Kreis Düren - U3-Betreuung: Der Markt für Erzieherinnen ist leergefegt

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U3-Betreuung: Der Markt für Erzieherinnen ist leergefegt

Von: Stephan Johnen
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Blick in die Kita St. Anna in Düren. „Der Beruf ist anspruchsvoll und fordernd“, sagt Erzieherin Elfi Lennartz. Foto: Stephan Johnen

Kreis Düren. Der U3-Ausbau schreitet voran. Die bislang im Kreis Düren erreichte Versorgungsquote von 39,2 Prozent übertrifft die Orientierungsmarken von Land (32 Prozent) und Bund (35 Prozent), in der Stadt Düren meldet das Jugendamt eine Quote von 22,5 Prozent. In vielen Kitas wurde an- und umgebaut. Eine Baustelle allerdings bleibt: Es wird immer schwieriger, Personal für die Betreuung zu finden.

„Der Rechtsanspruch auf einen U3-Platz sorgt für einen erheblichen Druck im System“, bilanziert Ulrich Lennartz, Geschäftsführer des Sozialdienstes katholischer Frauen in Düren.

Der Ausbau der Betreuungs- und der Ausbildungskapazitäten sei nicht gleichzeitig, sondern nacheinander angegangen worden. „Erfahrenes Personal gibt es auf dem Markt nicht mehr“, sagt Lennartz. Auch weil die Offenen Ganztagsschulen ausgebaut worden sind. Zeitgleich gebe es auch unbeschäftigtes Personal, „das immer Schwierigkeiten haben dürfte, eine Stelle zu finden.“

Angesichts einer Ausbildung, die drei Jahre dauere, könne dieses Problem kaum schlagartig gelöst werden. „Als 2008 die Horte aufgelöst wurden, dachten die Entscheidungsträger noch, es gibt zu viele Erzieherinnen im Land“, blickt der SkF-Geschäftsführer zurück.

Es wurde folglich unter Bedarf ausgebildet. Hinzu komme, dass der Beruf den Mitarbeiterinnen immer mehr abverlange und die Belastungen steigen. „Diese Entwicklung lässt sich am Krankenstand ablesen“, sagt Lennartz.

„Erziehung ist nach wie vor weiblich“, fügt er hinzu. Das könne auch an der Bezahlung liegen. Mit Blick auf die gewünschte Qualifikation des Personals müsse auch an dieser Stellschraube gedreht werden, um die Attraktivität des Berufs zu erhöhen.

„Der Markt für Erzieherinnen ist leergefegt. Bei der Schnelligkeit des Ausbaus ist die Ausbildung nicht hinterhergekommen“, bestätigt auch Ansgar Kieven, Leiter des Dürener Jugendamtes. Bisher sei es in den städtischen Kitas aber immer gelungen, eine offene Stelle auch zu besetzen.

„Aus der Not heraus besetzen wir manche Stelle, ohne eine Auswahl gehabt zu haben“, räumt Kieven jedoch ein. Während des befristeten Arbeitsverhältnisses werde geschaut, ob der Anspruch an die Arbeit und die Wirklichkeit deckungsgleich sind.

„Initiativbewerbungen sind willkommen“, rührt der Jugendamtsleiter die Werbetrommel. Er sieht das Land in der Pflicht, zusätzliche Finanzmittel bereitzustellen, damit das Fachpersonal entlastet werden kann. Wichtig seien auch qualifizierte Unterstützungskräfte und Fortbildungsmaßnahmen.

„Der Personalpool ist kleiner geworden “, erklärt Marlis Graf, die bei der Dürener Pfarre St. Lukas für die Kitas verantwortlich ist. Vor allem Erzieherinnen, die ihre Ausbildung gerade erst abgeschlossen haben, müssten noch Berufs- und zum Teil auch Lebenserfahrung sammeln.

Sie befürwortet ein Quereinstiegsmodell, bei dem beispielsweise eine Köchin oder ein Gärtner pädagogisch qualifiziert werden. „Experten können viel besser über gesunde Ernährung oder Natur sprechen“, findet sie. 85 Prozent des Stammpersonals sollten aber Erzieher sein.

Handlungsbedarf bestehe auch angesichts der Altersstruktur. Marlis Graf zitiert eine Studie der Uni Dortmund, nach der über die Hälfte der Erzieher im Land 45 bis 55 Jahre alt sind. Um die drohende Lücke zu schließen, müssten etwa 5000 Pädagogen pro Jahr ausgebildet werden. „Soweit sind wir aber nicht“, sagt sie.

Kita-Leiterin Gertrud Gärtner von der Evangelischen Kirche spricht von einer hohen Belastung der Mitarbeiter auf der einen und einer hohen Arbeitsplatzunsicherheit auf der anderen Seite. Der Personalbedarf einer Kita hängt vom Buchungsverhalten der Eltern ab, die Verträge werden nur für ein Kitajahr geschlossen.

Sie verweist auf andere Länder, in denen Erzieherinnen ein Studium absolvieren und ein deutlich höheres Ansehen genießen. „Es wird auch immer mehr von den Kitas verlangt“, schließt Gertrud Gärtner eine Reform nicht aus.

„Die Qualifizierung reicht aus“, ist Gregor Dürbaum, Leiter des Kreis-Jugendamtes überzeugt. Die Attraktivität des Berufs und die Wertschätzung der Arbeit müsse zwar erhöht werden, doch flächendeckend studierte Pädagogen einzustellen, sei nicht nötig. Es sei auch nicht bezahlbar.

Diplomierte Kräfte könne er sich allerdings in der Leitungsebene der Kitas vorstellen. „Die Frage, wie der Fachkräftenachwuchs gesichert werden kann, wird uns noch beschäftigen“, sagt Dürbaum. Prognosen sehen den Bedarf bei der U3-Betreuung bei 60 Prozent.

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