Grundlage“ für würziges Pesto. Die jungen Blättchen veredeln als Petersilienersatz jeden Salat, lernen die gut 20 Wanderer, die teilweise aus Köln, Bonn oder Düsseldorf in die Eifel gekommen sind. Nach der 90-minütigen Wanderung stärkten sich die Teilnehmer in der Vlattener Jugendhalle mit einem drei Gänge-Kräutermenu, in dem die kurz zuvor kennen gelernten Wildpflanzen verarbeitet waren.

Allein im knackigen Salat konnten die „Feldforscher“ Spitzwegerich, Löwenzahn, Taubnessel, Schlangenknöterich, Labkraut und Giersch entdecken. „Man sieht die Natur nun mit völlig anderen Augen“, brachte Eli Carell dieses Kräuter-Erlebnis, bei dem alle Sinne angesprochen werden, auf den Punkt.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.


Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert