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Täglich 300 Mal falscher Alarm

Von: Andreas Bongartz
Letzte Aktualisierung:

Düren. Es gibt Tage da geht es immer weiter, dann steht das Telefon in der Feuer- und Rettungsleitstelle des Kreises Düren nicht mehr still. Morgens, mittags, abends, nachts erreichen die Leitstelle die Anrufe über die Notrufnummer 112, 300 pro Tag sind keine Seltenheit.

Nur: in den seltensten Fällen handelt es sich dabei allerdings tatsächlich um einen Notfall.

Wenn das Telefon in der Leitstelle klingelt, dann sind es zumeist so genannte Störanrufe, die von den Disponenten entgegen genommen werden.

Es schellt die Mitarbeiter der Leitstelle nehmen ab und hören am anderen Ende der Leitung nicht den vermeintlichen Notfall, sondern Stille, tiefes Atmen, Stimmen oder Musik im Hintergrund oder aber auch ein Besetztzeichen - der Anrufer hat wieder aufgelegt. Ein großes Problem für die Feuerwehrleute und ein bundesweites obendrein, wie Walter Weber der Leiter der Feuer- und Rettungsleitstelle weiß.

„Unsere Disponenten werden hier terrorisiert”, sagt Weber. Denn auch wenn die Anrufe schnell als Störungen wahrgenommen werden, so bringen sie doch den gesamten Betriebsablauf gehörig durcheinander.

„Es ist frustrierend, man bearbeitet einen Einsatz, korrespondiert zum Beispiel mit einem Krankenhaus und dann klingelt das Telefon und man muss schnell machen. Da kommt man schon in eine Zwickmühle”, so Walter Weber. Denn angenommen werden müssen schließlich alle Anrufe.

Unter den täglich eingehenden 300 Anrufen seien dabei allerhöchstens 20, die tatsächlich Einsätze nach sich ziehen. „Da kann man manchmal schon verzweifeln.”

Diese Störanrufe kennt man auch bei der Polizei, laut Pressesprecher Willi Jörres sei die Zahl hier jedoch viel geringer. Ein größeres Problem würden hier absichtliche Fehlalarme darstellen, korrekt wird dies als Missbrauch von Notrufanlagen bezeichnet. Im vergangenen Jahr kam dies 20 Mal vor, 2007 29 und 2006 26 Mal. Dabei handelt es sich um Straftaten, in allen Fällen erstattet die Polizei Strafanzeige.

Werden die Anrufer erwischt drohen ihnen Freiheitsstrafen von bis zum einem Jahr oder Geldstrafen. Hinzu kommt ein zivilrechtlicher Anteil für die Erstattung der Einsatzkosten. Über eine Telefonanschlussermittlung seien die Anrufer etwa relativ leicht zu ermitteln, außerdem werden alle Notrufe, die bei der Polizei unter 110 eingehen auf Band aufgezeichnet. „Auch darüber lassen sich die Anrufer ermitteln.”

Bei solchen Fehlalarmen geht die Polizei rigoros vor, denn, so Jörres: „Für jede Leitstelle stellen solche Anrufe ein Problem dar, wenn wir zu einem Notruf ausrücken und dann vor Ort feststellen, dass es sich um einen falschen Alarm handelt, führt dies unter Umständen dazu, dass wir in einem echten Notfall verspätet eintreffen.” Da verstehe man bei Scherzanrufen keinen Spaß, so Jörres.

Böswillige Fehlalarme schlagen in der Feuer- und Rettungsleitstelle glücklicherweise eher selten auf: „Wenn es drei im Jahr sind, dann sind es viele”, weiß Walter Weber zu berichten. Hinter den Störanrufen würden zumeist Kinder und Jugendliche stecken, die ihr Handy ausprobieren wollen. „Morgens vor Schulbeginn und nachmittags nach Schulende gehen bei uns die meisten Anrufe ein”, so Weber weiter. Gleichzeitig sei das zentrale Problem, dass die Anrufe meist von Handys ohne SIM-Karte erfolgen , der Notruf kann so zwar abgesetzt, aber nicht zurückverfolgt werden.

Was kann man gegen die Störanrufe unternehmen? Walter Weber ist ratlos: „Da können sie nichts gegen machen.”

Wegen Missbrauch nur mit SIM-Karte

Die 112 gilt in allen Ländern der EU als Notrufnummer. Der Missbrauch des Notrufs stellt ebenfalls ein EU-weites Problem dar. Wegen hoher Notrufmissbrauchszahlen ist der Notruf in Belgien, Rumänien, der Schweiz, Großbritannien und Zypern sowie in Teilen Italiens nur über Handy mit einer SIM-Karte möglich.
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