Düren - Untreue, Erpressung, Freiheitsberaubung und Betrug

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Untreue, Erpressung, Freiheitsberaubung und Betrug

Von: Sandra Kinkel
Letzte Aktualisierung:

Düren. „Die Schöffen und ich sind zu der Überzeugung gelangt, dass wir uns nie in eine ihrer Einrichtungen begeben möchten.” Es ist kurz nach zwölf, vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Düren ist gerade unter dem Vorsitz von Richter Hans-Georg Wingen eine dreistündige Verhandlung zu Ende gegangen.

Angeklagt war ein Ehepaar aus Niederzier, das in Hambach und in Jülich-Kirchberg Wohngemeinschaften für Senioren betreibt.

Sowohl auf dem Tisch der jungen Staatsanwältin als auch auf dem Richtertisch liegen acht dicke Akten, die Liste der Vorwürfe gegen die 50-jährigen Angeklagte, die aus Indien stammt und sich auf die Pflege und Betreuung von Wachkoma-Patienten spezialisiert hat, und ihren Ehemann, einen promovierten Physiker, ist lang. Sehr lang. Acht Fälle haben Wingen und die beiden Schöffen zu entscheiden, es geht unter anderem um versuchte, räuberische Erpressung, Verleumdung, Nötigung, Untreue, Erpressung, Freiheitsberaubung und Betrug.

Alle angeblichen Taten liegen schon mehrere Jahre zurück, bereits im April hatte es vor dem Amtsgericht Düren einen ersten Verhandlungstag gegeben. Weil damals das Verfahren nicht fortgesetzt werden konnte, wurde der Fall am Dienstag noch einmal völlig neu „aufgerollt”.

Vorgeworfen wird den beiden Angeklagten zum Beispiel, dass eine Bewohnerin, die bei ihnen zur Kurzzeitpflege untergebracht war, drei Wochen lang nur mit zwei Scheiben trockenem Brot pro Tag versorgt worden sei und während der Zeit unter der Obhut der Angeklagten 18 Kilogramm abgenommen haben soll. Darüber hinaus sollen Angestellte der Angeklagten zu Falschaussagen gezwungen worden sein, einmal soll die Angeklagte eine Mitarbeiterin an den Haaren gezogen haben und versucht haben, die Frau einzusperren.

Darüber hinaus soll der Angeklagte sich die Bankvollmacht eines seiner Schützlinge erschlichen habe und von dem Konto der Frau insgesamt 750 Euro abgehoben haben, ohne dass die alte Dame von dem Geld auch nur einen Cent gesehen haben soll.

Ein examinierter Krankenpfleger, der mittlerweile als Sachverständiger für Sozialgerichte arbeitete, berichtet, dass in den beiden Einrichtungen der Angeklagten katastrophale Zustände herrschten. „Die pflegerische Versorgung ist unter aller Sau.” Bewohner hätten in ihren eigenen Exkrementen gelegen, zum Teil seien Betten nicht überzogen gewesen. Ein Arzt dagegen, der regelmäßig in den Seniorenwohngemeinschaften Patienten behandelt hat, beschrieb die Zustände als „durchaus normal”.

Die Angeklagten wiesen in der Verhandlung alle Vorwürfe vehement von sich. Sie sei, so die Inderin, nach Deutschland gekommen, um alten und kranken Menschen zu helfen. „Und hier im Kreis Düren werde ich behandelt wie der letzte Verbrecher. Das hat mir einen seelischen Knacks gegeben.” Und auch das Schöffengericht tat sich schwer damit, dem angeklagten Ehepaar ein wirkliches Verbrechen nachzuweisen. „Aber es schwebt eindeutig eine gewisse Fahrlässigkeit in der Luft”, so Wingen. „Und es scheint bei Ihnen erhebliche Mängel in der Organisation zu geben.”

Das Verfahren gegen die beiden Niederzierer wurde letztendlich eingestellt. Das Paar muss 3000 Euro an den Rheinischen Blindenfürsorgeverein zahlen. Ein übler Nachgeschmack bleibt.
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