Von der Bahnhofsrampe gleich ins Gas geführt

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Im „Zug der Erinnerung” wird eine Ausstellung zu Kinderdeportationen aus Deutschland und Europa im Nationalsozialismus zu sehen sein. Interessierte sind zum Vorbereitungsgespräch eingeladen. Foto: Archiv

Düren. Der „Zug der Erinnerung” ist ein Projekt eines Netzes von Bürgerinitiativen. Es soll an die Deportation speziell von Kindern in Konzentrationslager während der NS-Zeit erinnert werden. Dürens Bürgermeister Paul Larue und Landrat Wolfgang Spelthahn teilten mit: „Wir freuen uns sehr, dass der Zug auf unsere gemeinsame Anregung hin unsere Region besuchen wird.”

Geplant ist, dass der Zug am 1. und 2. April für zwei Tage in Düren Station macht. Während dieser Zeit können Bürger und Schulklassen im Zug die Ausstellung zu Kinderdeportationen aus Deutschland und Europa im Nationalsozialismus besuchen.

Wer will mitmachen?

Über die Mitarbeit und die Anregungen von Gruppen, Vereinen, Schulen und anderen Einrichtungen würden sich Larue und Spelthahn sehr freuen. Aktiv unterstützt wird das Projekt bereits vom Dürener Bündnis „Aufstehen! - Für Menschenwürde - Gegen Rechtsextremismus” und vom Regionalen Katholikenrat der Katholischen Kirche. Um über das Ziel der bundesweiten Aktion sowie Möglichkeiten der Zusammenarbeit vor Ort zu informieren, wird zu einem Treffen eingeladen. Ansprechpartner ist dort Peter Schongen, Referent im Büro der Regionaldekane der Regionen Düren und Eifel. Das Treffen lokaler Akteure findet statt am Donnerstag, 20. Januar, von 18 bis 19.30 Uhr im Papst-Johannes-Haus, Annaplatz 10, in Düren.

Zum Hintergrund: Am 5. Oktober 1943 verließ ein Bahntransport mit dem Kürzel „Dn” das Ghetto Theresienstadt. Die Waggons warteten auf den Gleisen des Bahnhofs Bohusovice. Aus einer Entfernung von etwa 500 Metern beobachtete ein Mann die Szene: 1196 Kinder standen zum Abtransport bereit. „Ich sah, dass die Deutschen die Kinder in solchen Mengen in die einzelnen Waggons drängten, dass ich dachte, sie würden auf der anderen Seite wieder herausgedrückt.” Um die Kinder auf ihrer Reise zu betreuen, hatten sich Gefangene aus dem Ghetto gemeldet, darunter ein Arzt und eine Krankenschwester. Wie die Kinder glaubten sie Gerüchten, der Transport ginge in die Schweiz oder werde im Austausch gegen deutsche Kriegsgefangene organisiert.

Nach zweitägiger Fahrt erreichte „Dn” am 7. Oktober das Ziel: Auschwitz. „Kinder und Betreuer wurden von der Rampe direkt ins Gas geführt.” Für die Verbrechen der Mordbeihilfe an den 1196 Kindern wurde kein einziger „Reichsbahn”-Beamter vor Gericht gestellt. Die Täter des Unternehmens bezogen in der Nachkriegszeit üppige Pensionen der Deutschen Bundesbahn (DB), später der Deutschen Bahn AG (DB AG). Insgesamt zahlte der deutsche Staat an die „Reichsbahn”-Pensionäre der Jahre 1938-1945 einen zweistelligen Milliardenbetrag.

Von Verein getragen

Diese Pensionszahlungen halten an. Die überlebenden Opfer haben nie einen Cent erhalten oder werden von der DB AG mit Bettelalmosen bedacht. Der „Zug der Erinnerung” wird vom gleichnamigen Verein getragen und organisiert. Gegründet wurde der Verein im Juni 2007. Das zuständige Finanzamt hat den Verein als „gemeinnützig” anerkannt.

Bevor der Zug nach Düren kommt, sollen Recherchen über deportierte Kinder aus dem Kreis Düren stattfinden. Für die Ergebnisse der Recherche sind Plakatflächen im Zug reserviert. Ziel ist eine Bestärkung und Erneuerung des Bewusstseins in der Region für Demokratie, Freiheit und Menschenrechte für alle Bürgerinnen und Bürger.
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