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Stromautobahn „Alegro“: Amprion schließt negative Folgen aus

Von: Jörg Abels
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Anhand von Fotomontagen versuchte Amprion, die Einbettung des Konverters in die Landschaft zu verdeutlichen. Foto: Jörg Abels
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Die Konverterstation hat eine Fläche von rund 180 mal 150 Meter, das Gebäude wird 6500 Quadratmeter groß. Genaue Pläne gibt es noch nicht.

Niederzier. Hinter dem Namen „Alegro“ verbirgt sich eines der größten Infrastrukturprojekte in der Region: Um die Versorgungssicherheit der Bevölkerung in den Großräumen Lüttich und Aachen zu verbessern, plant Hochspannungsnetzbetreiber Amprion mit einem belgischen Partner den Bau einer 100 Kilometer langen Stromautobahn.

Außerdem soll sie den Wettbewerb auf dem europäischen Energiemarkt steigern und das Stromnetz an den Ausbau erneuerbarer Energien und den Ausstieg aus der Kernenergie anpassen. Die Stormautobahn soll eine Übertragungskapazität in beiden Richtungen von rund 1000 Megawatt haben, vergleichbar der Leistung eines heutigen Kernkraftwerks.

Zwei Erdkabel sollen die Umspannanlagen in Oberzier und Lixhe bei Lüttlich verbinden. An den Endpunkten werden sogenannte Konverterstationen errichtet, um den in Gleichstromtechnik transportierten Strom in die bestehenden Wechselstromnetze einspeisen zu können.

Ein gigantisches Vorhaben, das rund 430 Millionen Euro kostet. Im Bundesbedarfsplangesetz wurde Oberzier als Netzverknüpfungspunkt gesetzlich festgeschrieben. Die Pläne sehen vor, dass die Umspannanlage Oberzier ab 2015 westlich um maximal 30 000 Quadratmeter erweitert wird. Das Konvertergebäude soll 6500 Quadratmeter groß werden, größer als ein Fußballplatz, und maximal 20 Meter hoch.

Experten der Firma Amprion haben das Projekt bei einer Bürgerversammlung vorgestellt und kritische Fragen beantwortet:

Warum muss die Anlage unbedingt in Oberzier gebaut werden, die Gemeinde Niederzier ist doch mit Tagebau, A4, Nähe zum Forschungszentrum Jülich und der bestehenden Umspannanlage schon belastet genug?

Ein Anschluss an die Umspannanlagen Verlautenheide am Autobahnkreuz Aachen und Zukunft /Weisweiler sei aufgrund von Kapazitätsbeschränkungen in Zusammenhang mit dem Kraftwerk Weisweiler nicht möglich.

Welche Auswirkungen hat die Anlage auf Mensch und Umwelt?

Eine Gesundheitsgefährdung schließt Amprion aus. Der Geräuschpegel des bereits bestehenden Umspannwerks werde nicht spürbar angehoben. Strahlung jedweder Art gehe von der Konverterstation nicht aus, die Halle selbst sei ein faradayscher Käfig, aus dem keine Funkwellen nach außen dringen können. Begrünung soll dafür sorgen, dass die Anlage – soweit möglich – „unsichtbar“ wird.

Wie sieht es mit elektromagnetischen Feldern aus?

Elektrische Felder sollen weder beim Konverter noch beim Erdkabel nach außen dringen. Magnetische Felder sollen sich in der Größenordnung des Erdmagnetfelds bewegen.

Wie soll die Zufahrt zur Baustelle während der mehr als zweijährigen Bauzeit geregelt werden?

Niederziers Bürgermeister Hermann Heuser betonte, dass eine Zufahrt durch bewohnte Bereiche nicht infrage komme. Geplant ist der Ausbau eines Wirtschaftsweges zwischen Niederzier und Berg mit Anschluss an die L12.

Wie wird die Trasse des Erdkabels verlaufen?

Der Trassenverlauf zwischen Oberzier und der belgischen Grenze bei Lichtenbusch ist noch offen. Geprüft werden derzeit drei Varianten: entlang der A 4, Richtung Jülich und dann entlang der A 44 und „querfeldein“.

Wie tief werden die Kabel verlegt? Welche Nutzung ist noch möglich?

Der Graben wird maximal fünf Meter breit und 1,90 Meter tief sein. Landwirtschaftliche Nutzung ist oberhalb der Kabel möglich, eine Bebauung nicht. Der Schutzstreifen kann bis zu zehn Meter breit werden.

Ist die Entscheidung zum Bau der Anlage nicht längst gefallen?

Der Netzverknüpfungspunkt ist zwar gesetzlich festgeschrieben, das offizielle Genehmigungsverfahren, bei dem die Gemeinde Niederzier und betroffene Bürger Anregungen und Bedenken äußern können, will Amprion voraussichtlich 2015 beantragen. Je nach Art des Verfahrens wäre der Kreis Düren oder die Bezirksregierung Genehmigungsbehörde. Heuser betonte, dass es Ziel der Gemeinde sei, die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten.

Welchen Nutzen hat die Gemeinde Niederzier von der Anlage?

Die Kommune erhält Gewerbesteuer, deren Umfang vom Anlagevermögen – allein der Konverter kostet rund 100 Millionen Euro – und Umsatz der Anlage abhängt.

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