Viel über die Religion des anderen gelernt

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Die Akteure des Gesprächskreises vor 20 Jahren und heute.: Elke Bennetreu, Jochen Hanke, Eberhard Schmidt, Beate Kayser, Dr. Zouhair Halabi, Imam Muammar Özbek, Dr. Dirk Chr. Siedler, Atilia Balikci, Monika Seltier, Sybille Haußmann und Sakin Sen (von links nach rechts).

Düren. Andreas Zumach, in Genf UN-Journalist und seit Jahren gefragter Experte für Fragen des Nahen Ostens und des demokratischen Umbruchs in der islamischen Welt, forderte auf einem Studientag vor fast 100 Teilnehmenden in Düren zur „historischen Geduld“ auf angesichts der Schwierigkeiten in den Demokratisierungsprozessen in den Ländern zwischen Marokko und dem Iran.

Der christlich-islamische Gesprächskreis hatte zu diesem Studientag eingeladen, um sein 20-jähriges Bestehen zu feiern. Dabei hatte er sich eines Themas von hoher Aktualität angenommen – und mit Andreas Zumach einen herausragenden Referenten eingeladen.

Insbesondere zwei Gemeinsamkeiten verbinden die Umbruch-Länder: Zum Einen die Auseinandersetzung zwischen liberal-säkularen und islamistischen Kräften über die zukünftige Rolle der Religion in den jeweiligen Ländern, eine Diskussion, die Jahrzehnte unterdrückt wurde. Die zweite Übereinstimmung besteht in der Einflussnahme ausländischer Kräfte wie Saudi-Arabien, Quatars, den USA und seiner Verbündeten, Chinas in Nordafrika und Russlands in Syrien. Ansonsten hören hier aber auch schon die Gemeinsamkeiten auf, so dass Zumach im Folgenden die Situation für die verschiedenen Ländern detailliert analysierte.

Dennoch gibt es ein allen gemeinsames Problem, das auch einen Lösungsansatz anbiete: Allen Ländern fehle eine eigenständige tragfähige Volkswirtschaft, die die Grundbedürfnisse der eigenen Bevölkerung befriedigen oder eine Mittelklasse entstehen lassen könnte. Wenn nicht in nächster Zeit dieses wirtschaftliche Problem gelöst würde, bestehe die Gefahr, dass die demokratischen Regierungen von einer Radikalisierung im islamistischen Spektrum hinweggefegt würden.

Zumach schlug vor, das „duale Ausbildungssystem“ zu exportieren, das helfe einen qualifizierten Mittelstand auszubilden. Auf jeden Fall könnten alle an einer größeren Differenzierung in den Diskussionen mitwirken. Außerdem fordere des UN-Flüchtlingswerk seit langem die Industriestaaten auf mehr syrische Flüchtlinge aufzunehmen und die Nachbarstaaten dadurch zu entlasten. Die syrischen Flüchtlingsströme seien die größte Flüchtlingskatastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg. Mit diesen Aufforderungen fand Zumach bei der Teilnehmenden viel Zustimmung.

Podiumsgespräch

In einem anschließenden Podiumsgespräch berichteten die Gründer des Kreises, wie sie vor 20 Jahren begonnen hatten und wie sie immer wieder über den Islam hinzulernen konnten. Dürens Bürgermeister Paul Larue beschrieb die Umstände, die dazu führen, dass bisher kaum syrische Flüchtlinge nach Düren gekommen sind. Allgemein waren sich die Teilnehmenden einig, dass Deutschland hier zügiger und umfassender helfen müsse.

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