Unwetter: Feuerwehr Jülich lange beschäftigt

Von: ma.ho
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Ein Unwetter am Freitagabend hat verheerende Schäden in der Region angerichtet. Foto: ma.ha

Jülich. Eine Unwetterfront wurde für den Freitagabend vorhergesagt, doch dass diese dann mit einem solchen gewaltigen Gewitter- und Regenpotential über Jülich zog, damit hatten wohl die wenigsten gerechnet.

Mit weit über 250 Einsätzen war die Feuerwehr Jülich noch bis in den Samstag hinein beschäftigt, Keller leer zu pumpen oder Straßen von umgefallenen Bäumen zu befreien und wieder passierbar zu machen.

Wegen der außergewöhnlich heftigen Regenfälle mussten auch mehrere Straßen und Teilstücke der BAB A 44 phasenweise gesperrt werden. Innerhalb von zwei Stunden fielen mit über 70l/qm mehr Niederschlag als normalerweise im gesamten August.

Die B 56 an der Kreuzung Gereonstraße/An der Vogelstange wurde mit den Wassermassen nicht mehr fertig. Ein Befahren war unmöglich, so dass Polizei den Verkehr umleiten musste. Auch auf der K 20 zwischen Jülich und Welldorf hieß es „Straße unter”. Die Fahrbahn der Straße „An der Rur” wurde unterspült und musste gesperrt werden.

Zahlreiche Keller im gesamten Stadtgebiet liefen voll Wasser und Schlammmassen. Besonders betroffen waren die Häuser und Geschäftsräume in der Stadtmitte, dem Nordviertel, dem Heckfeld, in Kirchberg, Barmen, Broich, Merzenhausen und Bourheim. Das gesamte Kreisgebiet lief unter Vollalarm bei den Feuerwehren und Rettungsdiensten.

Die Jülicher Wehr wurde bei ihren fortlaufend eintreffenden Einsätzen wie zum Beispiel in Kirchberg vom Technischen Hilfswerk OV Jülich unterstützt. So musste ein Damm Höhe „Am Wiesenhang” mit Sandsäcken vor einem Durchbruch gesichert oder die Wymarstraße von einem Erdrutsch befreit werden.

Weitere überörtliche Hilfe bekamen die Jülicher von den Löschgruppen aus Rödingen, Hasselsweiler, Gevenich, Tetz, Hottorf, Floßdorf und Boslar. Gegen 17.30 Uhr begann Freitag der „Unwetterspuk”. Die erste Welle mit Starkregen und Gewitter sorgte bereits kurz vor 18.00 für Feuerwehreinsätze mit Wassereinbrüchen in Privathäusern und umgestürzten Bäumen, die Fahrbahnen blockierten.

Nahe des 12er-Stadions in Jülich zerschlug ein Baum die Abgrenzung des Brückenkopf-Parks und knallte auf die Fahrbahn. Beim Beseitigen des Hindernisses war Eile angesagt, da die Besucher des Freibades mit ihren Fahrzeugen nicht mehr daran vorbei kamen. Gab nachlassender Regen zunächst Anlass zur Hoffnung auf ein Ende des Unwetters, belehrten aufkommende, düstere, graugelbe Wolken den Himmelsbetrachter eines Besseren.

Grund für diese doch recht lang anhaltenden Unwetterfront über dem Altkreis Jülich waren zwei unterschiedliche Windrichtungen. So kamen von Westen her Wolken mit reichlich Regen aus Richtung Belgien und Aachen auf Jülich zu. Zur gleichen Zeit trug ein Wind von Osten aus Richtung Kölner Börde Wolken gen Jülich. Die Wolken, so Fachleute, hatten keine andere Möglichkeit mehr auszuweichen und stiegen an gleicher Stelle in die Höhe.

Die Jülicher Wehren kämpften gegen vollgelaufene Kellern, undichten Dächern oder überlaufenen Unterführungen. Durch den Einsatz kleiner, schlagkräftiger Einheiten konnten viele Einsätze im Stadtgebiet zielgerichtet und schnell abgearbeitet werden.

Nach Mitternacht beruhigte sich etwas die Lage in Jülich. Doch der Samstagmorgen stand bei vielen Mitbürgern noch ganz im Zeichen des Unwetters. Viele erlebten erst zu diesem Zeitpunkt eine böse Überraschung und stellten Wasser im Keller fest. Eifrig und mit Akribie rückten die Wehrleute weiter dem Nass zuleibe. Ärgerlich waren einige Einsätze, wo Mitbürger die Feuerwehr riefen, obwohl ein Abpumpen eigentlich gar nicht von Nöten war. „Hier täte es auch ein Aufnehmer”, so ein Feuerwehrmann. Solche Einsätze verzögern die rasche Hilfe bei wirklich brisanten Situationen.

Als wäre es noch nicht genug mit Regengüssen, Hagelschauern und Sturmböen, gab es auch im Raum Jülich Blitzeinschläge, die Auswirkungen auf den Betrieb der Rurtalbahn hatten, da es zu Störungen im Stellwerk kam. Im Vergleich zum Raum Jülich wurde die Indener Feuerwehr diesmal von den Unwetterfolgen verschont.

In Inden lief lediglich eine Garage voll Wasser. Ein Einsatzfahrzeug schickte die Wehrleitung nach Eschweiler, um den Kameraden dort vor Ort zu helfen. Auch die Titzer Feuerwehr hatte „nicht allzu viel” Arbeit mit dem Unwetter.

In Sevenich lief ein Wasserauffangbecken über und zwischen Titz und Jackerath schlug der Blitz in einen Anhänger mit Stroh, der sofort Feuer fing. Schnell war der Brand unter Kontrolle. Heftig erwischte es hingegen die Ortslage Engelsdorf bei Aldenhoven. Hier lag der Hagel 10 cm hoch auf den Straßen. Wenig später standen die Straßen bis zu 30 cm unter Wasser. Die Kanalisation war hoffnungslos überfordert.

Bis zum Samstagabend dauerten die Aufräumarbeiten durch die Aldenhovener Feuerwehr und den zuständigen Bauhof in Engelsdorf an, um die Straßen vom Schlamm zu befreien und die Kanäle wieder frei zu legen. In Linnich kippte ein Baum auf die Sebastianusstraße. Ein Einsatz führte die Linnicher Wehr in Rurdorf an die Rur, um eine Ölsperre zu errichten. Das war im Dunkeln und bei der hochwasserführenden Rur kein ungefährliches Unterfangen und recht schwierig. In Welz drohte eine kleine Brücke unter den Wassermassen zu verschwinden. Die Feuerwehr entfernte aufgestautes Astwerk, so dass ein reibungsloser Wasserablauf gesichert werden konnte.
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