Düren - Untersuchungshaft beeindruckt den Angeklagten

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Untersuchungshaft beeindruckt den Angeklagten

Von: Margret Vallot
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Düren. Keine Ausbildung, keine Arbeit, kein Einkommen, keine Deutschkenntnisse – für die Zukunft des Angeklagten sah der Staatsanwalt schwarz und beantragte, ihn zu einer Gefängnisstrafe zu verurteilen. Doch dazu kam es nicht.

Am Donnerstag musste sich ein Georgier (27) vor dem Dürener Amtsgericht verantworten, der im Dezember vorigen Jahres in einem Getränkemarkt in Niederzier drei Flaschen Sekt stehlen wollte. Die Flaschen hatte er schon unter seine Jacke geschoben, als ihn die Geschäftsfrau ansprach und festhalten wollte.

Der Mann riss sich zunächst los, wurde weiter von der Geschäftsfrau und ihren Mitarbeitern festgehalten und schlug und trat dann so wild um sich, dass seine Kontrahenten jede Menge blauer Flecken davontrugen. Besonders mit dem Kopf knallte er gegen die Köpfe der anderen. Damals half das alles nichts. Eine halbe Stunde lang konnten die Niederzierer ihn festhalten, dann legte ihm die Polizei Handschellen an und nahm ihn mit.

Der Angeklagte lebt noch nicht lange in Deutschland. Um Sozialhilfe zu bekommen, habe er eine Bescheinigung beibringen müssen. Er habe sich aber hierzulande nicht ausgekannt und nicht gewusst, wie er an die nötigen Unterlagen gelangen könnte. Bisweilen „kommen Georgier nach Deutschland um Autos zu kaufen“, ließ er seine Übersetzerin sagen. Denen helfe er dann.

Der Mann, der alle Vorwürfe zugab, war eine Woche vor der Tat operiert worden. Er meinte, er habe im Dezember, als er die Flaschen stehlen wollte, große Schmerzen gehabt. Jetzt wurde er aus der Haft vorgeführt, denn 2011 und 2012 war er schon mehrmals wegen Diebstahl aufgefallen und zu kleinen Geldstrafen verurteilt worden. Seine über zwei Monate dauernde Untersuchungshaft hatte ihn aber beeindruckt.

Er saß mit gesenktem Kopf auf der Anklagebank und versprach, in Zukunft ein besseres Leben führen zu wollen und entschuldigte sich währender der Verhandlung bei den Opfern. Rechtsanwalt Holger Dassler legte sich für seinen Mandaten ins Zeug und betonte, dieser sei „glaubwürdig reumütig“ und dazu geständig, um ihn würden sich jetzt Freunde kümmern, die auch auf den Zuschauerbänken Platz genommen hätten.

Das Schöffengericht unter Vorsitze von Richterin Anne Utzelmann gab dem Angeklagten eine letzte Chance. Es verurteilte den Georgier zu einem Jahr und zwei Monaten auf Bewährung, stellte ihm einen Bewährungshelfer zur Seite und hofft nun, ihn nie mehr wiederzusehen.

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