Trotz Muskelkrankheit den Lebensmut nie verloren

Von: Sandra Kinkel
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Gregor Loevenich (24) sitzt seit neun Jahren im Rollstuhl. Seine Erfahrungen hat er in einem Buch zusammen gefasst. Foto: Sandra Kinkel

Düren. Die Geschichte von Gregor Loevenich ist eine Geschichte, die zugleich Mut macht und unglaublich nachdenklich stimmt. Gregor Loevenich ist 24 Jahre alt und leidet an Duchenne Muskeldystrophie, einer Muskelerkrankung, von der bundesweit etwa 3000 Menschen betroffen sind. „Mit der Zeit“, sagt Gregor Loevenich, „verliert man alle Muskeln. Zuerst an Beinen, Armen und am Rumpf.“ Gregor Loevenich sagt das völlig emotionslos.

„Ich hadere nicht mit meiner Krankheit“, sagt er dann. „Und ich frage mich auch nicht, warum ausgerechnet ich die Muskeldystrophie habe. Das würde mich nämlich total verrückt machen. Jammern bringt einfach nichts.“

Gregor Loevenich will anderen Menschen von seiner Krankheit erzählen, deswegen hat er ein Buch geschrieben, das im November beim Aachener Mainz-Verlag erschienen ist und für 9,80 Euro überall im Buchhandel erhältlich ist. „Mein Leben ist wertvoll“, hat Gregor Loevenich sein Werk genannt.

„Ich sitze seit neun Jahren im Rollstuhl und habe trotzdem ein gutes Leben. Ein Leben hängt doch nicht an zwei Beinen. Oder denken Sie das etwa?“ Leben, ergänzt Loevenich dann, sei doch so viel mehr als Laufen. „Ich kann lesen, Filme schauen, Musik hören. Und auch im Rollstuhl spazieren gehen. Mich mit anderen unterhalten.“

Natürlich habe er auch immer wieder Phasen in seinem Leben, wo es nicht so leicht gewesen sei. „Zum Beispiel als es mit meiner Ausbildung zum Bauzeichner nicht so gut geklappt hat“, sagt Gregor Loevenich. „Das war für mich sehr schlimm.“ Trotzdem habe er im Großen und Ganzen keinen Grund sich zu beschweren. „Ich bin doch gut versorgt. Meine beiden Brüder, die an der gleichen Krankheit leiden, und ich haben Assistenten, die uns unterstützen. Wir haben gute Ärzte und eine tolle Familie. Wenn ich mich beschweren würde, wäre das echt Jammern auf sehr hohem Niveau.“ Gregor Loevenich macht eine kurze Pause. „Natürlich gibt es viele Menschen, denen es deutlich besser geht als mir, und die sich trotzdem deutlich mehr beschweren. Denen würde ich gerne sagen, dass sie sich mal einen Tag lang in den Rollstuhl setzen sollen.“

An seinem Buch hat Gregor Loevenich zwei Jahre gearbeitet, anfangs hat er viel selbst geschrieben, zum Schluss hat er das meiste diktiert.

Der junge Mann hat seinen Lebensweg beschrieben, hat davon berichtet, wie es für seine Eltern war, als die Krankheit bei ihm und seinem älteren Bruder diagnostiziert wurde, von Menschen erzählt, die sein Leben geprägt haben, aber auch von Wünschen, Hoffnungen und Sehnsüchten. „Das war schon viel Arbeit. Und ich musste ja auch einen Verlag finden. Aber das Buch verkauft sich gut, ich hoffe, dass es ein Bestseller wird.“ Gregor Loevenich hat schon viele Ideen für ein zweites Buch, auch darin soll es wieder um seine Krankheit gehen. Er will nach vorne schauen, auch wenn er natürlich weiß, dass er wegen der Muskeldystrophie eine geringere Lebenserwartung hat als andere Menschen. „Aber Sie wissen ja auch nicht, wie lange Sie noch leben“, sagt er. „Es kommt darauf an, die Tage, die man hat, mit möglichst viel Leben zu füllen und nicht umgekehrt. Ich überlege mir jeden morgen genau, was wichtig ist und versuche, so wenig Zeit wie möglich in meinem Leben zu verschwenden. Angst vor dem Tod habe ich keine.“

Gregor Loevenich hat sein Schicksal angenommen. Er versucht, sein Leben so selbstständig wie möglich zu meistern. Das stimmt nachdenklich. Und macht vor allem aber sehr viel Mut.

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