Tina Teubner begeistert selbst mit Albernheiten

Von: Hannes Schmitz
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Tina Teubner entwickelte einen herrlichen Kabarettspaß mit einem Spott- und Pointenfeuerwerk. Foto: Hannes Schmitz

Düren. Die wenigen Männer im Komm jaulten nicht, als die Protagonistin auf der Bühne der Frauenschar im ausverkauften Haus riet, bei der Erziehung des starken Geschlechts durchaus mal einen Blick in einen Ratgeber für Hundeerziehung zu werfen.

„Hilft“, flötete die selbst ernannte Therapeutin und zitierte einige Beispiele zur großen Freunde ihrer weiblichen Zuhörer. Die Männer wiederum waren tapfer und winselten nicht, als die in Köln lebende Kabarettistin Tina Teubner mit messerscharfen Attacken versuchte, männliches Ego anzuritzen. Hellhörig wurden die männlichen Besucher aber, als die wortgewaltige Komödiantin ihre Sicht der Gleichberechtigung zum Besten gab: „Männer und Frauen sind exakt gleich doof !“

Ein herrlicher Kabarettspaß entwickelte sich, manchmal mit ernsten Untertönen, schwermütigen, leichten, bissigen und lustigen Liedern sowie bittersüßen Blicken auf Beziehungen, die in der Feststellung gipfelte:„Leider kann man als Außenstehender für fremde Paare nicht die Scheidung einreichen.“ Parteiisch war die selbst ernannte „alleinerziehende Ehefrau“, die sich zur Ehe bedingungslos bekannte und auch Unterstützung bei ihrem Side-Kick, ihrem hervorragenden musikalischen Begleiter Ben Süverkrüp fand, der eine eigenwillige Definition für die „Institution“ hatte: „ Die Ehe löst Probleme, die ich vorher nicht hatte“.

Tina Teubner offenbarte die Gedanken der Frauen, war eindeutig parteiisch, aber auch so virtuos und anrührend, dass sogar Mann vieles verstand und mit lächelte, als die Kabarettistin zusammen mit ihrem Begleiter ein Streitgespräch eines Paares in hinreißender Form wieder gab. Der Wiedererkennungswert schien bei den Zuhörern hoch zu sein. Ihr Auftreten war von uneitler Souveränität. Die Garstigkeiten und Dreistigkeiten servierte sie so charmant, immer ein Lächeln auf den Lippen, dass man schon schmunzelte, bevor einem die volle Boshaftigkeit aufging.

Das Geständnis

Aufs Spritzigste mischte die Künstlerin Gesang, Rede und Geigenspiel oder begleitete sich gekonnt auf der Ukulele. Nie überspannte sie den Bogen oder glitt in überschwängliche Komik ab. Selbst ihre Albernheiten hatten einen gewissen Stil, wenn sie mit einem vollen Weinglas in der Hand parlierte. Die Männer lauschten fasziniert, wenn sie den Schleier vor der weiblichen Psyche ein wenig lüftete oder Tricks verriet: „Ich suche die Kleidung für meinen Mann aus, damit ihn keine andere Frau anschaut.“ Sie gab Einblick in ihre Gefühlswelt und gestand: „Ich liebe meinen Mann, auch wenn ich ihn nicht ständig auf dem Schirm habe.“ Und Paartherapie lehnte sie rundweg ab. „Was soll ich da? Im Gegensatz zu meinem Mann bin ich glücklich verheiratet!“

Ein Kaleidoskop von originellen Bildern entstand auf der Bühne, eine einzigartige Mischung aus Kabarett und Chanson. Ihre Vorträge voller Wortwitz und Spontaneität unterbrach sie mit erstklassigen Liedern und wurde dabei zu einer Chansonette mit klaren Aussagen und Empfindungen. Und groß war die Verblüffung, als sie zum Schluss der Vorstellung zur Säge griff und mit dem Geigenbogen und einem „swingenden Sägeblatt“ Brahms Wiegenlied „Guten Abend, gut Nacht“ intonierte und das äußerst gut gelaunte Publikum nach einem Spott- und Pointenfeuerwerk in die laue Sommernacht entließ.

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