Nideggen - Stadtgeschichte: Nideggen als Mekka des Motorsports

Stadtgeschichte: Nideggen als Mekka des Motorsports

Von: Heinz Bücker
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Die Eifelrennen rund um Nideggen waren legendär und lockten tausende Zuschauer an. Quelle: Heimat- und Geschichtsverein Nideggen

Nideggen. Am 25. Dezember 1313 hat Nideggen die Stadtrechte verliehen bekommen. Ein ganzes Jahr wird in der Eifelstadt dieses Jubiläum gefeiert, die „DN“ beschreiben besondere Ereignisse der Stadtgeschichte in einer eigenen Serie. Diesmal geht es um die „Eifelrennen“, die die Herzogstadt berühmt gemacht haben.

Die ersten Eifelrennen wurden nicht um die Nürburg bestritten, sondern in der Nordeifel. Alle Größen des Motorsports waren vertreten, und es ging im Rundkurs um die Burg Nideggen. Der Start und das Ziel war in Nideggen, auf der Danzley. Von hier jagten die Rennfahrer über Berg, Wollersheim, Vlatten, Heimbach, Hasenfeld, Schmidt und Brück zurück nach Nideggen. Diese Strecke war 33 Kilometer lang und wurde je nach Fahrzeugklasse zwischen sechs- und zehn Mal gefahren.

Berichtet werden soll hier von dem Rennen im Jahr 1925, das vier Tote forderte. Es war eine extrem schwierige Rennstrecke. Besonders gefürchtet war das „Vlattener Köpfchen“ und die Schotterstrecke von Brück hoch nach Nideggen. Neben den etablierten WerksfaDie hrern gab es auch einen einsamen Privatfahrer, nämlich Gustav Müntz aus Düren, der – leicht belächelt von den anderen Rennteilnehmern und dem fachkundigen Zuschauern – mit einem umgebauten Ford ins Rennen ging. Bereits am Anfang des Wettkampfs wurde er aus einer Kurve getragen und verbog sich die Vorderachse. Diese wurde sofort vom einen Schmied gerichtet. Anschließend gab das Kupplungsgestell den Geist auf, die Bremsen qualmten mächtig.

Augenzeugen berichteten, dass zum guten Schluss die Karosserie auseinanderfiel. Trotzdem schaffte Müntz es bis zum Ziel auf der Danzley. Hier wurde er von der Musikkapelle mit dem Musikstück „Wenn ich dich sehe, muss ich weinen“ gebührend empfangen.

Gustav Müntz schwor aufgrund dieser Demütigung Rache. Er tunte für das Rennen im Jahr danach ein Ford T Model selber und besorgte sich in Paris einen Drei-Liter-Motor mit obenliegenden Nockenwellen und einem Fünf-Gang-Getriebe. Damit belegte er 1926 den Platz eins, wurde jedoch später auf den zweiten Platz zurückgestuft.

Diese Rennen im Schatten der Burg Nideggen war für den Luftkurort Nideggen ein Riesentrubel – und ein gutes Geschäft. Zu dem Spektakel strömten Zuschauer aus Düren, Aachen, Köln, dem Ruhrgebiet und letztlich aus ganz Deutschland. Sämtliche Hotelbetten (mit Pensionsbetten damals immerhin über 300) waren ausgebucht, und die Landwirte im Umkreis verwandelten ihre Höfe in Privatpensionen und vermieteten sogar ihre Ehe- und Kinderbetten.

Die Zuschauer säumten den Streckenverlauf. Für Presse und zahlende Zuschauer wurde an der Danzleykurve eine Tribüne aufgebaut, die Platz für über 3000 Personen bot. Beim Abbau der Tribüne brach diese plötzlich zusammen, und begrub einen Zimmermann aus Berg unter sich.

Der Familienvater von zehn Kindern wurde am Rückgrat schwer verletzt. Durch die vielen Unfälle und die gefährliche Streckenführung durch sieben Ortschaften wurde bald klar, dass diese Rennstrecke nicht mehr der Zeit und den sehr schnellen Rennwagen entsprach. Man plante daher eine eigene Rennstrecke und baute diese in der strukturärmeren Gegend rund um die Nürburg.

Heinz Bücker engagiert sich seit vielen Jahren im Geschichts- und Heimatverein Nideggen. Er kennt die Historie seiner Heimatstadt wie kaum ein anderer. Für die „DN“-Serie anlässlich des Jubiläums der Stadtrechte-Verleihung an Nideggen hat er einige Teile verfasst.

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