Stalking: Bis Juli 51 Anzeigen im Kreis Düren

Von: Sarah Maria Berners
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Viele Stalking-Opfer trauen sich nicht, über ihre Probleme zu sprechen und ziehen sich zurück. Foto: stock/Olaf Döring

Kreis Düren. Stundenlang hatte ein Stalker in Ingolstadt drei Menschen als Geiseln festgehalten. Entbrannt ist im Anschluss erneut eine Debatte über schärfere Stalking-Gesetze. Seit 2007 wird „Nachstellung“ in Paragraf 238 als „Straftat gegen die persönliche Freiheit“ eingestuft.

Wer einem anderen unbefugt nachstellt, indem er beharrlich seine räumliche Nähe aufsucht oder anderweitig versucht, Kontakt aufzunehmen, oder jemanden bedroht und dadurch seine Lebensgestaltung schwerwiegend beeinträchtigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. 107 Anzeigen wegen Stalkings verzeichnete die Polizei im Kreis Düren im vergangenen Jahr, 2011 waren es 111. In diesem Jahr wurden wegen Nachstellens bis einschließlich Juli 51 Anzeigen erstattet. Nach einer Studie des Zentralinstituts für seelische Gesundheit sind 80 Prozente der Opfer Frauen, während die Täter überwiegend männlich sind.

„Die Aufklärungsquote ist bei Stalking-Fällen hoch, weil es sich bei den Tätern häufig um ehemalige Lebenspartner handelt“, erklärt Polizeisprecherin Melanie Mallmann. Aufgeklärt bedeute in dem Fall, dass der Tatverdächtige ausfindig gemacht wurde und der Fall – bei einem Strafantrag – an die Staatsanwaltschaft übergeben wurde. Eine Aufklärungsquote von 88,79 Prozent verzeichnet die Statistik für 2012, das waren 95 von 107 Fällen. Von den bis her in diesem Jahr verzeichneten Stalking-Fällen wurden 82,35 Prozent aufgeklärt.

„Ich fürchte aber, dass die Dunkelziffer der Stalking-Fälle sehr viel höher liegt“, sagt Gerald Fack, der stellvertretende Leiter der Opferschutzorganisation Weißer Ring. „Wer zu uns oder der Polizei geht, hat bereits einen ersten wichtigen Schritt getan und Mut bewiesen“, sagt Fack. Aber viele Frauen würden sich schämen, über Stalking zu sprechen. Sie seien verunsichert und hätten Angst, dieses Problem zuzugeben. Manche würden sich zurückziehen. Andere leiden unter Angstzuständen und Schlafstörungen, andere greifen zur Flasche.

Etwa 25 Beratungen wegen Stalkings gibt es jährlich beim Weißen Ring. Meist kommen Frauen mittleren Alters, deren langjährige Partnerschaft in die Brüche gegangen ist. „Die vormaligen Partner wollen den alten Zustand wiederherstellen“, beschreibt Fack. Die Stalker würden ihren Opfern oftmals nicht von Angesicht zu Angesicht begegnen. Viele würden zu später Stunde anrufen oder ständig E-Mails schreiben. Andere tauchen unerwarteter Weise an bestimmten Orten auf, ganz zufällig im Supermarkt zum Beispiel. Manchmal kommt es zu Handgreiflichkeiten. Den Tätern geht es laut Polizei um Macht und Kontrolle, um Rache.

Fack erinnert sich auch an einen Fall, bei dem der Stalker seinem Opfer Tierkadaver zugeschickt hat. „Aber so etwas ist zum Glück die Ausnahme“, weiß der Opferschützer. „Problematisch ist es jedoch häufig, Stalking auch nachzuweisen“, sagt Fack. „Ist es Zufall, dass beide gleichzeitig im Supermarkt einkaufen?

Will ein ehemaliger Partner sich um 23.30 Uhr wirklich über die Aufteilung von Gegenständen aus der ehemals gemeinsamen Wohnung unterhalten oder ist es Nachstellung?“, nennt der Opferschützer Beispiele für die „schwimmenden Grenzen“. Betroffenen vermittelt der Weiße Ring zum Beispiel Rechtshilfe oder psychologische Beratung. „Wichtig ist, das alles dann sehr schnell geht“, sagt Fack. Die Opfer bräuchten sofort Hilfe und nicht erst nach ein paar Monaten Wartezeit.

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