Düren - Statt Bundesliga Neustart an Elite-Uni in New York

Statt Bundesliga Neustart an Elite-Uni in New York

Von: Guido Jansen
Letzte Aktualisierung:
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Henning Sauerbier geht nach Amerika.

Düren. Die Frage hat er in den vergangenen Wochen schon oft gehört. Warum versucht er es nicht? Die Chancen von Henning Sauerbier, den Sprung in den Profi-Fußball zu schaffen, haben gut gestanden.

„In Leverkusen haben sie mir gesagt, dass es auf Anhieb nicht für die erste Liga reicht. Dafür würde ich noch ein paar Jahre brauchen. Aber zweite und dritte Liga trauen sie mir zu”, schildert das Fußball-Talent aus Düren die Perspektiven, die er gehabt hätte.

Der 20-Jährige hat die meisten Jahrgänge in der Junioren-Nationalmannschaft durchlaufen. „Aber ich bin nicht Toni Kroos oder Christoph Moritz”, schildert Henning Sauerbier seine Selbsteinschätzung. Kroos gilt als größtes Talent des 1990er Jahrgangs, der Dürener Moritz ist der Senkrechtstarter. Und beide sind absolute Ausnahmefälle, die bereits in ersten Seniorenjahr Stammspieler im Oberhaus geworden sind.

„So schnell wäre es bei mir nicht gegangen”, sagt Sauerbier. Und deswegen hat er sich für einen anderen Weg entschieden. Der Dürener geht im Sommer in die Vereinigten Staaten und beginnt dort an der Columbia University, einer der renomiertesten Hochschulen der Welt, ein Studium der Wirtschaftswissenschaften. Sauerbier hat sich für ein Sport-Stipendium an der Columbia, die sich im Zentrum von New York befindet, beworben und ist angenommen worden. Und deswegen sieht er den Weg, den er jetzt einschlägt, auch nicht als Flucht vor den Mühlen der dritten und zweiten Liga, die die meisten Jung-Profis durchlaufen müssen, wenn sie eine Chance auf die Bundesliga haben wollen. Denn das Auswahlverfahren an der Elite-Uni war hart. Sowohl was die Tests der intellektuellen Fähigkeiten angeht, als auch die fußballerischen Anforderungen.

„An dieser Uni bewerben sich pro Jahr etwa 400 Deutsche. Angenommen werden Null bis Vier.” Die Hochschule hat den Dürener beobachtet, sogar einen Fußball-Experten nach Deutschland geschickt, um abzuklären, ob Sauerbier kick-technisch gut genug ist. Ab dem Sommer soll der ehemalige Junioren-Nationalspieler also für die Columbia in der Hochschulliga in den Staaten spielen. „Die Bedingungen dort sind genau so professionell wie bei Leverkusen beispielsweise”, weiß der Offensivspieler. Das fußballerische Niveau könne jedoch nicht ganz mithalten. „Es ist vergleichbar mit der NRW-Liga oder vielleicht der Regionalliga bei uns.”

Die Tatsache, dass er vorerst auf die Chance verzichtet, mit Fußball möglicherweise viel Geld zu verdienen, relativiert Henning Sauerbier. Viel Glück gehöre dazu, wenn man den Sprung in den Kreis derer schaffen wolle, die nach ihrer Fußball-Karriere ausgesorgt haben. „Ich würde es sicher bereuen, wenn ich während meiner Fußballkarriere gut leben kann, am Ende aber feststelle, dass ich nicht ausgesorgt habe und keine guten Berufsaussichten habe.” Und deswegen will der Mann, der Bayer Leverkusen jetzt verlassen hat, zweigleisig fahren.

„Wenn ich mich gut entwickle, dann kann ich mir durchaus vorstellen, es nach den vier Jahren noch einmal zu versuchen.” Die Chance, nach dem Studium an einer der namhaftesten Hochschulen der Welt einen guten Beruf zu finden, will sich Sauerbier aufbauen. „Man muss sich nur mal anschauen, wo die Absolventen der Columbia beruflich einsteigen”, spricht er von vielen erfolgreichen Karrieren.

Außerdem erhalte er in Staaten einen großen Gegenwert für seine fußballerischen Fertigkeiten. Verdienen wird er zwar wenig. Aber das Stipendium deckt die Kosten für Studium und Lebensunterhalt weitgehend ab. „Normalerweise könnte ich mir diese Ausbildung niemals leisten”, sagt Henning Sauerbier. Jetzt ist sie möglich geworden. „Und wenn selbst ein Rudi Völler sagt, dass ich eine solche Chance nutzen soll, dann wird da was dran sein.”

Überhaupt habe Leverkusen ihn sehr bei seinen Plänen unterstützt. Beispielsweise, indem der Klub trotz anderer eigener Pläne darauf verzichtet hat, Sauerbier in dieser Saison einzusetzen. Voraussetzung für ein Stipendium ist, dass man zuvor nicht im Seniorenbereich einer Profimannschaft gespielt habe. Und deswegen hat Bayer auch mitgespielt, als Henning Sauerbier Ende des Jahres seinen Vertrag aufgelöst hat, um sich für den Rest der Saison dem Viktoria Arnoldsweiler anzuschließen.
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