„Summer of Paper”: Hoesch-Museum wagt Brückenschlag

Von: Burkhard Giesen
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Von Florian Baudrexel vollkomm
Von Florian Baudrexel vollkommen neu gestaltet präsentiert sich ein Raum im Leopold-Hoesch-Museum, in dem er seine Skulpturen und Collagen präsentiert. Foto: Burkhard Giesen

Düren. Ob Museumsdirektorin Dr. Renate Goldmann der Aussage „I shop therefore I am” auf einer der Einkaufstüten aus der Sammlung von Dr. Heinz Schmidt-Bachen wirklich Folge leistet, wissen wir nicht. Ohnehin war es als konsumkritisches Credo zu verstehen.

Wenn Joseph Beuys auf einer anderen Tüte handschriftlich erklärt, wie aus seiner Sicht die Parteiendiktatur überwunden werden kann - dann macht beides vor allem deutlich: Banale Alltagsgegenstände können schnell zur Kunst werden und gar zu politischen Diskursen führen.

Ab Sonntag wird ein Ausschnitt der umfangreichen Sammlung von Schmidt-Bachem im Leopold-Hoesch-Museum präsentiert. Eine Sammlung, die aus viel mehr besteht als den vermeintlich profanen Einkaufstüten.

Schmidt-Bachem, so sagt Goldmann, habe sich eben nicht nur als Papierhistoriker verstanden, sondern auch als Sozialhistoriker. Der Dürener Dr. Schmidt-Bachem, der die Ausstellung noch selbt mit vorbereitet hat und dann überraschend verstorben ist, sammelte alles, was mit dem Zweig der Papierindustrie in Verbindung stand und steht. Und so kann man von alten Rechnungen über Bonbon-Tüten und historischen Briefbögen Exponate bis hin zu Theaterrequisiten entdecken. Diese Sammlung ist aber nur ein Teil dessen, was ab Sonntag unter dem neuen Programmnamen „Summer of Paper” auf die Ausstellungsbesucher zukommt.

So hat zum Beispiel Florian Baudrexel einen Museumsraum komplett neugestaltet und präsentiert dort Collagen und Skulpturen. Ebenfalls im Museum vertreten ist Susanne Ristow, die in der Innenstadt schon mit ihrem immer wiederkehrenden Bild einer jungen Asiatin für Verwirrung gesorgt hat. Zeichnungen von Jorinde Voigt runden den Ausstellungsreigen ab.

Faszinierend auch die Werke aus der Sammlung Dahlmann: Gezeigt werden mit Mustern bemalte Baumrinden aus dem Kongo, die Anfang der 1970er Jahre entstanden sind. Letztlich handelt es sich auch hier um Gebrauchsobjekte: Die Rinden wurden als Lendenschurze getragen.

Beschworen wird beim „Summer of Paper” auch die Einheit der Museen. Den Brückenschlag zum Papiermuseum hat bereits Wolfgang Heuwinkel mit seinen in Zellstoffblöcken eingelassenen Kiefern geschaffen. Heuwinkel hat dem Museum übrigens fünf kleinere Editionen seiner Skulptur zur Verfügung gestellt. Sie kosten jeweils 500 Euro.

Im Papiermuseum selbst - das inzwischen auch die Bibliothek des Museum beherbergt - gibt es dann noch die Möglichkeit, dem Künstler Martin Spengler bei der Arbeit zuzusehen.

Spengler hat sein Atelier aus München 1:1 für sieben Wochen in Düren aufgebaut. Aus geschichteter Wellpappe „schnitzt” er beeindruckende Reliefs, durchaus auch überdimensional, vom Kölner Dom bis zur Athener Stadtansicht.

Workshops im Papiermuseum

Der „Summer of Paper” wird am Sonntag, 10. Juli, 12 Uhr, eröffnet.

Verschiedene Workshops begleiten das Programm. Am Sonntag können von 10 bis 17 Uhr Origamis mit Narumi Matsubayashi gebastelt werden. Alle Workshops finden im Papiermuseum statt.

Bis zum 28. August kann man ebenfalls von 10 bis 17 Uhr im Papiermuseum dem Künstler Martin Spengler bei der Arbeit über die Schultern schauen.

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