Trotz Chemo: Frauen möchten feminin sein

Von: Margret Vallot
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Einfühlsame Ansprechpartnerin: An Doris Kobecke müssen sich Frauen wenden, die im Marienhospital teilnehmen wollen. Foto: Margret Vallot

Düren. Das Schminken und Schmücken des eigenen Körpers ist vermutlich so alt wie die Menschheit. Mit Schminke umzugehen, das weckt Lebensfreude, nicht nur bei Kindern. Und wenn sich der Körper durch eine schwere Krankheit mitsamt Chemotherapie stark verändert, kann Schminke sogar helfen, ein wenig von der femininen Ausstrahlung zu bewahren, die Frauen so wichtig ist.

Im Dürener Marienhospital erlebten jetzt Frauen, die an Krebs erkrankt sind, die wohltuenden Wirkungen von Schönheitscremes und Schminkartikeln. Maria Witton-Hinz ging dabei gezielt auf die speziellen Bedürfnisse der Frauen ein. „Die Frauen kommen hier oft mit gesenktem Kopf rein und gehen froh wieder raus”, erzählte die Spezialistin für Haar-Ersatz, die ihre Kurse sechs Mal im Jahr ehrenamtlich anbietet.

Die erkrankten Frauen gehen durch die wohl schwierigste Zeit ihres Lebens. Und wenn mit der Chemo alle Kopfhaare verschwunden sind, ist das selbst für die Mutigsten ein schwerer Schock.

Beim Mitmach-Seminar tischte die Kursleiterin zunächst Kosmetika auf, die eigentlich jeder Frau das Herz im Leibe schneller schlagen lassen. Produkte von Dior und Chanel, Lancome, Shiseido und anderen Nobelmarken stapelten sich auf dem langen Tisch. „Tun Sie sich in dieser schwierigen Phase Ihres Lebens so oft wie möglich etwas Gutes”, meinte Witton-Hinz und alles lachte.

Die Chemo nimmt dem Gesicht die Brauen und die Wimpern, aber das nicht vollkommen. Wie also strichelt man die verbliebenen Härchen so auf, das sie voluminös erscheinen? Welche Tönung soll der Lippenstift haben? Die Gesichtshaut verändert sich, sie muss jetzt morgens und abends besonders gründlich gereinigt werden. Die Kopfhaut „hat es ohne den Schutz der Haare sehr schwer”, so Witton-Hinz. Auch die Kopfhaut bedarf der besonderes Pflege.

Rote Flecken, ein verquollenes Gesicht, trockene Augen: Die Fachfrau wusste, womit ihre Kursteilnehmerinnen gelegentlich kämpfen, und sie hatte für alles ein passendes Mittel. Und: Chemo-Patientinnen sind stark geruchsempfindlich. Auch deshalb wurden für die Frauen besondere Kosmetika ausgesucht, alle zudem fast ohne Konservierungsstoffe.

Wie bringt man Rouge ins Gesicht? Wo beginnen eigentlich genau die Augenbrauen, und wo enden sie? Tricks und Kniffe wurden verraten, und weil alles gleich ausprobiert wurde, veränderte sich langsam das Aussehen der Teilnehmerinnen.

Nach der Chemo brauche die Haut ein Dreivierteljahr, um sich zu regenerieren, erfuhren die Kursteilnehmerinnen. Sie reisten aus dem ganzen Kreis Düren und sogar aus Kerpen an, um an dem anderthalbstündigen Kurs teilzunehmen. „Wie geht es Ihnen jetzt?”, fragte Maria Witton-Hinz mittendrin. „Gut”, murmelten einige zurückhaltend.

Jährlich erkranken in Deutschland 200.000 Frauen neu an Krebs. Es sind immer wieder die sichtbaren Folgen der Erkrankung, die Gefühle von Rückzug und Isolation verstärken. In dem Seminar entsteht ein Gemeinschaftsgefühl, das allen gut tut. „Die Patientinnen erleben, dass sie mit ihren Problemen nicht allein dastehen”, sagt Maria Witton-Hinz.

Die kostenfreien Seminare für Krebspatientinnen werden angeboten von der „Deutschen Knochenmarkspenderdatei gemeinnützige Gesellschaft mbH”, DKMS LIFE. Das nächste Seminar findet statt am Dienstag, 22. März, um 14.30 Uhr im Krankenhaus Düren, Roonstraße 30. Die Teilnehmerinnenzahl ist immer auf zehn begrenzt.

Ansprechpartnerin in Düren im Marienhospital ist Doris Kobecke, Information und Anmeldung ist dort möglich unter Rufnummer 02421/805699 in Düren.

Beate Schmitz ist Ansprechpartnerin im Krankenhaus Düren, die Rufnummer lautet 02421/301389.
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