Düren/Köln - Toni Schumacher vermisst die Annakirmes

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Toni Schumacher vermisst die Annakirmes

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Toni Schumacher in Aktion: Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1986 in Mexico bejubelt der begnadete Torwart ein Tor der Fußball-Nationalmannschaft. Foto: Imago
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Toni Schumacher als Funktionär: Im April 2012 wurde der gebürtige Dürener zum Vizepräsidenten des 1. FC Köln gewählt. Foto: imago/Jan Huebner

Düren/Köln. In den 80er Jahren galt er als einer der besten Torhüter der Welt: Toni Schumacher. Der gebürtige Dürener (59) hat die Torwarthandschuhe längst an den Nagel gehängt. Im Gespräch mit „DN“-Mitarbeiterin Sandra Kinkel spricht er über seine Arbeit, aber vor allen Dingen über seine Beziehungen zu Düren.

Wo leben Sie heute?

Toni Schumacher: Ich lebe heute mit meiner Frau und Tochter in Köln. Wir fühlen uns hier sehr wohl.

Was machen Sie beruflich?

Schumacher: Ich bin Vizepräsident des 1. FC Köln, und ich arbeite als Repräsentant beziehungsweise Markenbotschafter der Hermes Logistikgruppe.

Was macht ein Repräsentant der Hermes Logistikgruppe?

Schumacher: Ich mache Veranstaltungen für Mitarbeiter und Kunden, bin in der Kundenakquise aktiv und stehe für Marketing und Public Relations zur Verfügung.

Welche Beziehungen haben Sie denn noch zu Ihrer alten Heimatstadt Düren?

Schumacher: Ehrlich gesagt nur noch ganz wenige. Meine Eltern sind leider beide schon verstorben, und auch meine Schwester lebt nicht mehr an der Rur. Ich habe in Düren nur noch einen Onkel und einen Vetter, aber wir sehen uns sehr selten.

Wann waren Sie denn zum letzten Mal hier?

Schumacher: Das ist schon eine ganze Weile her...

Haben Sie denn noch einen Lieblingsplatz in Düren?

Schumacher: Aber ja. Mein Lieblingsplatz ist ganz eindeutig das wunderschöne Stadion von Schwarz-Weiß Düren. Da habe ich auch die meiste Zeit in meiner Kindheit und Jugend verbracht.

Gibt es etwas Ur-Dürenerisches, das Sie heute vermissen?

Schumacher: Ja, die Annakirmes.

Die feiert ja in diesem Jahr ihr 375-jähriges Bestehen. Vielleicht ein schöner Anlass, noch einmal in die alte Heimat zu kommen.

Schumacher: Da haben Sie Recht. Von dem Kirmesjubiläum habe ich schon gehört. Das überlege ich mir wirklich.

Was haben Sie denn als Kind und Jugendlicher besonders an der Kirmes geliebt?

Schumacher: Ach, eigentlich alles. Wir hatten Kinder bei Schwarz-Weiß in der Mannschaft, deren Eltern hatten Fahrgeschäfte und Eisbuden auf der Kirmes. Und da sind wir dann immer hin. Die Annakirmes war einfach für uns ein großes, total spannendes Erlebnis.

Welche Eigenschaften der Dürener schätzen Sie besonders?

Schumacher: Ich glaube, die Dürener sind ein ehrliches Volk. Mir sagen auch die Leute immer, dass ich eine ehrliche Haut bin, und dass habe ich sicher von meinen Eltern mitbekommen, die ja beide Dürener waren. Außerdem halte ich die Dürener für angenehm entspannt. Das ist aber bei den meisten Menschen so, deren Stadt an einem Fluss liegt.

Interessieren Sie sich noch für die Dürener Fußballszene?

Schumacher: Wenn überhaupt, dann verfolge ich, wie Schwarz-Weiß gespielt hat.

Die Hoch-Zeiten des Dürener Fußballs sind vorbei. Viktoria Arnoldsweiler spielt in der Mittelrheinliga, das ist die höchste Spielklasse mit Dürener Beteiligung. Woran liegt das?

Schumacher: Das ist eine schwierige Frage, zumal ich glaube, dass das Umfeld in Düren stimmt. Die Stadt hat ja große Fußballer wie Harald Konopka, Karl-Heinz Schnellinger oder auch Toni Schumacher hervorgebracht. Die Vereine müssen sich einfach wieder mehr bemühen, fußballerische Talente aus der nahen Umgebung zu finden.

Und wie geht das?

Schumacher: Naja, in dem die Verantwortlichen über die Dörfer fahren, sich Spieler angucken und vielleicht in den Ferien mal eine Fußballwoche veranstalten, in der der talentierte Nachwuchs sich präsentieren kann.

Braucht Düren ein größeres Stadion?

Schumacher: Es gibt doch das wunderschöne Schwarz-Weiß-Stadion. Aber sicherlich wäre es gut für eine Stadt wie Düren, wenn sich Leute zusammenfinden würden, die den Verein dabei unterstützen, das Stadion zu erhalten und vielleicht zu renovieren. Aber da braucht es wirklich engagierte Leute, die vor Ort sind und sich einbringen.

Wären Sie einer, der da mithelfen würde?

Schumacher: Nein, dazu fehlt mir leider die Zeit. Die Vize-Präsidentschaft beim FC ist zwar ein Ehrenamt, aber trotzdem sehr zeitaufwendig.

Was vermissen Sie aus Ihrer Zeit als Profi-Fußballer?

Schumacher: Ich vermisse die Zeit schon. Es hat mich mitgerissen und mir Spaß gemacht, vor Zehntausenden von Fußballfans zu spielen und die Leute zu begeistern. Als Torwart hat mich besonders die 1:1-Situation mit dem Stürmer immer sehr gereizt. Deshalb habe ich überhaupt kein Verständnis für Profis, die ihre Karriere beenden, weil sie keine Lust mehr haben. Das wäre für mich unvorstellbar gewesen. Absolut.

Was tun Sie heute, was als Torwartprofi undenkbar gewesen wäre?

Schumacher: Skifahren, Motorradfahren und Tauchen waren Dinge, die früher absolut undenkbar waren. Das durften wir alles nicht machen. Nach meiner Karriere im Fußball habe ich das aber alles nachgeholt.

Zum Schluss: Steigt Köln diese Saison auf?

Schumacher: Wir, das heißt die Vereinsspitze, versuchen diesmal möglichst viel richtig zu machen. Wir befinden uns, was den Aufstieg angeht, nicht in einem Sprint, sondern in einem Marathon. Und der dauert halt. Ich würde mich freuen, wenn es gelingen würde, den Verein finanziell auf solch sichere Füße zu stellen, dass der Aufstieg schon diese Saison zu stemmen wäre. Sportlich gesehen tut uns aber ... noch ein Jahr Aufbauarbeit gut. Wir haben 44 Transfers vollzogen und dabei überwiegend auf junge Spieler gesetzt, die noch Zeit gebrauchen können, um sich sportlich und auch in Sachen Selbstbewusstsein weiter zu entwickeln.

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