Vettweiß - Vettweiß bekommt endlich eine Gedenktafel für Kriegsopfer

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Vettweiß bekommt endlich eine Gedenktafel für Kriegsopfer

Von: Andreas Bongartz
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Krempelten die Ärmel hoch, um
Krempelten die Ärmel hoch, um das Ehrenmal zu vervollständigen: Irmgard Janowski, Alfons Esser, Christel Leufgen, Franz Erasmi, Burkhard Josephs und Stefan Schmitz (v.l.). Foto: Andreas Bongartz

Vettweiß. Die ersten Kriegstoten gab es in Vettweiß lange vor dem verheerenden Bombenangriff des 30. November 1944 zu beklagen. Schon fünf Jahre zuvor fielen seltsamerweise Bomben auf ein Feld neben der Ortschaft. Dort, wo auch die ehemalige Kapelle stand, befand sich das kleine Bauerngehöft der Familie Koye.

Es wurde vollständig zerstört, alle Bewohner kamen darin um.

Die Familie Koye - sie hätte sich beinahe in die lange Liste der vergessenen Opfer der beiden Weltkriege eingereiht. Zum einen, weil sie bislang nicht im Vettweißer Archiv genannt wurden. Vor allem aber, weil es in Vettweiß kein Ehrenmal mit Nennung der Kriegstoten gibt.

Noch nicht, denn eine Gruppe von Freiwilligen um Ortsvorsteher Franz Erasmi ist dabei, dies zu ändern: Das symbolische Mahnmal auf dem Friedhof soll um Steintafeln mit Namen der Gefallenen und Vermissten der beiden Weltkriege sowie des Bombenangriffs ergänzt werden.

Es ist das Ende einer schier unendlichen Geschichte, denn wie Erasmi berichtet, hat sich sein Heimatort mit der Errichtung eines Ehrenmals mehr als schwer getan: „Nach dem ersten Weltkrieg wurde kein Mahnmal errichtet, was ungewöhnlich ist, da es fast in jedem Ort im Kreis ein Ehrenmal gab.”

Im Verlauf der 1950er Jahre wurde dann überlegt, dass Missionskreuz an der Kirche umzuwidmen, diese Überlegungen waren allerdings genau so wenig von Erfolg gekrönt, wie erste Pläne in den 1960er Jahren, die vorsahen, auf dem Friedhof ein Mahnmal zu errichten.

Damals wurde für diesen Zweck sogar Geld gesammelt, das Ergebnis von rund 600 DM war aber ernüchternd. Immerhin wurde Anfang der 1970er an der Trauerhalle mit dem großen Eisenkreuz ein Ehrenmal für alle Kriegstoten errichtet.

„Die Namen der Gefallenen wurden damit aber noch immer nirgendwo erwähnt,” so Erasmi. Besonders gewurmt hat dies den früheren Bürgermeister und Ortsvorsteher von Vettweiß, Josef Esser. Dem 1998 Verstorbenen war das Ehrenmal ein besonderes Anliegen, da er selber im Krieg gekämpft und zwei Brüder verloren hat.

So hat Esser ein Archiv der Gemeinde aufgebaut und die Namen der Gefallenen recherchiert. „Er hat viele Leute angerufen und über Totenzettel, Zeitungsartikel und dergleichen das Archiv aufgebaut,” erinnert sich sein Sohn Alfons Esser.

Die Namen von rund 160 Gefallenen hat Josef Esser so zusammen getragen, die Grundlage für die Arbeit der Freiwilligen um Erasmi. So stehen auf Essers Liste unter anderem fünf nicht namentlich genannte Ukrainerinnen.

Es waren Zwangsarbeiterinnen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in Vettweiß. Die Namen der Frauen heraus zu finden - ein Ding der Unmöglichkeit. „Im Archiv stand dazu leider nichts und wie sollen wir das heute noch herauskriegen?”, seufzt der Ortsvorsteher.

Neue Namen für die Liste brachte allerdings ein Aufruf im Amtsblatt. Erasmi: „Danach haben sich noch viele Bürger mit Ergänzungen gemeldet.” So wurde unter anderem auch die Familie Koye der Liste hinzugefügt.

Das Ehrenmal geht nun zügig seiner Vollendung entgegen: Zwei aus alten Feldbrandsteinen errichtete Mauern säumen das Kreuz. Es fehlen noch sechs ein Meter mal 80 Zentimeter große Steinplatten, auf denen die Namen der Gefallenen zu lesen sein werden.

Finanziert wird das Ganze durch Spenden und vor allem durch die Vettweißer Kleiderkiste. Deren Leiterin Christel Leufgen hat im Krieg Bruder und Schwester verloren. „Ich möchte dazu beitragen, dass es in Vettweiß ein richtiges Andenken gibt,” sagt sie. Damit auch Menschen wie die Koyes nicht in Vergessenheit geraten.

Die Freiwilligen um Franz Erasmi haben viele Stunden ehrenamtliche Arbeit in das neue Ehrenmal investiert, gemauert und gebaggert.

Wenn der Steinmetz rechtzeitig fertig wird, soll das neue Ehrenmal bis zur Kirmes am dritten Septemberwochenende eingeweiht werden.

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