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Street View: Fluch oder Segen?

Von: Sarah Maria Berners
Letzte Aktualisierung:
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Gepixelt oder nicht? Die Meinungen über Google Street View gehen auseinander. Ein einheitliches Bild wird es nicht geben. Gut möglich, dass manche Häuser vom Friedrich-Ebert-Platz in Düren unkenntlich gemacht werden, andere aber zu sehen sind. Foto: Berners

Kreis Düren. Ist Google Street View Fluch oder Segen? Auch wenn noch gar nicht klar ist, wann Düren und die benachbarten Kommunen auf der virtuellen Landkarte erscheinen, erhitzt das Thema schon jetzt die Gemüter.

Schon jetzt zeichnet sich ab, dass es im Netz kein einheitliches Bild, sondern eine Mischung aus Fassaden-Fotos und gepixelten Flächen geben wird. An dem Thema scheiden sich die Geister.

Mit Street View will der Internetgigant Google Städte und Dörfer virtuell erlebbar machen. So, als wäre der Betrachter selbst auf der Straße unterwegs. Damit hat Google eine Debatte über Datenschutz losgetreten. Die Folge: Wer nicht möchte, dass sein Haus im Internet zu sehen ist, kann einen Widerspruch einlegen. Das Objekt wird unkenntlich gemacht.

„Wir werden natürlich nicht gegen die Veröffentlichung aktiv werden”, sagt Dagmar Runge, Vorsitzende des Dürener Bauvereins, der 211 Häuser besitzt. „Wir sehen für uns klare Vorteile.” Schließlich könnten sich potenzielle Mieter die Objekte anschauen. Bewohner könnten zwar gegen eine Veröffentlichung vorgehen, allerdings habe bisher noch kein Mieter Bedenken geäußert.

Ihr Kollege Heinz Mannheims, Vorstand der SEG Wohnungsbaugenossenschaft, sieht eine Kluft zwischen Vermarktungsinteressen und dem Schutz der Privatsphäre. Diesen Spagat gelte es zu bewältigen. Die Gemeinden Kreuzau und Hürtgenwald unterstützen ihre Bürger schon lange im Widerspruchsverfahren. Hürtgenwald hat einen Sammelwiderspruch gestartet und abgeschickt, in Kreuzau liegen Vordrucke aus.

Die Resonanz: Rund 140 von 7000 Haushalten haben sich Kreuzau Vordrucke abgeholt, in Hürtgenwald waren es 110 von rund 2900. Bleiben viele Menschen, denen der Street View entweder egal oder, da dem Geschäft förderlich, sogar sehr recht ist.

Die Skeptiker kommen laut Helge Drewes-Janssen von der Stadt Kreuzau, aus allen Altersgruppen und auch die Motive seien unterschiedlicher Natur: „Für manche ist es eine Prinzipfrage, andere treibt die Sorge vor Einbrüchen.”

Anders als in Kreuzau, wo das Thema schon lange für Aufregung sorgt, hat es in Düren bisher wenig Wirbel um Street View gegeben. In der Politik ist es still und beim Beschwerdemanagement stapeln sich keine Bürgeranfragen.

Deswegen hat die Stadt auch noch keine konkreten Pläne. Was öffentliche Gebäude wie Schulen oder Feuerwehrgerätehäuser anbetrifft, sieht Hauptamtsleiter Heribert Küpper die Veröffentlichung bei Street View als wenig bedenklich an.

Ob man den Aufnahmefahrzeugen, wenn sie denn in Düren eintreffen, behördliche Steine in den Weg legen wolle, müsse politisch beschlossen werden. Bringen dürfte das aber nichts, auch in Kreuzau konnte nicht verhindert werden, dass das Street View-Fahrzeug seine Runden dreht.

Und die Geschäftswelt? Schon in Jubel ausgebrochen? In der Interessengemeinschaft City ist das Thema noch nicht diskutiert worden. Ihr Vorsitzender Rainer Guthausen persönlich hat nichts für Street View übrig. „Ich bin ganz klar ein Gegner von Street View. Was zuviel ist, ist zuviel.”

Gegen die Möglichkeit virtuell durch eine Geschäftsstraße zu spazieren und mit einem Link einen virtuellen Rundgang durch einzelne Läden zu machen, hat er nichts einzuwenden. Bilder privater Häuser hingegen haben seiner Meinung nach nichts im Netz verloren.

Gleichwohl wisse er, dass es Geschäftsleute gebe, die sich über Street View freuen würden. „Allerdings hoffe ich, dass auch sie trotz des Geschäftssinnes den persönlichen Bereich schützen.”
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