Statt St. Martin ein „Sonne-Mond-und-Sterne-Fest“ feiern?

Von: Sandra Kinkel
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Ein Martinsfest mit Laternenzug und Heiligem Martin, der vorneweg reitet, wird in den meisten Kindertagesstätten im Kreis Düren dieser Tage wieder gefeiert. Und sehr häufig feiern die muslimischen Kinder mit. Foto: Stock/Caro

Düren. „Es geht um Respekt und Interesse an anderen Kulturen. Aber wir müssen nicht die Welt neu erfinden.“ Klare Worte von Ulrich Lennartz, Geschäftsführer des Sozialdienstes Katholischer Frauen in Düren. In der hessischen Stadt Bad Homburg feiert eine Kindertagesstätte in diesen Tagen statt Sankt Martin ein „Sonne-Mond-und-Sterne-Fest“, damit Kindern und Eltern aus nicht-christlichen Kulturkreisen nicht diskriminiert werden. Es wird zwar in dem Kindergarten weiterhin einen Laternenzug geben, aber ohne den Heiligen Martin, der vorweg reitet.

„In unseren Einrichtungen“, sagt Ulrich Lennartz, „gibt es weiterhin St. Martin und selbstverständlich auch die anderen christlichen Feste wie Nikolaus oder Weihnachten.“ In Einrichtungen mit vielen Kindern mit Migrationshintergrund, so Lennartz, würden die Erzieherinnen versuchen, auch die Feste anderer Kulturen wie das Zuckerfest zu integrieren.

Im Kindergarten „Lollypop“ in Nord-Düren ist Melanie Weingartz seit vier Jahren Leiterin, hier spielen und lernen Jungen und Mädchen aus 17 Nationen gemeinsam. „Wir feiern St. Marin“, sagt die Kindergartenleiterin, „auch mit unseren muslimischen Kindern. Bei uns haben die Martinsfeiern ganz eindeutig den Schwerpunkt Teilen und Armut.“

Es gibt aber auch Laternen, und die Kinder lernen auch, dass der Heilige Martin ein Bischof war. Melanie Weingartz: „Das, was wir unseren Kindern vermitteln wollen, ist, dass man vor Religionen keine Angst haben muss. Auch nicht vor den Religionen des anderen.“ Und deswegen ist es in der Kita „Lollypop“ selbstverständlich, dass auch das Opfer- und das Zuckerfest gefeiert werden. Weingartz: „Es ist bei den Eltern immer sehr viel Aufklärungsarbeit nötig, weil natürlich Ängste da sind, und zwar auf beiden Seiten. Aber das ist der einzige Weg, Toleranz und Akzeptanz zu schaffen.“

Auch muslimische Feste

Leonore Küpper, Geschäftsführerin der Arbeiterwohlfahrt, die auch Träger der Kita „Lollypop“ ist, ergänzt: „In ganz vielen unserer Einrichtungen wird St. Martin gefeiert. Auch mit einem Heiligen Martin.“

Es sei wichtig, dass auch muslimische Feste gefeiert werden, einfach um diesen Kindern einen heimatlichen Bezug herzustellen. Aber es wird natürlich auch Ostern und Weihnachten gefeiert. Und hier und da sogar ein bisschen Halloween.“ „Bei uns haben alle sechs Kindertagesstätten einen Martinszug“, sagt Marlis Graf, die bei der Pfarre St. Lukas für die Kindergärten zuständig ist. ­Probleme mit muslimischen Kindern oder deren Eltern habe es nie gegeben, im Gegenteil: „Ich hatte immer das Gefühl, dass alle gerne an den Martinszügen teilnehmen.“

Eine ähnliche Erfahrung hat auch Marianne Willms-Löhrer gemacht. Sie leitet die Kindertagesstätte St. Martin in Langerwehe, und nicht nur wegen des Kindergartennamens ist es selbstverständlich, dass hier St. Martin gefeiert wird. „Wir haben Kinder aus ganz vielen Nationen, aus Syrien, dem Libanon, Bosnien, der Türkei. Wir sind wirklich ein kunterbunter Haufen. Und trotzdem beginnen wir unsere Martinsfeier mit einem Gottesdienst in der Kirche.“ Es sei wichtig, so Willms-Löhrer, die kirchliche Feier so zu gestalten, dass alle mitmachen könnten und eine schöne Atmosphäre herrsche. „Grundsätzlich“, so Marianne Willms-Löhrer, „habe ich die Erfahrung gemacht, dass auch muslimische Eltern oder beispielsweise auch die Eltern unserer chinesischen Kinder sehr großen Wert darauf legen, dass ihren Kinder Werte vermittelt werden, die sie auch verstehen.“

Und dann hat Marianne Willms-Löhrer noch einen ganz anderen Ansatz. „Grundsätzlich“, sagt sie, „haben Kinder und Eltern mit Migrationshintergrund Gott sei Dank schon einen guten Stand. Weil sie auch eine große Lobby haben. Das sei für die behinderten Kinder der integrativen Gruppe der Kindertagesstätte noch immer viel schwieriger. „Wir müssen auch daran arbeiten, diese Kinder immer miteinzubeziehen. Das ist mindestens genauso wichtig.“

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