„Von Prestige und Image kann man nicht leben“

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Professor Dr. Herbert Schmidt an seinem Schreibtisch im Büro an der Oberstraße in Düren. Foto: Ingo Latotzki

Düren. Sein Büro ist geräumig und modern eingerichtet: Weiße Schränke, schwarzer Schreibtisch, eine Sitzecke für Besucher, massiver Holzfußboden. Professor Dr. Herbert Schmidt ist guter Dinge, am Morgen noch hat er Sport getrieben, jetzt trägt er ein legeres Hemd mit Sakko. Keine Krawatte.

Die war sonst Standard bei ihm, sie musste es sein. Bis vor knapp einem Jahr war Schmidt, 60, Chef der Sparkasse Düren. Nun berät er Unternehmen, verantwortet Seminare und hält Vorträge. Neulich war er auf einem Kreuzfahrtschiff engagiert, es ging über die Nordsee und den Atlantik.

Schmidt sprach über Wirtschaftsthemen, die als promovierter Diplom-Kaufmann seine Themen sind, aber nicht nur. Im Interview mit DN-Redakteur Ingo Latotzki erzählt der Langerweher, was sich bei ihm im letzten Jahr getan hat und wie seine Ziele aussehen.

Können Sie sich noch daran erinnern, was Sie gedacht haben, als Sie zum letzten Mal Ihr altes Büro in der Sparkasse betreten haben?

Prof. Dr. Herbert Schmidt: Ich habe mich auf zwei Dinge gefreut: Zum einen auf die einmonatige Urlaubsreise und auf die anstehende neue berufliche Herausforderung, verbunden mit den Fragen: Wie wird das werden, wird mir das Freude machen, lassen sich die gesteckten Ziele auch tatsächlich erreichen?

Und was haben Sie gedacht, als Sie Ihr neues Büro am ersten Arbeitstag betreten haben?

Schmidt: Ich habe gedacht, dass ich mich in unserem neuen Unternehmen so organisieren muss, dass alles klappt, auch wenn ich nicht – wie früher – Menschen um mich herum habe, die mir vieles abnehmen.

Wie hat das funktioniert?

Schmidt: Das ging relativ schnell. Ich musste zum Beispiel lernen, welche Marke auf einen normalen Brief kommt und wie viele Blätter 20 Gramm entsprechen. Und ich habe lernen müssen, dass das Abstellen eines Fahrzeugs Zeit kostet, besonders in den Innenstädten am Rhein. Früher hatte ich bei Außenterminen eine wunderbare Hilfe, nämlich einen Fahrer, der das für mich erledigt hat.

Hat es Ihnen etwas ausgemacht, auf solche Dinge zu verzichten?

Schmidt: Nein, überhaupt nicht. Ich habe eine ganze Reihe von Lieblingssprüchen, einer lautet: Von Prestige und Image kann man nicht leben.

Sie hatten kraft Ihres Amtes Kontakt zu vielen Menschen, was Ihnen immer wichtig war. Ist das heute noch so?

Schmidt: Es stimmt, viele Menschen waren mir ans Herz gewachsen. Ich versuche, den Kontakt zu weit wie möglich zu halten, auch wenn das nicht mehr so intensiv sein kann. Aber es funktioniert. Ich habe seitdem festgestellt: Nicht nur ich habe mich für die Menschen interessiert, sie auch für mich, und so kommt es heute noch zu vielen interessanten Begegnungen, gerne nach wie vor auf dem Dürener Wochenmarkt. Die fachliche und inhaltliche Seite aus meiner Zeit bei der Sparkasse interessiert mich nicht mehr in einem so ausgeprägten Maß.

Sie halten heute Vorträge und bereiten Seminare vor.

Schmidt: Ich habe da ganz gut Fuß gefasst. Bald findet eine größere Tagung in Hamburg statt, an der ich konzeptionell mitgearbeitet habe. Sie richtet sich an Bankvorstände mit der Fragestellung, wie sich Finanzinstitute für die Zukunft aufstellen können. Quasi als Sahnehäubchen betrachte ich die Möglichkeit, ab und an auf Kreuzfahrtschiffen Vorträge halten zu können. Dazu kommt meine Beratertätigkeit. Sie richtet sich etwa an mittelständische Unternehmen und deren Zusammenarbeit mit Kreditinstituten. Das alles immer unter der Prämisse: Es hat nichts mit meinem alten Haus zu tun.

Sie sind also gut ausgelastet.

Schmidt: Mir war bei meinem neuen Lebensabschnitt wichtig, zwei Dinge zu verbinden: Lust auf Arbeit und Lust auf neue Dinge. Das Maß der Auslastung hat mit der Auslastung früher nicht mehr so viel zu tun. Es soll bewusst Zeit bleiben für Dinge, die ich in der Vergangenheit so nicht machen konnte.

Sie haben mir vergangenes Jahr erzählt, dass sie ein sozialkritisches Buch schreiben wollen.

Schmidt: Das Projekt kommt regelmäßig in meiner Wiedervorlageliste vor, aber ich muss sagen, dass es noch etwas Zeit braucht, weil mich zunächst andere Themen in Anspruch genommen haben und nehmen.

Was schätzen Sie heute besonders?

Schmidt: Das Maß an Fremdbestimmung ist kaum noch messbar. Es kommen heute eben keine Sondersitzungen mehr dazu, die je nach dem auch am Samstagvormittag abgehalten wurden.

Was haben Sie für Pläne?

Schmidt: Ich möchte das, was wir in zehn Monaten aufgebaut haben, weiter entwickeln. Es ist der richtige Weg. Meine Frau und ich planen, noch mehr Leute anzudocken. Wir wollen den einen oder anderen Arbeitsplatz schaffen, etwa auf dem Gebiet der Recherche zur Vorbereitung von Vorträgen.

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