Unternehmernetzwerk will eine Rufnummer einrichten

Von: Carsten Rose
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Ohne Visitenkarten keine Kontakte: Patrick Hutz ist der Vorsitzende des Dürener Unternehmernetzwerkes. Foto: Rose

Düren. Irgendwann mal in einem Dürener Friseursalon: Ein Kunde erzählt, dass er einen Experten für seine Oldtimer sucht – und der Ladeninhaber empfiehlt ihm einen Fachmann. Dieser wiederum fragt den Oldtimer-Fan, ob er die Autos nicht mal professionell fotografieren lassen wolle für dessen Homepage.

Daraufhin äußert die beauftragte Fotografin, ob der Kunde seine Wagen nicht für Hochzeitsfahrten anbieten möchte. Kurzum: So funktioniert netzwerken – offline und lokal. Das will das Dürener Unternehmernetzwerk, in dem sich die in der Anekdote genannten Geschäftsleute engagieren, im Kreis professionalisieren.

Patrick Hutz ist Kfz-Sachverständiger in Düren und der Vorsitzende des Netzwerks, das sich im April 2014 geknüpft wurde. Damals bestand es aus zwölf Unternehmen. Er sagt, dass sich die Gruppe jetzt mit 33 Unternehmern immer noch im Aufbau befinde und dass dieses Jahr ein entscheidender Schritt bevorstehe: „Wir wollen das Netzwerk sukzessive als Marke positionieren. Wir möchten eine Rufnummer einrichten, die Kunden wählen, wenn sie einen Fachmann aus einer bestimmten Branche suchen. Und dann können wir sagen: Wir kennen da jemanden.“

Heute läuft es noch so ab, dass jedes Mitglied ein Visitenkarten-Buch griffbereit hat. So kann der Architekt zum Beispiel einen Dachdecker empfehlen, oder der Spediteur wird an einen Fahrlehrer für die Aus- oder Weiterbildung seiner Kraftfahrer vermittelt. Für die Präsenz nach außen soll im Mai eine zweite Messe in der Alten Molkerei in Düren sorgen. „Von der Messe von vor zwei Jahren bestehen immer noch Kontakte und Aufträge“, sagt Hutz, der selbst erst seit 2009 in Düren ansässig ist und daher immer auf der Suche nach hiesigen Kontakten ist.

Im vergangenen Jahr hat das Netzwerk nach eigenen Angaben einen Gesamtumsatz von mindestens 760.000 Euro über Empfehlungen generiert.

Der Nutzen für die Unternehmer ist klar: Empfehlungen heißen (meistens) Aufträge, und Aufträge bedeuten mehr Umsatz. Ist es also ein Netzwerk, von dem einzig die Bücher der Unternehmer profitieren? Nein, sagt die Mediengestalterin Sigrid Lückoff. Sie ist Gründungsmitglied und 2. Vorsitzende. „Wir haben uns Zuverlässigkeit und Qualität auf die Fahnen geschrieben – und das nützt dem Kunden, der sein Geld ja in gute Arbeit investieren will. Und außerdem bleiben die Aufträge vor Ort.“

Dreifache Ausführung

Die Prämissen setzen wiederum voraus, dass nicht jeder Mitglied werden kann: Aus jeder Branche ist nur ein Unternehmen vertreten, so soll keine Konkurrenz entstehen. Außerdem: „Langfristige Kontakte haben Priorität, es ist nicht sinnvoll, wenn wir jedes Jahr einen anderen Tischler haben. Wir müssen die Arbeit desjenigen gut kennen.“ Daraus erschließt sich, dass das Netzwerk gewisse Kontrollorgane hat. Empfehlungen werden stets schriftlich verteilt in dreifacher Ausführung – eines für das Netzwerk, um stichprobenartig nachzufragen, wie der Stand der Dinge ist.

Über Probe- und Vollmitglieder (maximal 40) entscheide die gesamte Gruppe, sagt Hutz, der Vorstand habe bewusst nicht die Entscheidungshoheit. Beide Mitgliedschaften sind nicht kostenlos. Das Netzwerk, das einer GmbH in Aachen zwecks Verwaltung angeschlossen ist, erwirtschafte jedoch keinen Gewinn, sagt Sigrid Lück-off. Mit dem Geld würden beispielsweise Werbe- und Veranstaltungskosten gedeckt. Kriterien für eine Mitgliedschaft seien, wie sich jemand beteilige – nicht ausschließlich mit Empfehlungen, sondern auch mit Fachvorträgen zum Beispiel –, wie dessen Netzwerk aussähe und selbstredend die Qualität der Arbeit.

Das Netzwerk diskutiert jeden Donnerstag zwischen 6.45 und 8.30 Uhr, wenn es sich zum Frühstück im Dürener Posthotel trifft. Mit festem Ablauf, aber lockerer Atmosphäre, wie ein DZ-Besuch gezeigt hat. Zwischen allem Organisatorischen bleibt aber noch genug Zeit, sich gut zu unterhalten – wie bei einem Friseurbesuch.

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