Tilman Döring erster Sieger im Poetry Slam

Von: jul
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Auch Julia Roth aus Köln wagt
Auch Julia Roth aus Köln wagte sich beim ersten Poetry Slam vor das kritische Publikum in Düren. Foto: Julian Loevenich

Düren. Die lauten, brummenden Bässe laufen pulsierend unter elektronischen Klängen mit englischsprachigen Texten. Das rote Licht in der Endart ist dezent, dennoch einprägend. Es sind überwiegend junge Leute, die sich mit Freunden an die kleinen Tische setzen - und warten.

Unter der dröhnenden Musik warten sie darauf, dass es ruhig wird. Dann zieht der „Poetry DJ” Rayl Patzak einen kleinen, zusammengefalteten Zettel aus einem Topf und ruft: „Julia Roth!”

Die junge Kölnerin schreibt Geschichte. Die bekannte Perfomance-Poetin und Story-Tellerin, wie es offiziell heißt, ist die erste Künstlerin, die beim ersten Poetry Slam in Düren auftritt. „Poetry Slam, das ist ein Dichtwettbewerb”, so Patzak. Ein Kampf, geführt mit Worten, ohne den anderen zu verletzen.

Vielmehr treten acht bis neun Leute gegeneinander an, die nacheinander ihre selbst geschriebenen Gedichte in maximal sieben Minuten vortragen. Danach entscheidet der Applaus des Publikums, wer gewinnt. „Sie kämpfen um Eure Gunst”, macht Patzak dem Publikum seine Verantwortung bewusst.

Mit trockenem Humor und einer bewusst monoton laufenden Stimme trägt Julia Roth ihr Gedicht vor, das von Jugendlichen handelt, die sich in Drogen flüchten. Ganz anders präsentiert sich Spoken Word-Poet René Deutschmann mit „Smalltalk im Kleiderschrank” und schlüpft dabei in die Rolle personifizierter Kleidungsstücke.

Von einer eher pessimistischen Seite zeigte sich der Aachner Necip Tokogun, der mit dem Erlebnis eines „Scheiß Tag” und ganz einfacher, aber trotzdem beeindruckender Sprache als erster ins Finale gewählt wird.

Der Poetry Slam soll in Düren eine feste Einrichtung werden, so wie es in vielen Städten, wo Tausende von Zuschauern zu einer Veranstaltung kommen, Gang und Gäbe ist. Und so probieren sich neben den hauptsächlich von außen, deutschlandweit bekannten Poeten auch die ersten Dürener in der etwas anderen Art des künstlerischen Ausdruckes. Zwar ohne Erfolg, aber um eine Erfahrung reicher.

Geradezu perfekt erscheint Tilman Döring aus Darmstadt. Harte, direkte Sprache ist bei ihm Mittel zum Zweck. Es ist eine Kritik an der Gesellschaft, in der Leute immer wieder meinen, etwas Besseres zu sein, doch dabei nur Abbild ihrer Mitmenschen sind. Döring beherrscht sein Handwerk und wird mit dem so genannten „Powerapplaus” in das Finale gewählt.

Provisorisches Verfahren

Dort wartet Necip Tokogun auf ihn. Beide zeigen ihren Zuhörern noch einmal ihre Klasse, ihr Können, ihre sprachliche Gewandtheit, und beide bekommen Applaus - viel Applaus. In einem provisorischen Verfahren wird Döring durch den Zufall zum ersten Gewinner des Poetry Slams in Düren gewählt und zeigt wohin der Weg in der Stadt führen könnte.

In Schulen sollen künftig Übungskurse eingeführt werden, die schon im nächsten Jahr Teilnehmer für die NRW-Meisterschaft stellen könnten und auch der nächste Poetry Slam ist wohl richtungweisend. Die Premiere lässt jedenfalls in eine positive Zukunft blicken.
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