Hürtgenwald - Streit um die alten Bunker

Streit um die alten Bunker

Von: Margret Vallot
Letzte Aktualisierung:
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Bis zu 15 Soldaten mussten auf unbeschreiblich engem Raum leben und kämpfen. Raimund Scholl vom Geschichtsverein kann interessante Details berichten. Foto: Margret Vallot

Hürtgenwald. Die Mitglieder des Geschichtsvereins in Hürtgenwald sind in Sorge. Viele Jahrzehnte lang waren die Bunker - Relikte von Wehranlagen des Zweiten Weltkriegs - von keinerlei Absperrung umgeben, sie waren immer offen zugänglich.

Das soll jetzt anders werden, fürchtet der Vorsitzende vom Geschichtsverein und Ortsvorsteher von Gey, Helmut Rösseler. „Einige hundert Bunker” gibt es im Kreis Düren. Das weiß Wolfgang Wegener, Mitarbeiter im Amt für Bodendenkmalpflege in Bonn. Es gibt Munitionsbunker, Mannschaftsbunker, Gefechtsbunker, Sanitätsbunker und womöglich weitere Bunkertypen. Gut 20 sollen es auf dem Gebiet der Gemeinde Hürtgenwald sein. Und um die ist ein Streit entbrannt.

Die Leiterin der Biologischen Station, Dipl.-Biologin Heidrun Düssel-Siebert, meint: „Laut Rechtslage sind Bunker Lebensräume für gefährdete Arten.” In den Anlagen haben die Naturschützer Wildkatzen, Amphibien, Fledermäuse, hier und da mal einen Dachs, Insekten und Spinnen gefunden. Diese Lebensräume werden zerstört, wenn Menschen die Anlagen betreten. Im Winter brauchen zum Beispiel Fledermäuse durchgängig eine Temperatur von sieben Grad. Exakt so kalt ist es im Winter immer in den Anlagen. Betritt ein Mensch einen derart kalten Raum, verändert sich dort die Temperatur sofort, die Fledermäuse wachen auf, finden keine Nahrung und verenden.

Bei dem Thema prallen die Interessen der Historiker hart auf die der Naturschützer. „Die Bunker sind nun mal da und sollen so wie sie sind, in der Landschaft liegen”, erklärt Helmut Rösseler, der mit historisch interessierten Menschen nicht eines Tages vor Zäunen und Brettern stehen möchte. „Gegen das Wegsperren der Bunker wehren wir uns”, sagt Rösseler und hat zu seiner Unterstützung Mitarbeiter des Landschaftsverbands am 28. Januar zu einem Gespräch eingeladen. Raimund Scholl, ebenfalls Mitglied im Geschichtsverein, weiß von Bunkern, die von immer wieder anderen Niederländern, Belgiern und amerikanischen Veteranen aufgesucht werden. Einen Bunker von innen und außen zu besichtigen, zumal in Begleitung von Raimund Scholl, das vermittelt mehr von der Grausamkeit und Sinnlosigkeit des Krieges, als viele Bücher.

Aber in Hitlers ehemaligen Westwall-Bunkern leben insbesondere vom Aussterben bedrohte Langohren- und Wasserfledermäuse. Unzerstörte Bunker seien „optimale Lebensräume” weiß auch Henrike Körber vom Arbeitskreis Fledermausschutz in Langerwehe. Im Arbeitskreis hat man beobachtet, dass die Eifel tüchtig in Tourismus investiert. Die Tierschützerin sieht vor ihrem geistigen Auge schon Scharen von Touristen in den Ruinen krabbeln. Die Neugier der Menschen sei nun mal groß und die Rückzugsräume für Tiere würden immer kleiner.

Bürgermeister Axel Buch befürchtet, dass die Naturschützer „ihr an sich gutes Ziel dadurch schlechtmachen, dass sie übertreiben”. Es müsse bei jeder einzelnen Anlage überlegt werden, ob sie den Geschichtsfreunden oder den Naturfreunden zu überlassen sei.
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