Tiefgreifender Einschnitt ist zu meistern

Von: Dietmar Engels
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Um den Chefposten im Merzenicher Rathaus bewerben sich Amtsinhaber Peter Harzheim (CDU) und Rodja Rittlewski (SPD). Zur Gemeinderatswahl treten neben CDU und SPD diesmal auch die Bürger für Merzenich und die FDP an. Foto: Dietmar Engels

Merzenich. Das zentrale Thema in der Merzenicher Kommunalpolitik wird in den nächsten fünf Jahren die Umsiedlung des Ortsteils Morschenich sein. Zwar verschwindet das Dorf erst in etwa 15 Jahren vom Erdboden, doch bereits jetzt müssen die Weichen für Neu-Morschenich gestellt werden.

Wenn alles nach Plan läuft, werden zum Ende der neuen Wahlperiode - also im Laufe des Jahres 2014 - die ersten Morschenicher Bürgerinnen und Bürger ihre neuen Häuser beziehen. Wo das sein wird, das steht noch nicht fest. Klar ist nur, dass Neu-Morschenich irgendwo am Rande des Hauptortes entstehen wird. Nur Merzenich selbst ist nämlich ein so genannter Siedlungsschwerpunkt - nach den geltenden Landesgesetzen eine zwingende Voraussetzung für einen Umsiedlungsstandort.

Alles andere wäre auch wenig sinnvoll, denn was zum Beispiel die Nahversorgung und die Erreichbarkeit der kommunalen Dienststellen anbelangt, käme Morschenich vom Regen in die Traufe, wenn es an Girbelsrath oder Golzheim angegliedert würde.Die erste Bürgerversammlung in Sachen Umsiedlung hat bereits stattgefunden. Dabei ging es im Wesentlich um den Ablauf des langwierigen Verfahrens.

Am Donnerstag, 20. August, folgt die zweite, für die Betroffenen wichtigere Bürgerversammlung. Dann geht es nämlich erstmals um die Entschädigung für den Verlust der Heimat.

Frei in der Entscheidung

Erklärtes Ziel der politisch Verantwortlichen ist eine möglichst geschlossene Umsiedlung. Letztlich bleibt es aber jedem Betroffenen selbst überlassen, was er mit der gezahlten Entschädigung macht. Andererseits: Eine 1:1-Entschädigung bezüglich der Grundstücksgröße gibt es nur am offiziellen Umsiedlungsstandort. Da werden sich die Morschenicher sehr genau überlegen, ob sie sich anderswo mit deutlicher weniger zufrieden geben wollen.

Höhere Verkehrsbelastung?

Ein anderes wichtiges Thema in Merzenich ist die Verlegung der Autobahn A4. In diesem Zusammenhang erhält die Gemeinde eine eigene Anschlussstelle, was „vor Ort” nicht nur Begeisterung auslöst.

Nach der Fertigstellung ist nämlich in Merzenich mit einer erheblichen Verkehrsbelastung zu rechnen, die „kanalisiert” werden muss, um zusätzliche Gefährdungen (und auch Lärmbelästigungen) zu verhindern. Speziell diese Sorgen gab es auch im Zusammenhang mit der Einrichtung des S-Bahn-Haltepunktes in Merzenich. Glücklicherweise haben sich die Befürchtungen als weit übertrieben erwiesen. Die zusätzliche Verkehrsbelastung ist kaum nennenswert. Letztlich hat der S-Bahn-Haltepunkt der Gemeinde Merzenich viel mehr Vorteile als Nachteile gebracht.

Vor der letzten Kommunalwahl im Jahr 2004 war die Schaffung zusätzlicher Gewerbeflächen das zentrale Thema in der Kommunalpolitik. Das Gewerbegebiet in Girbelsrath platzte schon damals aus allen Nähten Jetzt, fünf Jahre später, ist dieses Problem fürs Erste erledigt, denn es ist gelungen, im Hauptort „Auf der Heide” ein weiteres großes Gelände für die Ansiedlung von Betrieben einzurichten.

„Der Merzenicher?”

Übrigens: Nicht nur die neue Autobahnanschlussstelle wird Merzenich überregional bekannter machen. Zumindest in Fachkreisen ist die Gemeinde bereits als Fundort einer mittleren archäologischen Sensation in aller Munde. Bei den Grabungen im Vorfeld eines neuen Wohngebietes am Valdersweg ist hier nämlich rheinlandweit die älteste bekannte Darstellung eines menschlichen Wesens aus der Frühsteinzeit gefunden worden - ein voll plastischer Kopf in Puppengröße.

Wer weiß: Vielleicht wird Merzenich deshalb ja ebenso bekannt wie das Neandertal und man nennt den Fund künftig respektvoll „Der Merzenicher”.
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