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„Toll, wie die Kinder sich freuen“: Halloween und Kirche

Von: Sandra Kinkel
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Für viele Menschen ist der November ein trauriger Monat, auch weil dann besonders der Toten gedacht wird. Für Pfarrer Daniel Müller-Thor ist es ein „nachdenklicher Monat“. Foto: Sandra Kinkel
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Daniel Müller-Thór ist evangelischer Pfarrer.

Langerwehe. Halloween und Reformationstag – passt das zusammen? Für den evangelischen Pfarrer Daniel Müller-Thór schon. „Meine Frau ist Isländerin“, erzählt er. „Und in Island wird Halloween groß gefeiert. Sie hat diese Tradition mit nach Deutschland gebracht, und unsere Kinder finden es toll.“

Schon seit Wochen denkt der Nachwuchs der Familie Müller-Thór über gruselige Halloween-Kostüme nach, das Haus wird mit Spinnen, Gespenstern und Kürbissen dekoriert, und heute Abend ziehen die vier Kinder von Daniel Müller-Thór durchs Dorf und erbitten Süßigkeiten bei Freunden und Nachbarn. „Natürlich ist der Reformationstag für uns evangelische Christen ein wichtiger Tag, an dem wir an die Wurzeln unseres Glaubens erinnern. Ich feiere um 18 Uhr den Gottesdienst“, sagt Daniel Müller-Thór. „Meistens kommen die Kinder aber gegen halb sechs in die Kirche und bekommen hier auch ein paar Süßigkeiten.“

Für den Seelsorger ist das kein Widerspruch. „Natürlich ist Halloween nicht unsere Tradition. Aber Weihnachtsgeschenke oder der Tannenbaum sind auch keine christlichen Symbole. Trotzdem ist es schön, wenn Familien so feiern.“ Feste wie Weihnachten, Geburtstag, Ostern, Halloween und St. Martin seien für Kinder echte Highlights. „Ich finde es toll, wie Kinder sich darauf freuen. Und diese Feste helfen den Kindern auch, das Jahr zu strukturieren.“

Ab morgen beginnt für Daniel Müller-Thór ein „nachdenklicher Monat“. „Ich weiß, dass der November für viele Menschen eine traurige Zeit ist. Für mich ist es eine nachdenklicher Zeit.“ Katholische Christen gedenken an Allerheiligen und Allerseelen (1. und 2. November) ihrer Verstorbenen, in der Evangelischen Gemeinde von Daniel Müller-Thór werden an Totensonntag die Namen aller derer vorgelesen, die im vergangenen Jahr verstorben sind. „Ich nenne diesen Sonntag ‚Ewigkeitssonntag‘. Weil wir den Schwerpunkt eben nicht auf den Tod, sondern auf die Auferstehung legen.“

Darüber hinaus gibt es noch den Buß- und Bettag und den Volkstrauertag. „Am Buß- und Bettag“, sagt Daniel Müller-Thor, „denken wir darüber nach, was in unserem Leben und in der Gesellschaft schief läuft und was wir besser machen können.“ An Volkstrauertag werde der Opfer der beiden Weltkriege und der aktuellen Kriege auf der Welt gedacht. Müller-Thór: „Immer vor dem Hintergrund, dass wir alles tun müssen, um solche Kriege zu vermeiden.“

Für ihn, so Müller-Thor, sei der November ein emotional anstrengender Monat. „Im Dezember gibt es zwar mehr Termine. Aber mir fällt es leichter, einen fröhlichen Weihnachtsgottesdienst zu feiern als einen Gottesdienst zum Ewigkeitssonntag.“

Auch, weil er immer bemüht sei, sich in die Menschen hineinzufühlen. „Ich versuche, ihre Trauer mit Worten aufzufangen. Weil ich es auch sehr wichtig finde, der Trauer und dem Verlust Raum zu geben.“ Dazu sei der November eine gute Gelegenheit. „Ich bin kein Freund davon, einfach zu sagen: ‚Da müssen wir jetzt durch.‘ Manchmal kann es hilfreich sein, sich der Trauer hinzugeben.“

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