Steinkäuze: Im Kohlerevier werden die Reviere knapp

Von: Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
5795207.jpg
Für die Steinkäuze werden die Lebensräume rar: Doris Siehoff aus Gey betreut das Steinkauzschutzprojekt der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen im Kreis Düren. Foto: Stephan Johnen

Pier. Die Steinkäuze von Gut Pesch haben es den Menschen gleichgetan – und Pier verlassen. Seit vielen Jahren brütete dort jedes Frühjahr aufs Neue ein Steinkauzpaar in einer der Nisthilfen, umgeben von alten Obstbäumen und Wiesen. Es war die ideale Nachbarschaft für die gefährdeten Tiere.

Mehrere Steinkauzpaare haben regelmäßig in Pier gebrütet, in diesem Frühjahr zum letzten Mal. Der Bestand sinkt kontinuierlich. Noch im Mai hatte Doris Siehoff von der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen (EGE) vier Eier im Nistkasten gezählt. Eigentlich wollte sie jetzt die Jungtiere beringen, doch die Käuze haben die Brut aufgegeben. „Das ist auch an anderen Stellen der Fall“, weiß die Naturschützerin aus Gey. Der Winter war hart, es gibt wenig Mäuse, das Wetter blieb auch im Mai und Juni unbeständig. Das sei bedauerlich, aber der natürliche Lauf der Dinge.

Noch 120 Paare im Kreis Düren

In Pier allerdings habe die Aufgabe der Brut eine andere Dimension, sagt Doris Siehoff. Es wäre die letzte an dieser Stelle gewesen. Im kommenden Jahr wird es die Reviere der sechs rund um den Ort brütenden Paare nicht mehr geben. Die Baumaschinen ebnen bereits den Braunkohlebaggern den Boden. Während ihre menschlichen Nachbarn umgesiedelt wurden, gehe für die Steinkäuze ihr Lebensraum verloren: „Es gibt kaum noch Rückzugsgebiete für die Tiere.“ Vom Bergbautreibenden hätte sie sich mehr Anpflanzungen gewünscht – schon vor Jahren, denn die Tiere nisten vor allem in Asthöhlen und Baumlöchern alter Obstbäume. Doch auch ohne Tagebau verliere der Steinkauz immer mehr Lebensraum. 120 Paare sind den Naturschützern aktuell im Kreis Düren bekannt, im Jahr 1991 waren es 220.

„Der Steinkauz ist ein Symbol für die bäuerliche Landschaft“, findet Doris Siehoff. Und mit dieser Beschreibung skizziert sie auch das Problem der Käuze bei ihrer Suche nach geeigneten Revieren. Die „bäuerliche Landschaft“ ist auf dem Rückzug. „Heute lebt in vielen Dörfern kein einziger Steinkauz mehr“, sagt die Naturschützerin. Viele Obstbaumwiesen seien der Axt zum Opfer gefallen, in alten Steinkauzrevieren gebe es Neubaugebiete. Jedes Revier sollte mindestens fünf Hektar groß sein, extensiv genutztes Grünland mit vereinzeltem Baumbestand. Im Idealfall weiden Schafe oder Rinder auf den Flächen. „Wo gibt es das noch?“, fragt Doris Siehoff.

Wenige Kilometer von Pier entfernt, in Echtz beispielsweise. Ein Landwirt hat gestattet, einen Nistkasten aufzuhängen. Das dort brütende Steinkauzpaar hat vier kräftige Jungtiere, die von Doris Siehoff beringt werden – und damit eine Art Personalausweis erhalten. Anhand der Beringung erhalten die Naturschützer einen Überblick über den Bruterfolg, die Brutplatz- und Partnertreue, die Familienverhältnisse, die Altersstruktur und die Ausbreitung der Vögel. „Mehr als die Hälfte der jungen Käuze siedelt sich im Umkreis von weniger als zehn Kilometern um den Brutplatz an“, sagt Doris Siehoff. Ein Kauz, der bei Gut Pesch in Pier geboren wurde, brütete im Jahr darauf beispielsweise in Vilvenich. Wollen die Kauze aus Pier und Vilvenich in Zukunft ausweichen? Doris Siehoff zuckt mit den Achseln. Die guten Reviere seien besetzt. Vermutlich werde die Zahl der Käuze weiter sinken.

Die Hilfe des Menschen spiele eine große Rolle, sagt Achim Schumacher vom Naturschutzbund Deutschland. Wer einen Nistkasten auf seinem Grund und Boden installieren möchte, werde gerne beraten. Der Kreis Düren habe mehrfach Nistkästen als Spende zur Verfügung gestellt. Hoffnung setzt Doris Siehoff auch auf einen Bewusstseinswandel in der Bevölkerung. Obstwiesen würden als schützenswert empfunden, die Obstbaumwarte stünden Besitzern mit Rat und Tat zur Seite und Landwirte setzten zunehmend auf Direktvermarktung von Obstsäften. Dies helfe, den Lebensraum der Käuze zumindest zu stabilisieren.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.


Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert