Über den Dächern unterwegs: Beruf Dachdecker

Von: Guido Jansen
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Zupacken ist angesagt. „Sonst kommen die Pfannen ja nicht rauf auf das Dach”, sagt Jochen Bongenberg. Foto: Guido Jansen

Hürtgenwald. Die Berufskleidung ist schwarz. Die meisten Dächer auch. Und wenn die Sonne unsere Breitengraden so verwöhnt wie in der vergangenen Woche, wird es richtig heiß. Dann knallt die Sonne ordentlich aufs Dach.

Für einen Dachdecker gilt dieser Spruch dann wörtlichen und im umgangssprachlichen Sinn. „Zur Mittagszeit, wenn die Sonne ganz oben steht, sind es da oben schnell 50 Grad und mehr”, berichtet Jochen Bongenberg, Dachdeckermeister aus Hürtgenwald. Der Blick des 34-Jährigen ist nach oben gerichtet.

Denn gleich, kurz nach 12 Uhr am Mittag, geht es wieder nach oben. „Man hat sich dran gewöhnt”, zuckt er mit den Schultern, bevor er dem nächsten Kunden auf„s Dach steigt. Wegen eines leichten Dachschadens. Auf dem Haus des Kunden versteht sich. Handschuhe sind dringend notwendig, genau so wie eine lange Hose. Denn die Pfannen auf dem Dach werden im Hochsommer sehr heiß.

„Da verbrennst du dich sonst”, sagt der Meister, dessen kräftigen Unterarmen anzusehen ist, dass man als Dachdecker ordentlich zupacken können muss.

Und viel trinken. Bongenberg winkt ab. Wie viel er trinkt, wenn die Sonne scheint und das Dach zum offenen Backofen wird, weiß er nicht. Drei, vier Liter pro Arbeitstag aber mit Sicherheit. „Zur Toilette muss man aber nur selten”, sagt er und untermalt seine Aussage mit einem kurzem Lächeln.

Der Körper verbraucht die viele Flüssigkeit komplett. Die heißen Tage mit Temperaturen von 30 Grad und mehr setzen Bongenberg und seinen Mitarbeitern nicht so sehr zu wie man vielleicht annehmen würde.

Selbst das Arbeiten mit dem heißen Brenner, mit dem Dachpappe geschmolzen und verklebt wird, ist nicht das größte Übel. „Viel mehr macht einem das ständig wechselnde Wetter zu schaffen. An einem Tag arbeitest du im Pullover, am nächsten ist es dir im T-Shirt schon zu warm.” Ständig müsse sich der Körper auf andere Bedingungen einstellen. Und das schlaucht.

Ein anderes Thema wird im Berufsstand des Dachdeckers immer eine Rolle spielen. Es ist die Angst, vom Dach zu Fallen. In der vergangenen Woche noch hat es in Langerwehe einen solchen Unfall gegeben, der zu schwersten Verletzungen geführt hat. Jochen Bongenberg atmet einmal tief durch. „Das tut einem natürlich Leid für den Kollegen.” Aber das Risiko bestehe, wenn man auf einem Dach arbeite. „Da muss man auf jeden Fall Respekt haben. Wenn man Angst hat, dann hat das ganze keinen Sinn.” Zumal man als Dachdecker vorsorgen könne. Die Sicherheitsvorschriften sind streng. Bei Reparaturarbeiten auf dem Dach das Tragen eines Klettergurtes Pflicht. Zudem müssen Dachdecker ihre Baustellen mit Klettergerüsten und Fangnetzen sichern. „Es gibt aber Kollegen, die das möglicherweise nicht immer so machen”, so der 34-Jährige. „Aber Sicherheit sollte vorgehen”. Auch, wenn die Arbeiten auf dem Dach damit für den Kunden teurer werden.

Auch sonst ist Sicherheit wichtig. Zusatzversicherungen, Unfall, Berufsunfähigkeit - für den Fall eines Falls geht Bongenberg in Sachen Finanzen auf Nummer sicher. „Man arbeitet in der Höhe. Da ist das Risiko größer.”

Warum sich der 34-Jährige, der zunächst das Schlosserhandwerk gelernt hat, entschieden hat, den Aufstieg auf das Dach zu wagen - diese Frage kann er schnell beantworten. Der Beruf sei sehr abwechslungsreich. Zum einen räumlich. Heute Hürtgenwald, morgen Vettweiß, bald Nideggen oder Düren. Außerdem biete der Beruf des Dachdeckers eine unmittelbare Belohnung. Das Resultat der Arbeit wird jeden Tag sichtbar. Und es ist von Dauer. Im Gegensatz zur Büroarbeit, die der Meister erledigen muss, wenn seine drei Mitarbeiter Feierabend haben. Rechnungen schreiben oder Angebote machen gehören zum Geschäft.

„Aber solche Dinge verlierst du irgendwann aus dem Kopf. Im Gegensatz zu einem Dach.” Ein bisschen ist es so, als habe sich ein Dachdecker ein kleines, privates Denkmal gesetzt. „Wenn du unterwegs bist und siehst dann Dächer, die du gemacht hast, dann macht dich das schon ein bisschen stolz.”
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