Düren - Unterrichtsrhythmus: 45 Minuten bald Vergangenheit?

Unterrichtsrhythmus: 45 Minuten bald Vergangenheit?

Von: Ottmar Hansen
Letzte Aktualisierung:
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Nach 45 Minuten ertönt der Gong im Klassenzimmer. Bald Vergangenheit? Die fünf Dürener Gymnasien überlegen, wie sie gemeinsam zu einem veränderten Unterrichtsrhythmus kommen können. Foto: DN

Düren. 45 Minuten lang Mathe-Formeln gepaukt, dann ertönt endlich der Gong. Pause! Raus aus dem Klassenraum. Dieses Szenario wird an den fünf Dürener Gymnasien und der Angela-Realschule womöglich bald der Vergangenheit angehören.

Diese Schulen wollen die heute übliche Unterrichtsstunde von 45 Minuten abschaffen. Stattdessen soll eine Unterrichtseinheit künftig 60, 70 oder 90 Minuten dauern.

Vertreter der sechs Schulen haben sich unlängst zu einem ersten Informationsgespräch getroffen. Eingeladen waren dazu auch Referenten von Gymnasien in Kerpen und vom Niederrhein, bei denen die neue Unterrichtseinteilung bereits praktiziert wird. Eine Entscheidung, für welches Modell man votiert, werde wohl Mitte des kommenden Schuljahres fallen, sagt Jürgen Pfaff, Leiter des Stiftischen Gymnasiums. „Die Diskussion ist derzeit noch offen. Sicher ist allerdings, dass es nur eine gemeinsame Lösung für alle sechs Schulen geben kann, da wir im Kursangebot sehr stark zusammenarbeiten.”

Hintergrund der Überlegungen ist: Durch die Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur von 13 auf 12 Jahre muss wesentlich mehr Unterrichtsstoff pro Tag und Woche vermittelt werden. Schüler in der Mittelstufe etwa kommen leicht auf eine 35-Stunden-Woche, an einigen Tagen werden sie bis zu acht Stunden lang unterrichtet. „Angesichts dieser langen Unterrichtstage sind Unterrichtsstunden von 45 Minuten nicht mehr zeitgemäß”, betont Jürgen Pfaff. Man stelle sich vor, der Schüler müsse an einem Tag Unterricht in acht verschiedenen Fächern bewältigen, samt Vorbereitung und Hausaufgaben. Hinzu kämen meist noch Arbeitsgemeinschaften am Nachmittag.

Das Gymnasium in Kerpen fährt seinen Unterricht schon seit Jahren ausschließlich in Doppelstunden. Egal welches Fach, unterrichtet wird 90 Minuten lang. Die Schüler haben so weniger verschiedene Fächer pro Tag, müssen entsprechend weniger Hausaufgaben machen und weniger Bücher mit zur Schule schleppen. „Dieses Modell ist relativ einfach einzuführen”, vermutet Wolfgang Habrich, Leiter des Angela-Gymnasiums.

„Man kann in 90 Minuten einen ganz anderen Unterricht machen. Weg vom Frontalunterricht, mit Arbeits- und Übungsphasen.” Die bislang nach 45 Minuten obligatorische kurze Pause könne dann je nach Bedarf eingeschoben werden. Ein Großteil der „Rennerei zwischen den Fachräumen” falle weg.

Klar ist allen Schulleitern auch, dass die neue Unterrichtsverteilung hohe Ansprüche an die Kollegen stellen wird, die den Stundenplan erstellen.

Dennoch wollen das Stiftische Gymnasium und das Angela-Gymnasium im kommenden Schuljahr schon einmal probeweise mehr Unterricht in 90-Minuten-Blöcken anbieten.

Ob es endgültig eine Änderung hin zu 60, 70 oder 90 Minuten währenden Unterrichtsstunden gibt, müssen dann die Schulkonferenzen aller sechs Schulen entscheiden. Dr. Marion Schoeller, Vorsitzende der Schulpflegschaft am Burgau-Gymnasium, betont: „Das geht nur gemeinsam. Wir müssen das alle diskutieren, Schüler, Eltern und Lehrer.”

Egal, für welches Modell man sich letztendlich entscheide: „Die Lehrer werden auf jeden Fall eine Fortbildung machen müssen. Sie müssen die Gestaltung des Unterrichts neu lernen.”
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