„Tag der Heimat“: Das Leid der Vertriebenen nicht vergessen

Von: Sandra Kinkel
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Der bekannte CDU-Politiker Wolfgang Bosbach lobte die Aufbauarbeit der Vertriebenen in seinem Grußwort
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Der Dürener Bürgermeister Paul Larue lobte die Aufbauarbeit der Vetriebenen in seinem Grußwort. Foto: Sandra Kinkel
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Für die musikalische Gestaltung der Gedenkstunde sorgten unter anderem Opernsänger Gerhard Bannass, Organist Peter Brück und der Heimatchor Euskirchen. Foto: Sandra Kinkel
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Für die musikalische Gestaltung der Gedenkstunde sorgten unter anderem Opernsänger Gerhard Bannass, Organist Peter Brück und der Heimatchor Euskirchen.
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Die Fahnen der ehemaligen ostdeutschen Provinzen wurden gezeigt.

Düren. „Es zweifelt niemand daran, dass Deutschland den Zweiten Weltkrieg begonnen hat. Und es zweifelt auch niemand daran, dass der nationalsozialistische Hass unglaubliches Leid über einen ganzen Kontinent gebracht hat. Aber auch die Vertreibung von 14 Millionen Deutschen aus den ehemals deutschen Ostgebieten war Unrecht.“

Es ist ganz still am Samstagmorgen in der Marienkirche, knapp 200 Männer und Frauen sind gekommen, um zu hören, was Wolfgang Bosbach, CDU-Bundestagsabgeordneter aus Bergisch-Gladbach und Vorsitzender des Bundestagsinnenausschusses zu sagen hat. Der 62-Jährige hielt die Festrede zum Thema „Deutschland geht nicht ohne uns“ beim „Tag der Heimat“ des Kreisverbandes Düren des Bundes der Vertriebenen – und berührte die Menschen mit einfühlsamen und deutlichen Worten.

„Wer die Heimat nicht vermisst“, so Bosbach, „kann nur schwer nachvollziehen, warum der „Tag der Heimat“ für Sie alle so wichtig ist.“ Es gehe den Vertriebenen, betonte der Christdemokrat, um viel mehr als den Verlust von Grund und Boden. „Sie haben ihre Heimat verloren, mussten Ihre Wurzeln kappen. Und heute wollen sie die Erinnerungen wachhalten und die Liebe zur ehemaligen Heimat demonstrieren.“ Und das, betonte Bosbach, widerspreche sich keineswegs mit der Tatsache, dass die Vertriebenen heute ein wichtiger Teil der deutschen Gesellschaft seien. Die Vertriebenen hätten gute und wichtige Aufbauarbeit geleistet. „Sie haben nie gezögert und immer mit angepackt. Das war eine gewaltige Integrationsleistung, die da vollbracht wurde. Der rasante Aufstieg der jungen Bundesrepublik wäre ohne die Vertriebenen so nicht möglich gewesen.“ Es sei heute immer noch ein Glück, in Deutschland leben und arbeiten zu dürfen. „Und das haben wir auch den Vertriebenen zu verdanken.“

Bosbach unterstrich aber auch, dass heute noch 40 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht seien. „Viele wollen nach Deutschland. Wir hatten immer Zuwanderung und werden auch immer Zuwanderung haben.“ Wichtig sei jedoch, so der Politiker, dass das liberale und tolerante Deutschland keine Toleranz denen gegenüber zeigen würde, die die freiheitlich-demokratische Grundordnung zertrümmern wollten. „Und deswegen ist es richtig, dass die Terrororganisation „Islamischer Staat“ jetzt bei uns verboten ist.“

„Gemeinschaftsleistung“

Dürens Bürgermeister Paul Larue lobte besonders die Aufbauarbeit der Vertriebenen in Düren. Amerikanische Militärzeitschriften hätten nach der kompletten Zerstörung Düren am 16. November 1944 getitelt, dass „an diesem Ort niemals mehr Menschen“ würden wohnen können. Larue: „Diese Schlagzeile haben Sie der Unwahrheit überführt.“ Im Februar 1945 hätten nachweislich noch vier Menschen in Düren gewohnt. „Der Wiederaufbau unserer Stadt war eine große Gemeinschaftsleistung. Und deswegen ist es nur mehr als richtig, dass die Stadt und der Bund der Vertriebenen auch den ‚Tag der Heimat‘ gemeinsam begehen.“ Hass und Krieg, so Larue weiter, seien leider keine historische Erfahrung geblieben.

„Weg der Versöhnung“

„Wenn zum Stadtfest am kommenden Samstag unsere Freunde aus unseren Partnerstädten kommen, sind auch Menschen aus dem ukrainischen Stryi dabei. Wer hätte gedacht, dass Aggression, Krieg und Vertreibung in diesen Tagen so aktuell sind?“ Es sei wichtig, so der Bürgermeister weiter, dass das Unrecht der Vertreibung auch wirklich Unrecht genannt wird. „Aber wir alle dürfen darin nicht verharren, sondern müssen gemeinsam auf dem Weg der Versöhnung gehen.“

Für die musikalische Gestaltung des „Tages der Heimat“ sorgten der Dürener Organist Peter Brück, Opernsänger Gerhard Bannass, der Heimatchor Euskirchen und das Oberschlesische Blasorchester. Wie immer wurden Fahnen und Trachten der ehemals deutschen Ostgebiete gezeigt.

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