Düren - Verlobte schweigt und sichert den Freispruch

Verlobte schweigt und sichert den Freispruch

Von: Margret Vallot
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Düren. „Ich wollte mir morgens Brötchen holen, kaufte mir aber eine Flasche Wodka und trank die aus.” So schilderte gestern vor Gericht ein Mann (42) den Beginn eines Tages im Oktober 2010, der schrecklich enden sollte.

Am Donnerstag musste sich der Handwerker aus Langerwehe vor Gericht verantworten. Wegen versuchter Nötigung und versuchter Vergewaltigung.

Oberstaatsanwalt Robert Deller warf dem Mann vor, seine langjährige Lebensgefährtin (44) an dem Tag gepackt, ihr an die Brust gefasst, an ihrer Kleidung gezerrt und sie in jeder Weise sexuell bedrängt zu haben. Sie soll sich sehr gewehrt haben und konnte schließlich schreiend zu einer Nachbarin fliehen. Die alarmierte die Polizei, die den Mann festnahm. Noch Stunden später hatte er bei einer ärztlichen Untersuchung 2,8 Promille Alkohol im Blut.

Auswanderung geplant

Der Angeklagte bestritt jede Schuld. Er meinte, er habe sich nun mit seiner Lebensgefährtin versöhnt, man sei jetzt verlobt und werde nach Spanien auswandern. Er wisse nicht mehr, was damals geschah, als er beruflichen und persönlichen Frust im Alkohol zu ertränken versuchte. Und: „Ich bin ein Kerl wie ein Baum und habe früher geboxt: Wenn ich sie hätte festhalten wollen, hätte ich das geschafft.”

Das glaubte man ihm aufs Wort. Schwerste Zweifel hatten Richter und Oberstaatsanwalt allerdings, als das Opfer, das mit dem Angeklagten zwei Töchter hat, aussagen sollte. Die Frau machte (als Verlobte) von ihrem Recht, die Aussage zu verweigern Gebrauch und meinte nur: Man habe sich versöhnt und werde bald heiraten. „Ich höre schon die Glocken”, so Richter Hans-Georg Wingen leicht ironisch. Beide: Richter und Staatsanwalt hielten der Frau vor Augen, dass bei einem weiteren Übergriff alles noch viel schlimmer ausgehen könnte. Ohne Erfolg.

Auch die Nachbarin konnte im Zeugenstand nichts dazu sagen, was eigentlich vorgefallen war. So blieb Oberstaatsanwalt Deller nichts anderes übrig, als auf Freispruch zu plädieren. Nach kurzer Beratung schloss sich das Schöffengericht dem an. Wingen meinte, jener Tag sei wohl „ein Tiefpunkt in einer 17 Jahre dauernden Beziehung” gewesen, der sich hoffentlich nicht wiederholt.
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