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Viele Hemmnisse, viele Vermittlungen

Von: Burkhard Giesen
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Low Tec
Bernd Schiff, Marlie Janhsen und Jupp Macherey von der Firma Low-tec haben die früheren Tedrive-Beschäftigten in der Transfergesellschaft begleitet. Zwei Drittel der Mitarbeiter sind nun finanziell versorgt. Foto: Burkhard Giesen

Düren. Bis zum 31. Dezember sind Hans Bernd Schiff und Marlies Janhsen von der Dürener Low-tec Transfer GmbH noch für 56 ehemalige Beschäftigte des Unternehmens Tedrive (heute Neapco) verantwortlich, die in Folge der Insolvenz bei Dürens größtem Automobilzulieferer ihren Arbeitsplatz verloren hatten. Es waren mal 168 Beschäftigte. Das war im Mai 2009, zum Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise.

Beide Zahlen zeigen auf, was die damals gegründete Transfergesellschaft in etwas mehr als zwei Jahren für die gekündigten Beschäftigten geleistet hat: Zwei Drittel der Betroffenen müssen nach Ende der Maßnahme nicht den Gang zur Arbeitsagentur antreten. Sie gelten als „versorgt”. Die Quote von 66 Prozent ist eine erstaunlich hohe Zahl, wenn man die Rahmenbedingungen kennt. Aber: sie ist gleichsam relativ.

Einen neuen Arbeitsvertrag haben 59 Beschäftigte unterschrieben, zu normalen Konditionen, also nicht im Bereich der Zeitarbeit. 33 Beschäftigte sind schon oder gehen demnächst in Rente und gelten deshalb als versorgt. Das klingt bescheidener.

Allerdings waren die Rahmenbedingungen alles andere als günstig. Nur 25 Personen der 168 ehemaligen Tedrive-Mitarbeiter waren unter 40 Jahre alt, der Schnitt lag bei 47 Jahren, die Betriebszugehörigkeit lag im Mittel bei fast 20 Jahren.

Hinzu kam, dass es sich zu einem großen Teil auch um Beschäftigte ohne Ausbildung handelte, um Schwerbehinderte, um Arbeiter mit Migrationshintergrund und mangelnden Deutschkenntnissen - und das eben alles zu Zeiten der Wirtschaftskrise, die den Vermittlern von Low-tec die Arbeit nicht eben erleichtert hat.

Low-tec-Geschäftsführer Jupp Macherey: „Am Anfang einer solchen Maßnahme steht immer erst mal die Trauerarbeit. Da ist für viele Beschäftigte erst mal eine Welt zusammengebrochen.”

Immerhin gab es viele Mitarbeiter, die noch zu Ford-Zeiten angefangen haben. Projektmanager Hans Bernd Schiff ergänzt: „Beim Verlust des Arbeitsplatzes verliert man nicht nur den finanziellen, sondern meist auch den sozialen Rahmen.”

Aber auch der finanzielle Rahmen ist nicht zu unterschätzen. „Trotz der vielen Einschnitte bei Tedrive war das Gehaltsniveau noch relativ hoch. Gerade für Ungelernte. Ein Hemmnis bei der Vermittlung war deshalb auch die unrealistische Gehaltsvorstellung der Betroffenen”, berichtet Hans Bernd Schiff.

Einzelcoaching, Bewerbungstraining, Begleitung von Praktika, Qualifizierungsmaßnahmen und Workshops - all das stand auf dem Programmplan für die 168 Tedrive-Beschäftigeten, die zum großen Teil in der Region geblieben sind.

Neben den 59 Beschäftigten mit neuem Arbeitsvertrag haben fünf eine Umschulung oder ein Studium in Angriff genommen, acht wollen sich mit handwerklichen Leistungen selbstständig machen und bei vier Personen laufen noch Bewerbungen.

Ein gutes Ergebnis? Ja, befindet eindeutig Hans Bernd Schiff, der Fälle kennt, wo es ohne Transfergesellschaft nicht zu einer einzigen Vermittlung von Betroffenen gekommen ist. IG Metall-Bevollmächtigter Paul Zimmermann sieht das nicht viel anders: „Was wäre denn die Alternative gewesen?”, fragt er, und gibt direkt die Antwort: „Die Betroffenen wären sofort arbeitslos gewesen. Die Arbeitsagentur hätte diese Qualifizierungs- und Vermittlungsangebote niemals leisten können.” Und, ergänzt Schiff: „Die Betroffenen wären auf sich alleine gestellt gewesen.” Eine Alternative, die sich niemand wünscht.
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