Trotz Blindheit: Langerweherin deutsche Meisterin im Sportkegeln

Von: Sandra Kinkel
Letzte Aktualisierung:
6124949.jpg
Petra Schmitz und Jürgen Noll kegeln gerne. Foto: Kinkel

Langerwehe. „Wir haben vor neun Jahren als Spaßkegelgruppe angefangen. Und jetzt machen wir richtiges Sportkegeln.“ Petra Schmitz aus Langerwehe ist 54 Jahre alt und blind. Und eben begeisterte Keglerin. Nach 2010 ist sie jetzt bereits zum zweiten Mal Deutsche Meisterin im Sportkegeln geworden.

Der Wettkampf hat in Herne im Ruhrgebiet stattgefunden, bei der Gelegenheit ist Petra Schmitz zudem noch NRW-Meisterin geworden.

Wer beim Sportkegeln daran denkt, dass Menschen in gemütlicher Runde eine ruhige Kugel schieben, der irrt. Und zwar ganz gewaltig. „Sportkegeln ist ganz schön anstrengend“, sagt Petra Schmitz. „Bei den Deutschen Meisterschaften musste ich in 40 Minuten 100 Wurf absolvieren.“ Mit 532 getroffenen Kegeln ist die gelernte Telefonistin und Phonotypistin Deutsche Meisterin geworden. „Ich habe absolut nicht damit gerechnet zu gewinnen“, erzählt die Frührentnerin. „aber umso mehr habe ich mich gefreut.“

Beim Kegeln steht Petra Schmitz an einer Standhilfe, die so breit ist wie die Kegelbahn. „Daran kann ich mich orientieren“, erzählt sie. „Wir werfen immer in die Vollen, das heißt nach jedem Wurf werden alle Kegeln wieder aufgestellt.“ Petra Schmitz kegelt beidhändig, das heißt sie geht auch bei jedem Wurf in die Hocke. „Ich sage es nochmal“, lächelt sie. „Sportkegeln ist anstrengend.“ Sehr wichtig sei zudem aber auch absolute Konzentration.

Auf die Frage, warum gerade Kegeln oder besser gesagt Sportkegeln eine gute Sportart für blinde und sehbehinderte Menschen ist, sagt die Langerweherin: „Natürlich sehen wir nicht, wenn die Kugeln umfallen. Aber ich sehe auch sonst nichts und nehme ganz normal am Leben teil. Mir macht das Kegeln einfach viel Freude, und ich genieße es, mit Menschen in Kontakt zu kommen. Bei den Deutschen Meisterschaften zum Beispiel habe ich Leute aus der ganzen Republik getroffen. Das war sehr interessant.“

Im Übrigen, so Schmitz weiter, könne sie sich während des Wetkampfs auch ansagen lassen, wie viel Kugeln sie getroffen habe. „Das mache ich aber nur ganz selten. Diese Ansangen machen mich total nervös. Und im Laufe der Jahre habe ich auch ein Gefühl dafür entwickelt, wie viele Kugeln gefallen sind.“

Klar, dass Petra Schmitz jede Menge trainieren muss. Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Jürgen Noll sowie Petra und Ralf Vahlefeld aus Düren bildet sie die Mannschaft „Weiße Kugel“. „Wir kegeln in der Landesliga“, erzählt Jürgen Noll. Insgesamt treten hier vier Mannschaften gegeneinander an und zwar außer den Dürenern noch Teams aus Lippstadt, Münster und Gelsenkirchen.

„Wir trainieren immer freitags in Eschweiler“, ergänzt Petra Schmitz. „Weil wir eine Sportkegelanlage brauchen. Und die ist natürlich nicht überall zu finden. In Eschweiler tragen wir auch unsere Heimspiele aus. Im Oktober fängt die Liga wieder an.“ Dafür sind die vier blinden und sehbehinderten Kegler übrigens noch auf der Suche nach Sponsoren. Trikots und vor allen Dingen die Kegelbahn sind nicht gerade preiswert. Petra Schmitz: „Pro Training zahlen wir nur für die Bahn 24 Euro. Und für uns ist das wirklich viel Geld.“

Trotzdem können Petra Schmitz und Jürgen Noll sich nicht vorstellen, auf ihren Sport zu verzichten. „Weil es eben absolut viel Spaß macht“. so Schmitz.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.


Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert