Tagsüber sind es Lastwagen, Nachts nervt Lärm die Kreuzauer

Von: Margret Vallot
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Alle Stühle in der Kreuzauer
Alle Stühle in der Kreuzauer Festhalle waren besetzt, als gestern der Erörterungstermin über die Bühne ging. Die Fronten waren klar: Die Vertreter der Niederauer Mühle (links) möchten den Produktionsprozess optimieren, die Nachbarschaft (hinten) möchte ihre Ruhe haben. Foto: Margret Vallot

Kreuzau. Sie wohnen in unmittelbarer Nähe zur Niederauer Mühle und geben nicht auf: Bürger und Bürgerinnen aus Kreuzau, die sich am Dienstag zum Erörterungstermin in der Festhalle einfanden. Dort konnten sie ihre schon schriftlich vorgelegten Bedenken vortragen, Fragen stellen und mit den Verantwortlichen der Mühle diskutieren.

Die Niederauer Mühle gilt in der Fachwelt als der bedeutendste Hersteller von weißgedecktem Wellpappenrohpapier in Europa. Das Unternehmen möchte seine drei Kessel gern alle gleichzeitig betreiben. Bisher ist nur der Parallelbetrieb von zwei Kesseln genehmigt. Die Bürger, die sich bisher schon oft und erfolglos über Lärm beschwerten, fürchten nun, dass sie bald von noch mehr Geräuschen drangsaliert werden, vor allem nachts und an den Wochenenden.

In der Festhalle stellte zunächst Dr. Erich Zanders den Antrag der Papierfabrik vor. Genehmigen muss ihn die Bezirksregierung in Köln. Matthias Wudke hatte die schwierige Aufgabe übernommen, die Veranstaltung zu moderieren.

Zander, der bezüglich der Lärmvermeidung mehrmals zugab, „dass wir noch besser werden müssen”, betonte: Es sei keine Erhöhung der Produktion geplant, und es werde sich auch hinsichtlich des Lkw-Verkehrs in Kreuzau nichts ändern.

Genau das glauben die Bürger, die schon vor mehreren Jahren eine Bürgerinitiative (BI) gegründet haben, absolut nicht. Mehr noch: Sie misstrauen sogar den Lärmmessungen, die die Mühle vornehmen ließ, und den Daten, die ermittelt wurden. Die Werte bleiben, bis auf kleine Ausnahmen, alle im Bereich des Genehmigten.

Auch die Bezirksregierung, so Wortführer Karl-Heinz Kern von der BI, habe sich nicht sonderlich angestrengt, die Beschwerden der Nachbarn durch Messungen zu stützen. Mehrere Kreuzauer haben sich unterdessen selbst teure Geräte angeschafft und Lärm gemessen. Sie kommen regelmäßig auf Werte, die über dem Erlaubten oder kurz darunter liegen. Es wurde auch die Frage diskutiert, ob überhaupt gemessen werden darf, wenn bestimmte Aggregate ausgeschaltet sind.

Beifall erhielt Kern, als er Versäumnisse der Kreuzauer Politiker anprangerte. Was sich auf dem Gelände der Niederauer Mühle abspiele, das sei vom geltenden Bebauungsplan her gar nicht gestattet, so sinngemäß die Kritik.

Wudke brachte die Disputanten immer wieder auf das Thema des Tages zurück, nämlich die Genehmigung des Volllastbetriebs und die Einwände dagegen. Zug um Zug wurden außer Lärm auch Brandschutz, Arbeitsschutz und die Gefährdung der Luftreinheit besprochen. Insgesamt gab es über 160 Einwände, fast alle wurden pünktlich abgegeben. Entschieden wurde am Dienstag bis zum Ende um 18 Uhr noch nichts. Mit der Erlaubnis ist, wenn überhaupt, erst in einigen Wochen zu rechnen.
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