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Vielseitigkeitsturnier: Drei Disziplinen und viel Dreck

Von: Julian Loevenich
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Ein Jahr hat Roger Haunhorst an dem Parcours mit 21 Hindernissen für das Turnier der Dürener Deutschritter gearbeitet. Foto: Julian Loevenich

Düren. Das Panorama gleicht einer einzigen Traumlandschaft. Kilometerweit kann man von Haus Bonsbusch blicken; auf der linken Seite drückt sich der Niederauer Kirchturm durch den Teppich grüner Baumkronen, in der Ferne ragen Hochhäuser empor. Alles wirkt von hier oben so weit weg, wie eine Modelllandschaft. Die etlichen Zuschauer genießen das – die Reiter haben dafür keine Zeit. Für sie zählt beim Geländeritt des Vielseitigkeitsturnier des Reit- und Fahrvereins Deutschritter Düren am Wochenende jede Sekunde. Ein Augenblick der Fahrlässigkeit, und der Sieg kann unerreichbar werden.

Dabei ist der Galopp durch das Gelände die letzte Etappe des Wochenendes. „Die Reiter müssen hier in drei Disziplinen antreten: Dressur, Springen und Geländeritt“, erklärt Roger Haunhorst vom ausrichtenden Verein. Es sind drei Bereiche, die mit einem Pferd bewältigt werden müssen; drei Bereiche, die addiert ein Gesamtergebnis bilden und die drei Bereiche, die „die Krone des Reitsports“ darstellen. „Früher stand das Vielseitigkeitsreiten in einem schlechten Licht“, blickt Roger Haunhorst zurück. Denn ursprünglich entstammt es dem Militär, als Eignungsprüfung. Doch entwickelte sich „die Krone“ über die Jahre, „und mittlerweile sind die Leistungen genau so, wie in den einzelnen Spezialdisziplinen“, erläutert Roger Haunhorst, der gemeinsam mit seiner Frau Hildegard Haunhorst maßgeblich die Verantwortung dafür trägt, dass an der Rur überhaupt eine solche Turnierform existiert.

Heute knapp 100 Reiter

„Vor 18 Jahren sind wir aus Bonn hierher gezogen“, so Haunhorst. Sie verließen ihren heimischen Reitverein und ließen sich auf dem Gelände am Haus Bonsbusch nieder. Genau dort veranstalteten sie auch vor 17 Jahren das erste Vielseitigkeitsturnier – mit 50 Startern. 2003 dann ging es erstmalig für Dressur und Springen auf das Reitgelände der Deutschritter an der Kuhbrücke, „denn dort sind die Gegebenheiten viel besser“, betont Hildegard Haunhorst. Heute sind es knapp 100 Reiter.

Reiter der besonderen Art. Denn für den Vielseitigkeitssport bedarf es einiger Komponenten: Dem Vertrauensverhältnis zwischen Reiter und Pferd, der Ausdauer im hohen Maß – sowohl bei Tier als auch bei Mensch –, einer gewissen Härte. Kurzum: „Der Reiter muss Dreck fressen können“, formuliert es Roger Haunhorst. Auf dem Gelände am Haus Bonsbusch bei Kreuzau kann man das beinahe wörtlich nehmen.

Zwei bis drei Kilometer lang schlängelt sich der Kurs je nach Leistungsklasse durch das bewaldete Gebiet, bergauf, bergab, durch den Teich, über Lichtungen hinweg. „Ich habe den Kurs selbst gebaut“, gesteht Roger Haunhorst mit ein wenig Freude in der Stimme. Ein Jahr hat er dafür gebraucht. Jedes der 21 Hindernisse hat er besonders gestaltet, jedes ist „ein Unikat“. Da springen Reiter und Pferd auch durch Spinnennetze hindurch. Doch die eigentliche Besonderheit des Kurses: „Die Sportler sehen nicht genau, wo es lang geht“, so Haunhorst, der hinzufügt, dass es nach einem Wettkampftag auch eine Frage der Kondition sei, diesen Kurs zu bestehen. Da mag es kaum verwundern, dass die Reiter kein Auge für das Schöne, diese Idylle haben. Sondern immer auf der Jagd sind, auf der Jagd nach wertvollen Sekunden.

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