Stadtrundgang erinnert an vergangene Zeiten

Von: mv
Letzte Aktualisierung:
evangelisch_bu
In der wilhelminischen Ära entstanden monumentale Grabanlagen für die Familien der Industriellen. Foto: Margret Vallot

Düren. Ein Stadtrundgang, bei dem es gar nicht so viel zu sehen, aber viel zu erzählen gibt, findet am Samstag, 25. April, in Dürens Innenstadt statt. Der Anlass: Das 400-jährige Jubiläum der Evangelischen Gemeinde. Auf den Spuren evangelischen Lebens wandern Pfarrer Dr. Dirk Siedler und Peter Heinzke. Wer interessiert ist, kann sich gerne anschließen.

Los geht es am Evangelischen Friedhof in der Kölnstraße (in der Nähe vom Kreisverkehr). Dieser Friedhof ist ein verstecktes Kleinod. Dürens älteste Grabsteine sind dort zu finden, aber auch Steine, die an heldenhafte Menschen der jüngeren Zeit erinnern.

Weiter geht es - immer zu Fuß - zur Oberstraße in die Nähe der Annakirche. Dort tagte 1608, also vor 400 Jahren, das Consistorium in Goddert (Gottfried) Schöllers „Behausung” im so genannten Obertirmt. Pfarrer Siedler will davon erzählen, wie anfangs die Treffen der Protestanten im Verborgenen stattfanden. Und dass die ersten Protestanten zum Niederrhein und dann auch nach Düren kamen, weil sie in den Niederlanden unerbittlich und grausam verfolgt wurden. Für Flüchtlinge setzt sich die Gemeinde, die jetzt 23500 Personen umfasst, noch heute bevorzugt ein.

Goddert Schöller jedenfalls, geboren um 1570, besaß ein Haus in der Oberstraße und muss für die Gläubigen eine große Autorität gewesen sein. 1609 gab es auch den ersten „öffentlichen” Gottesdienst in Düren, er fand im Hause des Stadtschreibers Wilhelm Deutgen statt. Ein erstes eigenes Predigthaus stand 1610 am Viehmarkt, dem heutigen Kaiserplatz. Das Predigthaus war aber eigentlich nur die oberste Etage einer städtischen Fleischhalle. Der Weg führt weiter zu der Stelle, wo einmal die Lutherkirche gestanden hat (Nähe Steinweg).

Im 18. Jahrhundert kommt es in Düren zu mehreren Schulgründungen, und im 19. Jahrhundert bildet sich der Evangelische Frauenverein, der vielfach sozial aktiv wird. Dieser Frauenverein wird auch Träger einer „Kleinkinder-Verwahranstalt” und damit Träger des ersten Kindergartens in Düren.

Später besuchen die Wanderer das Stadtarchiv. Dort werden Dokumente aus dem evangelischen Gemeindearchiv aufbewahrt. Sicher gibt es hier die ein oder andere Urkunde zu bewundern.

Den Abschluss findet der Rundgang in der Christuskirche und im Haus der Evangelischen Gemeinde, wo bei Kaffee und Kuchen noch Fotos vom ehemaligen reformierten Friedhof in der Paradiesstraße gezeigt und erläutert werden. Die Führung wird im September wiederholt.

Peter Heinzke, Leiter der Familienbildungsstätte, erklärte gegenüber den „Nachrichten”, die evangelische Gemeinde sei noch heute stolz auf die „Dürener Theologische Erklärung” von 1969, wo man sich vorgenommen habe, „immer auf der Seite der Entrechteten zu stehen”. Die Entwicklung der Mitgliederzahlen zeige, dass es nach dem Krieg eine Zuzugsbewegung von Protestanten nach Düren gegeben hat.

Anfang der 50er Jahre wurden viele Flüchtlinge in die Gemeinde aufgenommen. Die Zahl der Mitglieder stieg von 4648 (1933) auf etwa 12000 (1953).
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.


Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert