Strafen verbessern keine Noten

Von: Guido Jansen
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Die Angst vor dem Ärger zu Hause: Freitag ist der letzte Schultag in NRW. Von den 31587 Schülern im Kreis Düren werden sicherlich etliche mit einem mulmigen Gefühl ob des schlechten Zeugnisses heimkehren. Foto: dpa

Am Freitag gibt´s Giftblätter mit Geisterschrift. Das haben Schüler früher immer vor dem Tag ihres jüngsten Gerichts gesagt, dem Tag, an dem es Zeugnisse gibt. 31.587 Schüler im Kreis Düren bringen dann genau so viele Zeugnisse mit nach Hause. Dass die Zeugnisse nicht immer ein Grund für Freudenfeste liefern, sagt der Spitzname Giftblätter schon.

Ein Grund für einen schief hängenden Haussegen ist das allerdings nicht. Das sagt Günter Müller, Diplom-Psychologe und Leiter des Schulpsyschologischen Dienstes beim Kreis Düren. Müller und seine Mitarbeiter bieten am Freitag und dem Montag darauf ein Sorgentelefon zum Thema Zeugnisse an. Alle Informationen dazu gibt es auf der Kreis Düren-Seite. „Stellen Sie sich als Eltern vor, dass Sie im Beruf Stress mit Ihrem Chef haben“, stellt Müller einen Vergleich an, wie Zeugnis-Schelte und Strafen wirken. „Dann kommen Sie nach Hause und kriegen wegen des Ärgers mit dem Chef noch mal Ärger. Das fänden Sie sicher nicht sonderlich motivierend.“

Gründe für ein schlechte Noten gebe es viele. Strafen seien oftmals die falsche Reaktion darauf. „Wenn das Kind gerne Fußball spielt, dann sollte man ihm diesen Spaß nicht nehmen“, sagt Müller. Am besten sei, eine Nacht über das Zeugnis zu schlafen. Darüber sollten Eltern allerdings nicht ihre Konsequenz vernachlässigen. Beispielsweise was die Fernseh- oder Computerzeiten angeht. „wenn klar ist, dass das Kind zu wenig Zeit ins Lernen und zu viel ins Surfen im Internet investiert hat, dann spricht nichts dagegen, das Internet zu limitieren.“ Ein gänzliches Verbot gehe allerdings zu weit, weil die Schüler sonst zu sehr aus den sozialen Netzen ausgegrenzt würden.

Wichtig sei, dass die Eltern nicht nur die Noten im Blick haben, sondern auch die Tatsache, ob das Kind sich angestrengt hat. „Es ist ja durchaus möglich, dass die Schüler in der Prüfung einfach mal Pech oder einen Aussetzer haben. Das passiert jedem mal“, berichtet der Psychologe.

Zudem sollen die Eltern die Entwicklung der Kinder berücksichtigen. In der der Pubertät sei es laut Müller nicht ungewöhnlich, dass Kinder in ihren Leistungen ein wenig nachlassen.

In den Jahren zuvor bedeuten Klasse fünf und sechs einen großen Schritt. „Es gibt Eltern, die haben aus der Grundschule die Empfehlung für Haupt- der Realschule erhalten und schicken ihr Kind trotzdem auf ein Gymnasium. Das kann schnell zu Problemen mit den Noten führen“, berichtet Franz Holtz, der Rektor des Rurtal Gymnasiums. An dieser Stelle sei es wichtig, dass der Ehrgeiz der Eltern nicht das Potenzial der Kinder übersteige. Dazu gehöre auch, dass es nicht als Strafe, sondern als letzte Chance aufgefasst werde, falls ein Kind zusätzlichen Unterricht absolvieren oder eine Klasse wiederholen muss.

Die rot-grüne in Niedersachsen wollte das Sitzenbleiben zu Beginn des Jahres abschaffen. Viele Dürener Pädagogen sind dagegen. Neben Holtz bezeichnete auch Friederike Cremer vom Dürener St. Angela-Gymnasium das Sitzenbleiben als „einen Schuss vor den Bug, der manchen Schülern gut tut.“ Vor allem dann, wenn der Schüler das Potenzial habe, aber einfach zu faul zum Lernen gewesen sei.

Dieser Schuss vor den Bug kommt übrigens nicht aus heiterem Himmel. Monitum, auch bekannt als blauer Brief, heißt die Warnung, die die Schulen rund zehn Wochen vor den Zeugnissen an die Eltern schicken, falls die Versetzung des Kindes gefährdet sei. „Wichtig ist, dass die Eltern in solchen Fällen als Unterstützer für ihre Kinder da sind, und nicht als Ankläger“, betont Günter Müller.

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