Kreis Düren - Videobeweis: Trainer, Spieler und Vorsitzende diskutieren kontrovers

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Videobeweis: Trainer, Spieler und Vorsitzende diskutieren kontrovers

Von: kin/sis
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Fehlentscheidung oder nicht? Schiedsrichter wie hier Marco Fritz nutzen den Videobeweis. Foto: imago/ActionPictures

Kreis Düren. Markus Kuckertz gibt offen zu: „Früher habe ich mich über Fehlentscheidungen geärgert, heute ärgere ich mich über den Videobeweis.“ Kuckertz ist leidenschaftlicher Fußball-Fan. Er ist Vorsitzender des Bezirksligisten TuS 08 Langerwehe und Anhänger des FC Bayern München.

Montagabend spielte nicht „sein“ Deutscher Meister, aber aufgeregt hat er sich dennoch: „Das, was beim Spiel zwischen dem FSV Mainz und dem SC Freiburg passiert ist, ist ein absolutes No-Go.“

Der Videobeweis ist wieder in aller Munde: Sekunden vor dem Halbzeitpfiff flankten die Mainzer vor das Gästetor, ein Freiburger Feldspieler veränderte mit dem linken Arm die Richtung des Balles, ehe sein Keeper das Spielgerät festhielt. Der Schiedsrichter pfiff zur Halbzeit, Spieler und Trainer trollten sich Richtung Kabinen. Da griffen die Videoassistenten aus Köln ein, der Schiedsrichter sah sich die Szene noch mal an, holte die Kicker aus den Kabinen und gab Elfmeter, den Mainz zum 1:0 verwandelte.

So wie Kuckertz denken auch andere Fußballer: „Das geht nicht“, sagt Dirk Lehmann. Der Trainer des A-Kreisligisten Hambacher SV geht noch einen Schritt weiter: „Dann kann demnächst ein Fußballspiel auch nach dem Abpfiff fortgesetzt werden – wenn die Spieler schon Interviews geben“, sagt der frühere Profi von Alemannia Aachen mit einer Portion Sarkasmus. Als „unmöglich“ bezeichnet Bernd Lennartz, der Trainer des Landesligisten FC Düren-Niederau, die Entscheidung von Mainz. „Abgesehen vom Zeitpunkt: Der Videobeweis macht nur Sinn, wenn eine eindeutige Fehlentscheidung vorliegt. Und das ist in diesem Fall eben nicht so“, führt der 54-Jährige weiter aus, der eigentlich ein Befürworter des Videobeweises ist.

Tim Krumpen und Max Weinberger, die jüngsten der von unserer Zeitung befragten Fußballer, haben eine andere Sicht: „Natürlich ist es unglücklich, dass die Spieler in der Halbzeitpause aus der Kabine geholt wurden, aber die Entscheidung war richtig“, sagt Krumpen, früher Torwart bei Alemannia Aachen und aktuell Trainer des A-Ligisten SG Vossenack/Hürtgen. Und Max Weinberger, der 27-jährige Defensivspezialist und stellvertretende Kapitän des Landesligisten GFC Düren 99, sagt: „Obwohl es sich um einen unglücklichen Umstand handelt, ist das Regelwerk konsequent umgesetzt worden.“

Kontrovers sind auch die Meinungen der fünf Experten, ob der Videobeweis mehr schadet oder mehr nützt. „Aktuell schadet er mehr“, sagt Bernd Lennartz. „Er nutzt mehr, weil er den Fußball fairer macht“, meint Tim Krumpen. Dirk Lehmann findet „Tatsachenentscheidungen besser. Alle machen Fehler – auch Schiedsrichter, Fußballer und Trainer. Handspiele oder Abseitssituationen dürfen nicht mit dem Videobeweis geklärt werden.“

Max Weinberger begründet seine positive Sicht des Videobeweises auch damit, dass das menschliche Auge nicht alles erkennen könne, die Technik also dem Schiedsrichter helfe und ihn schütze. Kuckertz kritisiert dagegen: „Es gibt keine klare Linie – manchmal kommt es zum Videobeweis, manchmal nicht. Das ist für mich als Fan nur schwer nachvollziehbar.“

Wie kann nun aber die Akzeptanz für den Videobeweis besser werden? Bernd Lennartz fordert, nur der Assistent in Köln dürfe die Entscheidung fällen – und diese müssten schneller und transparenter erfolgen, Tim Krumpen fordert darüber hinaus klare Regeln für die Anwendung. Max Weinberger dauert die Entscheidungsfindung auch zu lange. „Niemals wird der Videobeweis akzeptiert“, glaubt dagegen Dirk Lehmann und plädiert für die Abschaffung. Das Ende des heftig diskutierten Videobeweises favorisiert auch Markus Kuckertz. Der Vereinsvorsitzende: „Ganz ehrlich? Da ärgere ich mich lieber über menschliches Unvermögen.“

 

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